Ein Jugendstreich mit weißen Folgen

Ein Jugendstreich mit weißen Folgen

Die Kirchweih war früher ein ganz besonderes Ereignis im dörflichen Jahreslauf. Aus diesem Anlass wurden Haus und Hof auf Vordermann gebracht - auch die Toilette.

Hunsrück. Ein kleines Dorf mitten im Hunsrück. Es war wohl im Jahre 1962 oder 1963 im Frühjahr, kurz vor der Kirchweih (Kirmes).

Zur Kirchweih wurden die Höfe aufgeräumt, die Häuser mit einem Frühjahrsputz auf Hochglanz gebracht. Auch das Klo (Toilette) wurde gereinigt und neu angestrichen.

Hierzu muss man wissen, dass das sogenannte Eindachhaus oder Trierer Haus im mittleren Hunsrück stark vertreten war. Wohnhaus, Stall und Scheune waren unter einem Dach angeordnet, und in der Mitte der langen Hausfront gab es vielfach eine Aussparung, in die das Klo eingebaut war. Vielfach auch Plumpsklo genannt, hatte es den Zugang von der Hofseite und war mit einer nach außen öffnenden Holztüre versehen.

Innen hatte dieses "Häuschen" einen Kalkanstrich, der hin und wieder erneuert wurde. So geschah es auch in dem kleinen Dorf mitten im Hunsrück.

Hexenstreich auf Kosten des Bauern



Die Kirmes nahte, der Bauer hatte sein Klo neu "geweißt" (gekalkt). Nach dem langen Winter war die Jugend des Dorfes voller Tatendrang. Einige Tage vor der Kirmes war die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, die Hexennacht.

Neben anderen Streichen wurde mit sehr viel Geduld das frisch gekalkte Klo des Bauern mit Mist von der naheliegenden Dungstätte vollgepackt, was den neuen Anstrich komplett verschmutzte. Der Bauer rief die Polizei, was auch den Ortsvorsteher auf den Plan rief. Letzterer vermittelte zwischen der Dorfjugend (keiner wollte es gewesen sein) und der Polizei. Auf eine Strafanzeige würde verzichtet, wenn der Dung beseitigt und das Klo komplett neu angestrichen werde.

Hiermit waren die Jugendlichen einverstanden und gingen tags drauf an die Arbeit. Sie machten ihre Arbeit sehr gut und wortgetreu. Das Klo wurde komplett gekalkt, also auch der Holzsitz und der Boden.

Das machte unseren Bauern wütend, und er beschwerte sich beim Ortsvorsteher. Dieser gab diesem jedoch zu verstehen, dass die Jungen sich genau an die Abmachung gehalten hätten indem sie das Plumpsklo komplett neu gestrichen hätten. Also musste der Bauer doch noch selbst zu Spachtel und Schrubber greifen, um den gewünschten Zustand herzustellen.

Die Moral von der Geschichte: Vereinbarungen sollte man genau überdenken, bevor man diese akzeptiert.