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Ein Haus aus Holz als Herzstück des Betriebs

Ein Haus aus Holz als Herzstück des Betriebs

Ohne Schulden machen zu müssen, baut der Forstzweckverband Öfflingen ein Gebäude, das nicht nur Maschinen aufnimmt und Waldarbeitern Unterschlupf gewährt. Dort soll unter anderem Kindern die Natur nahegebracht werden. Ob beim Bau heimisches Holz zum Einsatz kommt, wird sich aber erst nach der Auftragsvergabe zeigen.

Hasborn. Mit Holz ist offenbar wieder richtig Geld zu verdienen. Der Forstzweckverband Öfflingen hat in den vergangenen fünf Jahren jedes Jahr insgesamt 80 000 bis 100 000 Euro an die ihn tragenden Ortsgemeinden (Niederscheidweiler, Oberscheidweiler, Hasborn, Greimerath, Willwerscheid, Niederöfflingen, Oberöfflingen, Gipperath, Schladt) ausgeschüttet. Zudem, so Revierförster Franck Neygenfind, ist in diesen fünf Jahren eine Rücklage von etwa 300 000 Euro gebildet worden. Dies ist aber nicht der Grund, weshalb ein multifunktionaler Forstbetriebshof errichtet werden soll, denn die Pläne existieren schon lange.
Baubeginn im Herbst


Das Guthaben versetzt die Kommunen aber in die Lage bauen zu können, ohne Kredite aufnehmen zu müssen. Denn zu den errechneten Gesamtkosten von 433 000 Euro kommen bis zu 200 000 Euro als Zuschuss vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium. Das wiederum schöpft die Mittel auf dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Gebaut werden soll ab Herbst auf einer von der Gemeinde Hasborn erworbenen Industriebrache. "Bis Sommer 2014 wollen wir fertig sein", sagt Hajo Neumes, Ortsbürgermeister von Hasborn und Vorsitzender des Forstzweckverbandes.
2000 Hektar Wald bewirtschaften die fünf Mitarbeiter, die neben dem Revierleiter beschäftigt werden. Einige Maschinen lagern in einer angemieteten Scheune, manches Kleingerät in einem ehemaligen Backhaus. Die Mitarbeiter fahren immer direkt in den Wald, einen festen Sozialraum gibt es für sie nicht. Besprechungen finden im ehemaligen Forsthaus in Niederscheidweiler statt. Dort wohnt und arbeitet Franck Neygenfind.
Was heißt nun multifunktional? "Bisher gibt es Provisorien. Jetzt wollen wir Zentralität herstellen", erläutert der Förster. Es wird Platz für Maschinen und Geräte sowie einen Sozialraum geben. Doch das ist nicht alles. Es wird Raum geschaffen, um Kindergarten- und Schulkindern das Thema Natur nahezubringen sowie die beliebten Motorsägenkurse anzubieten. Ein ganz wichtiger wirtschaftlicher Aspekt: Die Waldarbeiter bleiben derzeit, wenn das Wetter überhaupt nicht mitspielt, zu Hause, müssen aber bezahlt werden. Das neue Gebäude garantiere den Ganzjahresbetrieb. Bei schlechtem Wetter könne beispielsweise Brennholz gemacht werden, sagt Neygenfind.
Bleibt noch eine Frage: Ein solches Gebäude wird doch sicherlich aus heimischen Hölzern gebaut? Aus Holz ja, sagt der Revierförster. "Ob aus heimischem Wald ist noch die große Frage", fügt er an. Weil es Zuschüsse der EU gebe, müsse das Projekt nach EU-Norm ausgeschrieben werden. Bekomme beispielsweise eine Firma aus Österreich den Zuschlag, stehe es ihr frei das Holz auch von dort mitzubringen.
"Wir würden uns natürlich wünschen, dass heimisches Holz verwendet wird", sagt Neygenfind, der seit fast 30 Jahren Revierförster ist.
Verbaut wird auf jeden Fall das Holz der Douglasie. "Sie ist für uns die wirtschaftlich bedeutendste Baumart", sagt der Förster. Ihr Holz wird die äußere Hülle des Gebäudes bilden. Der Hintergrund: "Es ist kein Holzschutz nötig", sagt Neygenfind. Auch eine Dämmung sei nicht erforderlich, weil Holz eine sehr gute Isolier-Eigenschaft habe. Die Bodenplatte werde als Niedrigtemperaturheizung genutzt, heißt es aus dem Umweltministerium. Ein Rohrsystem, durch das Grundwasser ströme, soll für Frostfreiheit im Winter und Kühlung im Sommer sorgen. cb
Extra

Den Forstzweckverband Öfflingen gibt es seit 2004, seit 2008 wird auch gemeinsam gewirtschaftet. "Es gibt nur einen Plan und einen Haushalt, jeder Ort behält aber sein Eigentum", erläutert Revierförster Franck Neygenfind. Jeder müsse aber auch ein kleines Stück Selbstständigkeit aufgeben. Diese Art des Wirtschaftens sei immer noch eine Besonderheit, erklärt der Förster. Der Forstzweckverband Öfflingen werde aber mehr und mehr zum Vorbild für andere Kommunen in Rheinland-Pfalz. Der Name des Verbandes kam zustande, weil die meisten der neun Orte auf der sogenannten Öfflinger Höhe liegen. cb