Ein Haus der Jugend für zwei Tage
In Morbach fehlt ein adäquater Treffpunkt für Jugendliche. Das ist die Überzeugung der Mitglieder des Jugendparlaments. Eine Projektgruppe erarbeitete, wie ein "Haus der Jugend" in Morbach aussehen könnte und wollen die Ergebnisse am 19. und 20. September der Öffentlichkeit vorstellen.
Morbach. Morbacher Jugendliche treffen sich an unterschiedlichen Orten. David aus der siebten Klasse steht mit seinen Freunden häufig am Supermarkt. Die zehnjährige Saskia und ihre Freundinnen verabreden sich zu Hause oder in der Eisdiele. Doch alle Treffpunkte haben ihre Nachteile. Die Eltern sind nicht froh, wenn die Gruppe zu groß ist, in der Eisdiele kostet es, und am Supermarkt wird man bei schlechtem Wetter nass.
Für das Jugendparlament Morbach ist die Sache klar. Die Mitglieder sind der Auffassung, dass Morbach ein Haus der Jugend braucht.
Die Erkenntnis der elfköpfigen Truppe stammt aus einer Zukunftswerkstatt, zu der man sich im vergangenen Jahr in der Jugendherberge in Bad Kreuznach getroffen hat. Bei dem Treffen an der Nahe wollte man sich Ziele setzen, die innerhalb von einer Legislaturperiode, also innerhalb von drei Jahren, umsetzbar sind.
Und das aus gutem Grund: "Wenn sich in drei Jahren die Besetzung ändert, haben die Neuen möglicherweise ganz andere Pläne", erklärt Julia Begass, die Vorsitzende des Jugendparlaments (Jupa).
Aber man wollte nicht Gefahr laufen, an der Zielgruppe vorbeizuplanen. Deshalb wurde in der Hauptschule eine Art "Wunschzettel" abgefragt. Die Fragestellung lautete: "Was wünschen sich die Schüler für Morbach?" Die Antworten waren sehr unterschiedlich: McDonald's, ein Kino - und immer wieder wurde ein Jugendtreff beziehungsweise ein Haus der Jugend genannt.
"Mit dieser Vorgehensweise wollten wir vermeiden, dass wir am Bedarf vorbeiarbeiten", sagt Astrid Spangenberg, Lehrerin an der Hauptschule Morbach. Damit wolle man nicht die "Teestube" übergehen. Der Verein biete zahlreiche Angebote, vor allem für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren. "Aber für einen selbst organisierten Treff ist die Gemeinde einfach zu groß", macht der Morbacher Jugendsachbearbeiter Daniel Schäfer deutlich.
Auf den Dörfern organisieren Jugendliche den Raum quasi für ihre eigene Clique. Bei 3000 Einwohnern funktioniere das nicht.
Das Jugendparlament hatte in der Vergangenheit versucht, die Teestube mit einem Öffnungstag zu unterstützen, aber das Projekt scheiterte.
Zuvor hatte sich im Arbeitskreis Soziales, der im Rahmen des Prozesses zur demografischen Entwicklung entstanden war, eine Projektgruppe zum Thema gegründet, an der neben der Jupa-Chefin und dem Jugendsachbearbeiter zahlreiche weitere Personen mitarbeiten, die mit dem Thema Jugendliche zu tun haben. Sie erarbeitete eine Simulation für ein "Haus der Jugend".
Inzwischen ist man noch einen Schritt weiter. In einer Kooperation der beiden Schülervertretungen von Haupt- und Realschule wurde die Detailplanung für eine Veranstaltung ausgearbeitet, schildert Spangenberg.
Zwei Tage lang, am 19. und 20. September, will man in den Räumen der "Teestube" demonstrieren, was in einem Haus der Jugend alles möglich ist: vom Hairstyling-Treff bis zum Mountainbike-Workshop. Den Abschluss der Veranstaltung bildet eine Podiumsdiskussion am Samstag um 16 Uhr mit Vertretern von Politik und Jugendparlament.
Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Schreiben Sie uns. Ihre Zuschrift sollte maximal 30 Zeilen à30 Anschläge lang sein und bis heute, 14 Uhr, vorliegen, Fax 06531/963034; E-Mail: hunsrueck@volksfreund.de.
Meinung
Spannende Diskussion
Was die Morbacher Jugend - Jugendparlament und Schülervertretungen - mit Unterstützung weiterer Gremien und Verantwortlichen auf die Beine gestellt haben, ist beachtlich. Das geht über einen Vorschlag, den man in die Gremien einbringt, weit hinaus. Da wird die "große Politik" ganz schön ans Nachdenken kommen. Bislang hatte sich in der Diskussion immer wieder die Auffassung durchgesetzt, die Einrichtung des Jugendsachbearbeiters in der Gemeinde als Ansprechpartner sei ausreichend. Aber es ist tatsächlich etwas anderes, einen Jugendraum für einen Ort mit 500 Einwohnern zu organisieren oder für einen mit 3000. Diesen Anspruch an die "Teestube" zu stellen, wäre deutlich zu hoch gegriffen. Ebenso wenig wie die Erwartung, dass die Vereine, so wichtig ihre Arbeit auch ist, das Aufgabenfeld Jugendarbeit komplett abdecken sollen. Mit der Einführung der Integrierten Gesamtschule wird dieses Thema eher noch dringlicher werden. Schließlich werden dann noch mehr Kinder und Jugendliche nach 16 Uhr auf Morbachs Straßen unterwegs sein. Will die Gemeinde als familienfreundlich gelten, gehören auch geeignete Räumlichkeiten für Jugendliche inklusive Betreuung dazu. Dass etliche von ihnen die Straße zum Treffpunkt machen, ist für viele Morbacher ein Ärgernis. Es ist allerdings auch nachvollziehbar. Die Diskussion am 20. September wird sicher spannend. i.rosenschild@volksfreund.de