1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Ein Hauch von großstädtischer Kultur

Ein Hauch von großstädtischer Kultur

WITTLICH. Nach vorläufigen Schätzungen haben die Wittlicher Kulturtage rund 2500 Besucher angezogen. Die Organisatoren ziehen eine durchweg positive Bilanz.

Es geht doch nichts über Amerikanismen. "Cross-over der Künste": Das Motto der Wittlicher Kulturtage klingt flott und könnte auch als Etikett fürs kulturelle Sammelsurium herhalten. Glücklicherweise steckt dahinter mehr als eine kulturpolitische Verlegenheitsformel. "Cross over" bedeutet Kreuzung und Austausch. Das war das Ziel der zwölf Veranstalter. Sie hatten sich zu einer Projektgruppe zusammengefunden, und die betraute drei Personen mit den konkreten Planungen: Justinus Maria Calleen vom Kulturamt, Ulrich Jaekel-Laurenze vom Musikkreis Wittlich und Karsten Mathar vom Stadtmarketing. Deren Resümee fällt durchweg positiv aus. Die Wittlicher Kulturtage waren ein Erfolg. Das schlägt sich in den Besucherzahlen nieder, aber auch in der Qualität der Veranstaltungen. 2500 Besucher, dazu mit Prégardien, Zerfaß, Antares und den Ausstellungen hochrangige Angebote - das brachte einen Hauch großstädtischer Kultur nach Wittlich. Noch wichtiger ist den Organisatoren freilich, dass ihr Konzept aufging. Das "Cross over" war keine modische Worthülse, sondern eine Absage ans kulturelle Schubladendenken. Wer zum Musikkreis Wittlich geht und die klassischen Konzerte liebt, sollte auch mal Straßentheater kennen lernen. Wer's gerne laut hat, sollte in die klangvolle Stille des Orgelkonzerts gelockt werden. Wer Bilder mit Dekoration verwechselt, sollte über Führungen und eine Sonderausstellung große Bildende Kunst kennen und schätzen lernen. Und schließlich zeigte der Film "Gegen die Wand", wie spannend niveauvolles Kino sein kann. Martin Scheid vom Kintim ist jedenfalls sehr zufrieden mit der Besucherresonanz. Das verbindet die unterschiedlichsten Gruppen, lädt ein zu Entdeckungsreisen und zeigt: Kultur ist unteilbar. "Ich bin ins Salsa-Konzert gegangen", sagte Ulrich Jaekel-Laurenze, "und hatte keine Ahnung, dass diese Musik ein so fantastisches Erlebnis sein kann." Und zum Schlagzeug-Konzert mit der Gruppe "Antares" und Neuer Musik des 20. Jahrhunderts fanden sich ganz unvermutet mehr als 250 Besucher ein - und zwar offensichtlich solche, die nicht unbedingt Klassik bevorzugen. Gerade dieses Konzert war eine Fundgrube für neue Klangideen. Überhaupt: Die Kulturtage appellierten an die Aktivität der Menschen, ihre Entdeckungslust und hatten damit Erfolg. "Die Leute wollen nicht für dumm gehalten werden!" sagte Kulturamtschef Calleen. Nicht immer verlief alles nach Wunsch. Das Orgelkonzert in St. Markus lief am verkaufsoffenen Sonntag an den Wittlichern vorbei; die meisten packten die Einkaufstüten zusammen und zogen nach Hause. Auch beim "Rudi Smith Quartet" im Lindenhof blieb der Besuch mager, und das Millowitsch-Theater im Atrium erwies sich als "Cross over"-resistent. Volkstheater dieser Kategorie zieht anscheinend nur noch Ältere an. Teuer waren die Kulturtage nicht. Für Organisation und Finanzierung blieben die Veranstalter zuständig. Die müssen mit ihren Eigenmitteln und den bereits eingeplanten Zuschüssen auskommen. Ein städtisches Budget für die Kulturtage ist nicht vorgesehen. Die Stadt beschränkte sich auf die Koordination. Was lässt sich im kommenden Jahr besser machen? Karsten Mathar schlägt ein Festivalticket vor. Außerdem sollen die Kulturtage in einem Programmheft umfassend vorgestellt werden. Da stellt sich allerdings auch die Frage, wer solche Zusatzarbeit erledigen soll; die drei Organisatoren jedenfalls sind nach eigenen Angaben hundertprozentig ausgelastet.