"Ein Kontrast zum Wirbel in der Stadt"

"Ein Kontrast zum Wirbel in der Stadt"

Millionen Gäste wuseln jedes Jahr um die Michaelskirche im Stadtteil Bernkastel. Sie und die Bürger sollen in ihr nicht nur bei Gottesdiensten, sondern auch bei Kulturangeboten zur Ruhe kommen. Vor aussetzung ist eine Konzertorgel.

Bernkastel-Kues. Der bekannteste Pfarrer der Michaelskirche im Stadtteil Bernkastel? Das war Nikolaus Cusanus, dem diese Aufgabe offiziell zwischen 1436 bis 1441 übertragen war. Der bekannteste Organist? Das war wahrscheinlich Hermann Schroeder. Der Komponist wurde 1904 in Bernkastel-Kues geboren. Ihm zu Ehren findet regelmäßig ein Orgelwettbewerb statt. Da passt es doch, dass St. Michael auch ein Ort für kulturelle Veranstaltungen, zum Beispiel Orgelkonzerte, werden soll. "Die Kirche ist und bleibt aber in erster Linie ein Gotteshaus", hebt Roland Gaub, zweiter Vorsitzender des Verwaltungsrates der Pfarrei St. Michael, hervor.
Die Idee für eine "Kulturkirche" kommt sogar aus dem kirchlichen Raum. Der Jesuit Friedhelm Mennekes hat 20 Jahre lang in der Kölner Kirche St. Peter ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und Musik geleitet. Der 74-Jährige ist oft in der Region. "Schon mein Vater hat hier seinen Wein gekauft", erzählt er.
Da in einer Kleinstadt wie Bernkastel-Kues jeder zumindest fast jeden kennt, kam die Verbindung zwischen Mennekes und an Kultur interessierten Bürgern zustande. Er habe mit vielen Leuten geredet. "Mit welchen, die der Kirche zugetan sind, und welchen, die sich abgewandt haben", sagt Mennekes. Ein Ergebnis war im November 2013 die Gründung der Michaels-Gesellschaft (siehe Extra). Deren Vorsitzender ist Axel Weber. Auch er betont, dass die liturgische Bedeutung des Gotteshauses nicht geschmälert werde. Bei zwei bis drei Gottesdiensten pro Woche bleibe aber Platz für weitere Angebote.
Die Pläne stehen und fallen mit der Orgel. Das jetzige Instrument hat ausgedient. Eine Sanierung lohne nicht, sagt Roland Gaub. Gedacht ist an eine Konzertorgel. Um sie herum soll es dann auch bauliche Veränderungen geben, in die auch das Bistum eingeschaltet ist. Unter anderem soll der Bau heller gestaltet werden, berichtet Dechant Georg Moritz. Er ist ein Freund der Kirchenmusik und steht den Plänen positiv gegenüber. "Wir stehen aber noch ganz am Anfang", betont Axel Weber. "Das Projekt ist der Diözesanbaukommission vorgestellt worden. Es befindet sich in einer Frühphase. Daher können wir darüber hinaus noch keine Stellungnahme dazugeben", heißt es von Bistumsseite.
Die Orgel wird mit Spenden finanziert werden müssen. Nach Angaben von Dechant Moritz liegen bereits 170 000 Euro auf einem Konto. Es gebe Leute, so Roland Gaub und Axel Weber, die hohe Spenden in Aussicht gestellt hätten, wenn das Projekt zustande komme. Die Kosten für eine neue Orgel hängen von der Anzahl der Register ab. Mehrere 100 000 Euro werden es aber auf jeden Fall sein. Die Realisierung werde zwei bis drei Jahre dauern, glaubt Weber.
Einen Aspekt betonen alle Akteure. Die in der von Urlaubern und Tagestouristen überschwemmten Bernkasteler Altstadt gelegene Kirche soll durch kulturelle Veranstaltungen zum Innehalten einladen. "Einen Kontrast zum Wirbel in der Stadt", wünscht sich Hermann Lewen, der die Geschicke des Mosel Musikfestivals und der Kulturzeit in der Stadt Bernkastel-Kues leitet. Er soll auch das Programm für St. Michael entwerfen. Im Trierer Dom beispielsweise gebe es jeden Samstag ein Orgelkonzert, das bis zu 600 Zuhörer anlocke.Extra

Die Michaels-Gesellschaft Bernkastel-Kues will Kunst und Kultur fördern. In der Satzung heißt es unter anderem: Der Verein ist eine Vereinigung von Personen, die sich der katholischen Kirchengemeinde St. Michael und ihrem Sakralraum besonders verbunden fühlen. Derzeit gehören ihr etwa 20 Personen an. Der Jahresbeitrag liegt bei 60 Euro. Schüler und Studenten zahlen die Hälfte. cb