Ein Kreuz, das Rätsel aufgibt

Am Grauen Kreuz im Idarwald treffen sich mehrere einst wichtige Verbindungswege. Erstmals erwähnt wurde das Holzsymbol im Jahr 1662. Doch auch die Bewohner des Vicus Belginum bei Hinzerath haben diese Stelle schon passiert.

Hinzerath. 30 Meter neben der Straße, die von Hinzerath nach Bruchweiler führt, steht das Graue Kreuz. Dort führt der Europäische Fernwanderweg vom Atlantik zum Böhmerwald vorbei, und Skilangläufer passieren im Winter bei guten Schneebedingungen auf der Graue-Kreuz-Loipe das zwei Meter hohe Holzsymbol.

TV-Serie Landmarken



Doch der Ursprung des Grauen Kreuzes ist immer noch ungeklärt. Nach einer Erzählung ist dort 1827 der damalige Hundheimer Revierförster Matthias Wanninger von Wilddieben an eine Eiche gefesselt worden. Nach drei Tagen und drei Nächten soll er befreit worden sein und als Dank aus der Eiche das Kreuz hergestellt und dort errichtet haben, schreibt der Morbacher Heimatforscher Berthold Staudt in einer Ausgabe der Hott, der Zeitschrift des Morbacher Hunsrückvereins.
Eine überlieferte Sage führt wiederum ins Jahr 1685, als ein verschmähter Liebhaber die Tochter eines Köhlers und ihren Geliebten dort erschossen haben soll. Der Vater errichtete das Kreuz, tötete dort den Mörder seiner Tochter und starb schließlich selbst am Fuße dieses Kreuzes. Doch auch diese Darstellung ist laut Staudt fraglich, da bereits Quellen aus dem Jahr 1662 von einem Grauen Kreuz berichten. Staudt stellt die Frage, ob die Bezeichnung Graues Kreuz anders einzuordnen sei. Er verweist auf weitere Distrikte wie Graukreuz zwischen Heinzerath, Gonzerath und Gornhausen oder im Schwarzwälder Hochwald zwischen Thranenweiher, Rinzenberg, Hattgenstein und Börfink. An allen drei Stellen treffen sich mehrere historische Herrschaftsgrenzen, führt Staudt aus. Dazu kreuzen sich dort Wege, die früher Hauptverbindungswege waren.
"Das spricht dafür, dass es sich um markante Stellen handelt und die aufgestellten Kreuze später entstanden sein könnten", sagt Staudt. Ähnlich argumentiert der Bundenbacher Historiker Uwe Anhäuser. Denn der Quarzitstein, der sich neben dem Kreuz befindet, wird bereits im Jahr 1558 in einem Hottenbacher Weistum erwähnt, das Kreuz jedoch nicht, sagt er.
Die Idarwald-Kammstraße trifft sich dort mit mehreren anderen Verbindungen aus den Richtungen Hellertshausen, Schauren, Bruchweiler, Hinzerath und Bischofsdhron. Zumindest einer dieser Wege habe als Verbindung zwischen dem Vicus Belginum und einer frühgeschichtlichen Siedlung bei Hellertshausen gedient, sagt Anhäuser. Auch dem Schinderhannes und seinen Spießgesellen soll das Graue Kreuz als Treffpunkt gedient haben, sagt er.
In der Nähe des Grauen Kreuzes gibt es noch weitere bemerkenswerte Stellen. Zum einen die "Spring", ein Quellgebiet, aus dem nach starken Regenfällen das Wasser meterhoch aus dem Boden gesprudelt sein soll, sagt Anhäuser. Des weiteren wurde südlich und westlich des Grauen Kreuzes einst nach dem sogenannten Silbersand gegraben, sagt er weiterhin. Das Graue Kreuz selber ist immer wieder erneuert worden.
Zuletzt war dies 2007 der Fall, als der Merscheider Fritz Rummel das Kreuz nach Mustern des historischen Kreuzes nachgebaut hat. Das vorhergegangene Kreuz, das um das Jahr 1920 aufgestellt worden war, war im Laufe der Zeit zu stark verwittert. Um 1960 war es bereits mit einer Betonplatte und einem schmiedeeisernen Stützgerüst an der Rückseite verstärkt worden. Der Vorgänger war laut Anhäuser vermutlich das Wanninger Kreuz aus dem Jahr 1827.

Extra

Unter Landmarken versteht man außergewöhnliche Formationen im Gelände, die zum Beispiel Wanderern zur Orientierung dienen. In der Serie "Landmarken der Region" werden solche Objekte vorgestellt. Dabei kann es sich um natürliche, aber auch um vom Menschen geschaffene Wahrzeichen handeln, deren Geschichte und Eigenschaften erläutert werden. red