Ein Hauch von Fachwerkhaus

Die Gemeinschaft Rotte 10 &11 arbeitet bereits seit 36 Jahren in Enkirch an zahlreichen Projekten. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Oberdorf zu verschönern. Ihre neueste Arbeit: Eine weiße Wand in der Thonesstraße trägt nun die Zeichnung eines historischen Fachwerkhauses.

Enkirch. Es ist schon lange abgebrannt und erstrahlt nun doch in neuem Glanz: Im Jahr 1562 wurde in der Enkircher Thonesstraße ein gotisches Fachwerkhaus mit steilem Giebel erbaut. Fast 350 Jahre blieb es in diesem Zustand erhalten, lediglich einige Fenster wurden zugemauert. 1907 erhielt es wegen der drohenden Erhöhung der Feuerversicherung einen Putz, der später wieder entfernt wurde. 1928 brannte das Gebäude ab. Heute gibt es nur noch eine Zeichnung der Fassade.

Diese Zeichnung hat die Gemeinschaft "Rotte 10 & 11" (siehe Extra) als Vorlage genommen und die Fassade auf einer Hauswand in der Thonesstraße nachgezeichnet.
"Ich habe die Zeichnung vergrößert und mit Latten und Zollstock aufgemalt", berichtet Frank Schütz von der Rotte. "Es ging uns darum, die Elemente des gotischen Fachwerks festzuhalten". Jetzt freut er sich mit Mitstreiter Bernd Pfaul über die dreidimensionale Wirkung des gemalten Hauses. Zehn Aktive haben rund drei Wochen daran gearbeitet.
In Enkirch stehen aus dieser Zeit noch zwei weitere Gebäude: Der "Alte Pitter" am Wochenmarkt und Teile der Ratsweinschenke.

Bernd Pfaul erzählt von weiteren Werken der Rotte: Die Verschönerung des 1883 erbauten Duckes, einstmals Dorfgefängnis, gehörte zu den ersten Projekten der 1979 gegründeten Oberdorfgemeinschaft. Vier Jahre später entstand am Platz "off Schardt" ein Brunnen, 2009 wurde der "Wanderweg der Lieder" angelegt. 2010 gab es den SWR-Wandertag mit 4500 Teilnehmern. "Das war die größte Veranstaltung, die Enkirch je hatte", sagt Pfaul stolz.
Das Spritzenhaus wurde renoviert und mit der Feuerwehr zu einem kleinen Museum umgestaltet, an der Friedhofsmauer entstand eine Wandertafel, und mit vielen weiteren, ausnahmslos ehrenamtlich ausgeführten Aktivitäten hat die Rotte das Oberdorf verschönert.

Unter anderem wurden acht Fachwerkhäuser freigelegt und der Aussichtspunkt "Rottenblick" gebaut. Erfolgreich wehrte sich die Oberdorfgemeinschaft 2012 gegen die Umwandlung des Kinderspielplatzes in Parkplätze. Er bekam eine neue Bruchsteinmauer und neue Bänke. Aus einer ehemaligen Kaserne konnten Fallschutzmatten zum Schutz der Kinder organisiert werden und Frank Schütz' Vater Ewald verschönerte den Zaun mit Schnitzereien. "Ein solches Engagement wie in Enkirch ist nicht überall möglich", sagt Bernd Pfaul. Dafür sei viel Enthusiasmus nötig. gkb

Extra

Vor dem Ersten Weltkrieg, als das Gemeinschaftsgefühl groß geschrieben wurde, entstanden die sogenannten Rotten, in der sich jeder erwachsene Bürger zum Frondienst für die Gemeinde verpflichtete. In Enkirch erwarteten sie damals unter anderem folgende Dienste: Wege vom Gestrüpp befreien, Bewachung gegen Wildschäden, Hilfe bei der Forstarbeit. 1979 wurde diese Idee in dem Weinort wieder aufgegriffen und die Oberdorfgemeinschaft Rotte 10 & 11 gegründet. "Etwa 100 Familien gehören ihr an", weiß Bernd Pfaul. Das Oberdorf soll weiter verschönert werden, "und wir wollen ein Miteinander von Jung und Alt schaffen". Regelmäßig unternimmt die Gruppe Tagesfahrten und feiert Feste. Die Ehrenamtler sind mit viel körperlichem Einsatz aktiv, "ältere Leute, die dazu nicht mehr in der Lage sind, unterstützen uns mit Spenden, Wein oder Kuchen. Jeder bringt sich ein", sagt Pfaul. Die Erlöse von Festen und Basaren kommen den Projekten der Rotte wieder zugute. gkb