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Ein Leben im und für das Krankenhaus

Ein Leben im und für das Krankenhaus

Der Wittlicher Krankenhausseelsorger war seit 1991 ständig erreichbar und schnell vor Ort. Denn Hermann-Josef Menge wohnte auch in der Klinik. Nun verlässt der 74-Jährige die Region und geht nach Berlin. In die Pfarrei, wo das priesterliche Wirken des Steyler Missionars begann.

Wittlich. Im Krankenhaus zu liegen, ist für die meisten Menschen ein Gräuel oder ein notwendiges Übel. Im Krankenhaus zu leben ist für Hermann-Josef Menge seit mehr als 22 Jahren (Anfang 1991) das Normalste von der Welt. Der scheidende katholische Seelsorger des Wittlicher Krankenhauses kennt Gott und die Welt, und ihn kennen offenbar auch Gott und die Welt.
Etwa 20 000 Patienten werden pro Jahr stationär in Wittlich behandelt. Pater Menge schätzt vorsichtig, dass er mit jeweils einem Prozent dieser Menschen bei Gottesdiensten, Kommunion austeilung, Krankensalbung und Gesprächen zu tun hatte. Das wären etwa 22 500. "Außerdem kenne ich in der Region jeden Ort in der Eifel, im Hunsrück und an der Mosel, weil ich überall vertretungsweise Gottesdienste gehalten habe", berichtet der Steyler Missionar. Das ist noch nicht alles: Viele junge Leute, die sich in einer der an die Klinik angeschlossenen Schulen auf ihren Beruf vorbereiteten, hat er unterrichtet - zum Beispiel über den Umgang mit Sterbenden. Menge dürfte somit zu den bekanntesten Menschen im Kreis Bernkastel-Wittlich gehören.
Doch alles hat ein Ende: In diesen Tagen verlässt der 74-Jährige seine Wohnung in der Wittlicher Klinik. Zur Ruhe setzt er sich allerdings nicht. Er folgt dem Ruf des Provinzials, des obersten Steyler Missionars, nach Berlin.
Dort schließt sich der Kreis. Er wird im Stadtteil Charlottenburg genau in der Pfarrei tätig sein, in der er zu Beginn seiner Arbeit als Kaplan und Jugendseelsorger gewirkt hat. Für den Ruhestand ist der kleine drahtige Mann auch noch zu jung.
"Er war immer erreichbar, wirklich immer, gehörte zur engen Krankenhausfamilie, war tatkräftig und entscheidungsfreudig. Mit ihm geht ein Stück Krankenhausgeschichte", sagt Peter Schon, Direktor des Verbundkrankenhauses Bernkastel/Wittlich. Kein Wunder also, dass Menge seinen 70. Geburtstag im Krankenhaus feierte.
Der in Herten (Nordrhein-Westfalen) geborene Geistliche kam 1984 nach Wittlich, wo die Steyler Missionare das Missionshaus St. Paul betrieben. Dort wurden damals schon Familiengottesdienste gefeiert.
Der Kreis junger Familien hatte viereinhalb Jahre lang in Pater Menge einen Partner. "Er hatte stets ein offenes Ohr für uns", erzählt Peter Binzen.
Prägend für den Seelsorger war aber natürlich die lange Zeit im Krankenhaus. Menges Maxime: Aus Sicht des Patienten denken und handeln. Als Diabetiker wisse er um die Anliegen kranker Menschen.
In Zukunft wird es nicht mehr so sein, dass der Krankenhausgeistliche innerhalb von Minuten greifbar ist. Bernhard Schork, bisher schon Seelsorger im Bernkastel-Kueser Krankenhaus, wird auch Wittlich übernehmen. Die Wohnung seines Vorgängers bezieht er allerdings nicht. cb
Extra

Die Steyler Missionare sind eine römisch-katholische Ordensgemeinschaft. Benannt sind sie nach dem Gründungsort Steyl (Niederlande). Aus einer 1875 gegründeten Gemeinschaft von sechs Priestern wurde eine internationale Ordensgemeinschaft aus Priestern und Brüdern, die nicht nur die Steyler Missionare, sondern auch zwei Schwesternkongregationen umfasst. Die 6000 Priester und Brüder arbeiten auf allen Kontinenten der Welt. In Deutschland sind 219 Priester und 87 Brüder tätig. Sie betreiben unter anderem Klöster und Schulen. Dazu gehörte auch lange Jahre das Missionshaus St. Paul zwischen Wittlich und Wengerohr. Es wurde im Jahr 2005 geschlossen. cb