Ein kulturelles Urgestein sagt auf Wiedersehen: Hermann Lewen moderiert Neujahrskonzert in Bernkastel-Kues

Ein kulturelles Urgestein sagt auf Wiedersehen: Hermann Lewen moderiert Neujahrskonzert in Bernkastel-Kues

Die Besucher der Neujahrskonzerte haben sich in diesem Jahr vom Trierer Philharmonischen Orchester und drei Sängern in die Welt der Operette entführen lassen. Mit dieser Veranstaltung hat sich Hermann Lewen als Geschäftsführer der Kultur und Kur GmbH von seinem Publikum verabschiedet.

Tradition hat das Neujahrskonzert des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier in der Mosellandhalle Bernkastel-Kues. In diesem Jahr haben die Musiker unter der Leitung von Generalmusikdirektor Victor Puhl eine Reise in die Welt der Operette unternommen. Von Johann Strauß' "Zigeunerbaron" und "Die Fledermaus" über Emmerich Kalmans "Gräfin Mariza" bis Franz Lehars "Das Land des Lächelns" hat das rund zweieinhalb Stunden dauernde Programm gereicht, das die Zuschauer sichtlich genossen haben.

Die Philharmoniker haben sich in Höchstform gezeigt, und die drei Sänger Frauke Burg, Eva Maria Amann und Bonko Karadjov haben die Zuschauer mal als Solisten, dann aber auch im Duett oder als Trio mehrfach zu tosendem Applaus veranlasst.

Doch im Vordergrund des Abends stand ein anderer: Hermann Lewen, der Ende 2016 als Geschäftsführer der städtischen Kultur und Kur GmbH in den Ruhestand gegangen ist. Lewen sei ein "streitbarer, zuweilen kantiger, häufig eloquenter, aber überaus visionärer Mitarbeiter mit hohem kreativen Potenzial" gewesen, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port. Er habe die Dinge, die er vorgeschlagen habe, auch umgesetzt, "und das überaus erfolgreich", sagt der Stadtbürgermeister. Lewen sei nie ein "Mitschwimmer" gewesen. Deshalb sei er zuweilen auch angeeckt und vielen unbequem gewesen. Ohne ihn gäbe es das Neujahrskonzert und das Mosel Musikfestival nicht. "Ich bin mir sicher, Hermann Lewen wird als kulturelles Urgestein den Weg in die Geschichte der Stadt Bernkastel-Kues finden", sagt Port.

Lewen hat als Moderator des Abends die Gelegenheit genutzt, auf seine Zeit als Chef der Kultur und Kur zurückzublicken. "Ich hatte viele Pläne", erinnerte er sich an seine Anfangszeit. Doch sei er erst mal in der Politik angeeckt, als er die Unterlagen für die damals in Planung befindliche Mosellandhalle kritisiert und deshalb Rede- und Baustellenverbot erhalten habe.

Das Programm der Kultur und Kur habe zahlreiche Höhepunkte geboten, wie Theater mit Horst Tappert, Willy Millowitsch und Heidi Kabel. Doch sei die Mosellandhalle wegen der fehlenden technischen Voraussetzungen für Theater nicht geeignet gewesen. Allerdings habe man mit der Kultur und Kur mit einem abwechslungsreichen Mix aus Kabarett, Jazz und Kindertheater ein breites Angebot geschaffen, das eine "kleine Erfolgsstory" geworden sei.

Höhepunkte seien Konzerte der Flippers gewesen, deren Bühnenkarriere in Bernkastel-Kues angefangen habe sowie Auftritte der Münchner Freiheit, Pur und Udo Jürgens in der Tennishalle und von Rolf Zuckowski im Zirkuszelt. Ursprünglich sei das Angebot in der Mosellandhalle als eine Art "Tango zum Fango" gedacht gewesen, also als Programm für die Kurgäste auf dem Plateau. Stattdessen seien die Einheimischen gekommen, die sich zum treuen Publikum entwickelt hätten. Und viele von ihnen säßen seit 33 Jahren beim Neujahrskonzert auf den gleichen Stühlen.

Zu ihnen gehört auch Heinz Kohlbacher aus Bernkastel-Kues, der regelmäßig beim Neujahrskonzert dabei gewesen ist. "Lewen hat die Kultur in die Stadt gebracht", sagt er. Mit ihm sei es aufwärts gegangen. Ingrid Malburg aus Malborn ist zum dritten Mal dabei gewesen. Für sie sind die Neujahrskonzerte immer eine "musikalische Auszeit", da Klassik etwas sei, was ihr gefalle.

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