Ein Kümmerer mit Mut

Heidenburg · Seit etwa einem Jahr ist Hans-Joachim Timm als Ortsbürgermeister in Heidenburg im Amt. Für den Nachfolger des nach 23 Jahren als Ortschef verstorbenen Dietmar Jäger war es wegen der Debatten um die Kommunalreform kein einfacher Start.

Der Erhalt der Kindertagesstätte liegt Ortsbürgermeister Hans-Joachim Timm besonders am Herzen. TV-Foto: Ursula Schmieder

Heidenburg. Sein erstes Jahr als Ortsbürgermeister bezeichnet er als positiv. Doch die Zeit sei schnell vergangen und einiges liegen geblieben, bedauert Hans-Joachim Timm (57). Ein Thema, das keinen Aufschub duldet: die Kindertagesstätte. Sie besuchen aktuell nur 15 Kinder, deshalb droht die Schließung einer von zwei Gruppen. Im Ort treffe das auf Unverständnis, weil in Berglicht und Thalfang hoch investiert werde. Die Kita zu erhalten, sei sein sehnlichster Wunsch, sagt Timm. Ein weiteres aktuelles Thema ist die Kommunalreform. Bei einem Bürgerentscheid wollten 83 Prozent den Wechsel nach Schweich. Das sieht Timm als Verpflichtung, entsprechend aktiv zu werden.
Schließlich war er angetreten, "weil mir das Dorf und dessen Selbstständigkeit sehr am Herzen liegen". Als er vor 18 Jahren erstmals in den Heimatort seiner Frau kam, fühlte er sich auf Anhieb wohl. Die Dorfgemeinschaft biete eine Lebensqualität, für die zu engagieren es sich lohne. Dass das nicht nur leere Worte sind, bewies er kürzlich, indem er seine Arbeitszeit als kaufmännischer Angestellter in einem Möbelgeschäft um einen Tag pro Woche kürzte. Den nutzt er nun für Amtsgeschäfte und Behördengänge. Der Verwaltungsaufwand sei groß, in dem Umfang habe er das nicht erwartet. Für Timm gibt es immer etwas zu tun: So galt es 2013, das Familienbuch zu präsentieren, und in diesem Jahr feiert die Gemeinde 20 Jahre Partnerschaft mit Villeblevin.
Ein Dilemma seien laut Timm die fehlenden finanziellen Mittel, um etwas gestalten zu können. Vor allem, seit sich Heidenburg für den Entschuldungsfonds entschieden habe. 15 Jahre lang dürfen nun keine Zuschüsse mehr an Vereine fließen und auch keine Veranstaltungen bezuschusst werden, was Timm "für sehr bedenklich" hält. Für das Dorfleben seien das doch ganz entscheidende Dinge, bedauert er den Sparzwang "zu Lasten dessen, was ich eigentlich unterstützen möchte". Auch ein Neujahrsempfang für engagierte Bürger sei einfach nicht drin.
Nur drei Jahre Ratserfahrung


Als Timm am 12. Dezember 2012 vereidigt wurde, trat er als kommunalpolitischer Neuling mit nur drei Jahren Erfahrung als FWG-Ratsmitglied an. Dennoch hat er bisher nie das Gefühl gehabt, er werde an der Leistung seines Vorgängers Dietmar Jäger gemessen. Die Kommunalpolitik hatte ihn zwar schon länger interessiert. Doch der aus Schleswig-Holstein stammende leidenschaftliche Hobbysegler konnte sich mit dem Parteiensystem im Ort nicht anfreunden. Ihm wäre es lieb, bei Ratsbeschlüssen auf Ortsebene ginge es ohne Fraktionszwang. Diese Sicht, in der er sich von Bürgern bestärkt fühlt, würde er auch dann vertreten, wenn er im Rat eine Mehrheit hinter sich hätte. Aus ähnlichen Überlegungen hofft er für die Kommunalwahlen im Mai auf weitere Kandidaten. Er selbst hatte 2012 als Einzelkandidat bei einer Wahlbeteiligung von 62,5 Prozent 70,7 Prozent der Stimmen erhalten. urs
Extra

Erich Scheit (SPD, 7 Sitze): "Es gibt formelle Sachen, die vielleicht besser laufen könnten. Timm betrat ja Neuland als Bürgermeister - aber der Umgang miteinander ist okay. Das Amt anzutreten, war natürlich auch eine schwere Bürde." Alexander Becker (CDU, 3 Sitze): "Wir sind sehr zufrieden mit Timms Arbeit. Er ist ein Kümmerer, und er hat Mut bewiesen, sich dem Amt zu stellen. Dass er keine Mehrheit im Rat hinter sich hat, erfordert zudem sehr viel Verhandlungsgeschick." Hermann Haas (FWG, 2 Sitze): "Die Arbeit im Ortsgemeinderat klappt ganz gut. Ich als Fraktionsvorsitzender bin damit sehr zufrieden, und mir ist auch nichts bekannt von negativen Meinungen." urs