Ein Kauf "schweren Herzens"

Wenn es nicht eine so vertrackte Vorgeschichte gebe, wäre die Nachricht nur wenige Zeilen wert: Die Ortsgemeinde Hetzerath kauft für 145 000 Euro von der Katholischen Kirche ein Grundstück, um die dringend notwendige Erweiterung des Kindergartens voranzutreiben. Eine frohe Botschaft für die Hetzerather, eine bittere Erfahrung aber für die örtlichen Kommunalpolitiker und Kirchengemeinderäte.

Hetzerath/Trier. Eigentlich hätte es aus Sicht aller Beteiligten kaum etwas Schöneres geben können: Die Ortsgemeinde Hetzerath wächst und wächst, junge Familien sorgen für reichlich Kindersegen, und während anderswo über demografischen Wandel und Schließung öffentlicher wie kirchlicher Einrichtungen debattiert wird, diskutiert man in Hetzerath innerhalb weniger Jahre über die zweite notwendig gewordene Erweiterung des Kindergartens.
Der steht in katholischer Trägerschaft und auf katholischem Grund und Boden - jedenfalls seit den 1960er Jahren, als die bürgerliche Gemeinde das Grundstück der Kirchengemeinde übertrug und den damaligen symbolischen Kaufpreis gleich als Baukostenzuschuss wieder der Kirche zurücküberwies. Inzwischen freilich ist reichlich Wasser die Mosel hinab geflossen, und dabei ging wohl auch so manch kindlich-vertrauensvolles Miteinander über den Jordan. Denn als es jetzt um die anstehende Kindergartenerweiterung ging, ließ das Trierer Bistum wissen, man werde sich aus jeder weiteren Finanzierung heraushalten. Motto: Wenn die Gemeinde bauen will, könne sie dies gerne tun - dann aber in eigener Bauträgerschaft.
Bistum legt Veto ein


Das wäre bis zu diesem Punkt auch nicht das Problem gewesen. "Die katholische Kirchengemeinde gibt uns das Grundstück zurück, das wir ihr seinerzeit übertragen haben - und die bürgerliche Gemeinde baut dann darauf in Eigenregie die Erweiterung des Kindergartens." So jedenfalls lautete zunächst der Gedankengang von Ortsbürgermeister Werner Monzel, dem gesamten Ortsgemeinderat und auch dem katholischen Kirchengemeinderat Hetzerath, der diesem Deal mehrheitlich gerne zustimmen wollte - dabei aber die Rechnung ohne das Trierer Bistum gemacht hatte.
Von ihrer Chefetage in Trier mussten sich die ehrenamtlichen Kirchenparlamentarierer nämlich sagen lassen, sie hätten hier gar nichts zu sagen: Laut aktuellen Bodenrichtwerten hätte das Kita-Grundstück heute einen Wert von rund 145 000 Euro - und die seien gefälligst als Kaufpreis fällig. Eventuell würde man sich alternativ höchstens noch auf einen Erbpachtvertrag einlassen.
Ohne dieses Grundstück keine Erweiterung des Kindergartens - und ohne Erweiterung des Kindergartens jede Menge dicke Luft in den Hetzerather Neubaugebieten: Für Ortsbürgermeister Werner Monzel "ein klarer Fall von Erpressung". Mehrfach hatten Vertreter der Ortsgemeinde und des Kirchengemeinderats Bittgänge nach Trier unternommen, hatten auf ein Entgegenkommen des göttlichen Bodenpersonals gehofft (der Volksfreund berichtete). Dort freilich schien die Aussicht auf den unerwarteten Geldsegen durch Bodenspekulation erbaulicher als jeglicher Kompromiss zum Wohle der Kinder, der jungen Familien und des kommunalen Friedens.
Der Ortsgemeinde blieb jetzt nichts anderes übrig, als dem Ablasshandel zähneknirschend und, wie Ortsbürgermeister Monzel betont, "schweren Herzens" zuzustimmen.
Klar, dass in der Gemeinderatssitzung dennoch so manchem Kommunalpolitiker der Kamm schwoll. Die allgemeine Stimmung brachte dann CDU- Fraktionssprecher Ulrich Wolanewitz folgendermaßen auf den Punkt: "Das Bistum sitzt am längeren Hebel und nutzt das gnadenlos aus. Moralisch oder gar christlich aber ist das ganz sicher nicht." Ortsbürgermeister Werner Monzel: "Wenn das die CDU schon so sagt, ist dem wohl nichts mehr hinzuzufügen."
Und, das kommt noch hinzu: Laut Mitteilung von Monzel besteht im Kita-Altbau ein Sanierungsbedarf, der sich auf etwa 170 000 Euro beläuft.
Meinung

Christliche Werte? Fehlanzeige!
Da soll man den Glauben nicht verlieren: Die Hetzerather müssen für ein vor etlichen Jahren an die Kirche verschenktes Grundstück, das sie dringend brauchen, tief in die Tasche greifen und dem Bistum 145 000 Euro zahlen. Zwar sprudeln auch bei der Katholischen Kirche die Einnahmen nicht mehr so wie früher. Aber dieses Verhalten hat mit christlichen Werten wie Barmherzigkeit oder Nächstenliebe wenig bis gar nichts zu tun. Da muss man sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen resignieren und der Kirche den Rücken kehren. p.willems@volksfreund.de