Ein kurzer Blick zurück

Am Ende des Jahres ist es Brauch, zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Und man wagt einen vorsichtigen Blick in die Zukunft - auf das, was das neue Jahr wohl bringen wird. Die Bewertungen fallen in der Regel recht unterschiedlich aus.

Das hängt davon ab, ob der Betrachter eher zum Optimismus oder zum Pessimismus neigt. Die Moselwinzer, dies gilt vor allem für die selbstvermarktenden Betriebe, können recht zufrieden sein. Nach einer Serie von Top-Jahrgängen bescherte der Weinjahrgang 2008 ihnen zwar keine überragenden, aber dennoch ansprechende Qualitäten und einen ordentlichen Mengenertrag. Das Weihnachtsgeschäft, so ist zu hören, lief gut; der von vielen Fachleuten vorhergesagte Wirtschaftsabschwung hat sich beim Weinabsatz im Inland noch nicht bemerkbar gemacht.

Die Fassweinerzeuger, die sich in den vergangenen Jahren über steigende Preise freuen durften, mussten allerdings deutliche Einbußen hinnehmen. Die Most- und Weinpreise sind wieder auf ein Niveau gesunken, das zum Existieren nicht reicht. Dies könnte dazu führen, dass der zwischenzeitlich gebremste Flächenrückgang wieder an Fahrt gewinnt. Allerdings waren mit Ausnahme einiger weniger Jahre die Fassweinpreise nie kostendeckend.

Positiv: Die Jugend entdeckt wieder den Winzerberuf. Die Schülerzahlen an der Weinbauschule Bernkastel-Kues bestätigen dies eindrucksvoll. Nie zuvor waren die Winzer besser ausgebildet, nie zuvor waren die Qualitätsanstrengungen größer. Eine "Generation Riesling" ist herangewachsen, die sich wieder verstärkt dem arbeitsintensiven Steillagen-Weinbau widmet und in der Fach-und Gourmetpresse eine hohe Anerkennung erfährt.

Diese Winzer werden auch im kommenden Jahr ihre Anstrengungen fortsetzen und das ein oder andere Talent wird von sich reden machen.

Wenn man an das Weinjahr 2008 denkt, muss man aber auch die Hagelkatastrophe an der Untermosel erwähnen. Einige Betriebe kämpfen derzeit um ihre Existenz. Bei allen guten Wünschen für die Winzer erscheint mir dieser der wichtigste: Es darf regnen und die Sonne scheinen, es darf heiß werden und frieren: Aber alles zur rechten Zeit und in Maßen. Vor allem aber: Hoffentlich bleibt die Mosel von einem Unwetter, wie es mehrere Orte bei Cochem im Mai erleben mussten, verschont.

w.simon@volksfreund.de

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