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Ein kleines Steuerparadies: Bürger in Gornhausen zahlen keine Grundsteuer

Ein kleines Steuerparadies: Bürger in Gornhausen zahlen keine Grundsteuer

Der Hunsrückort Gornhausen wird durch Windräder reich. Die Bürger profitieren davon direkt. Sie müssen keine Grundsteuern mehr bezahlen.

Von sprudelnden Einnahmen ist immer wieder die Rede. Doch wer sich die Zahlen in den Kommunen anschaut, kommt zu der Erkenntnis: An der Basis schauen die Kommunalpolitiker meistens in die Röhre. Der finanzielle Spielraum wird kleiner, der Schuldenstand größer. Es gibt aber auch Ausnahmen. Eine davon erscheint in einem besonderen Licht und zumindest genauso gewaltig wie das Treiben in dem kleinen gallischen Dorf, das sich erfolgreich gegen den Zugriff der Römer wehrte.

Klein ist Gornhausen mit knapp über 200 Einwohnern auch - und herrlich auf der Hunsrückhöhe gelegen. Wer den Trubel im knapp 16 Kilometer entfernten Bernkastel-Kues schätzt, wird in Gornhausen ein Problem haben. Aber das ist Ansichtssache. Rein finanziell dürfte in der Region nichts über Gornhausen gehen. Der Ort ist schuldenfrei und kann über eine Summe von fast 500?000 Euro verfügen. Und wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt, wird sich dieses Guthaben schon bis 2020 auf mehr als 720?000 Euro erhöht haben.

Wie das möglich ist? In Gornhausen drehen sich fünf Windräder. Jedes bringt der Gemeinde 50000 Euro pro Jahr. Jeweils 10000 Euro davon zahlt der Ort in einen Solidarfonds ein. An ihm partizipieren Gemeinden, die keine eigenen Einnahmen aus Windkraft haben. Gornhausen war schon vorher schuldenfrei und konnte guten Gewissens investieren. "Die Einnahmen aus dem Forst haben es möglich gemacht", berichtet Ortsbürgermeister Rainer Schommer. Nun kann Gornhausen beides machen: Investieren und trotzdem das Eigenkapital erhöhen.

Wobei sich bei solch einem kleinen Ort die Ausgaben in Grenzen halten. Der mittlere Gehweg auf dem Friedhof soll erneuert werden, neue Straßenschilder sollen angeschafft werden. Die Straßenlampen sollen auf LED-Beleuchtung umgestellt werden. Für den Umbau des Bürgerhauses konnten problemlos 200000 Euro investiert werden. Und auch das gemeindeeigene Schlachthaus ging nicht leer aus.

Doch Schommer hat zusammen mit dem Ortsgemeinderat ein besonderes Anliegen umgesetzt. Die Gornhausener müssen keine Grundsteuer A (auf landwirtschaftliche Grundstücke) und B (auf Wohnhäuser nebst den Grundstücken) mehr bezahlen. "Ein Hauseigentümer spart dadurch bis zu 300 Euro pro Jahr", erläutert Günter Wagner, Kämmerer der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues.

Gornhausen hätte von sich aus keine Anlagen für Windräder zur Verfügung gestellt, erläutert Ortsbürgermeister Schommer. Doch weil die Veldenzer auf ihrer Gemarkung vier Anlagen errichten ließen, zogen die Gornhausener nach. Die Räder des im Tal gelegenen Nachbarorts sind von dort gar nicht zu sehen. Ortsfremde glauben, dass sie auf Gornhausener Gelände stehen.

Weil die Bürger "erhebliche Beeinträchtigungen" durch Windräder in Kauf nähmen, sei eine "direkte und spürbare Entlastung" wichtig. So käme bei der vereinbarten Laufzeit über 25 Jahre eine Entlastung von fast einer halben Million Euro zusammen. "Unsere Gemeinde wird dadurch als Wohnort wesentlich attraktiver", sagt Schommer und hofft auf Neubürger. Ob hier mit finanziellen Anreizen etwas zu machen sei, müsse geprüft werden.
"Ich finde das sehr gut, eine super Geste der Gemeinde", sagt Andrea Schleder. 138 Euro Grundsteuer B spare sie nun im Jahr für ihr Haus und das angebaute Elternhaus. Die Gemeinde tue viel - auch für die Vereine. Schleder: "Sie gibt Zuschüsse für die Sanierung alter Gebäude."

Die gebürtige Gornhausenerin hat alle neun Windräder im Blick und bei Ostwind auch im Gehörgang. Das nächste befinde sich in etwa 800 Meter Entfernung. Mit der Zahl sei es im Nahbereich aber auch genug, sagt sie. Schleder vermietet in ihrem Elternhaus eine kleine Wohnung. Es sei kein Problem junge Leute zu finden. Gerade sei eine Studentin eingezogen. Sie komme aus Simmern, studiere in Trier und habe quasi auf halbem Weg etwas Passendes gefunden.

"Das ist das erste Mal, dass ich etwas von der öffentlichen Hand zurückbekomme", sagt Michael Frank. Er sieht die Windkraft als Beitrag für regenerative Energien. "Ich habe mich bisher noch keine Minute davon gestört gefühlt", sagt er. Dabei habe er die nächste Anlage 1000 Meter vom Haus entfernt. Wer aber beispielsweise in einer Stadt wohne, müsse ganz andere Lärmemissionen aushalten.Meinung

Ein schöner Zug der Gemeinde

Für viele Gemeinden sind die Einnahmen aus der Windkraft ein Zubrot. Die Löcher im Etat werden dadurch kleiner, vollständig gestopft werden sie eher selten. Dass ein Ort wie Gornhausen dadurch im Grunde genommen autark wird, ist eine Seltenheit - und wird es wahrscheinlich auch bleiben. Die Gornhausener könnten ohne Windräder noch ein Stück schöner und ruhiger wohnen. Dass der Ort auch ein Stück vom Kuchen haben will, ist verständlich. Dass die Bürger so direkt belohnt werden ist ungewöhnlich, aber ein schöner Zug.
c.beckmann@volksfreund.de