Ein Leben lang ein Lied auf den Lippen

Ein Leben lang ein Lied auf den Lippen

FLUSSBACH. (peg) Viele Menschen singen gern. Dass sich aber jemand so für den Gesang ins Zeug legt wie Anita Barzen, ist höchst selten: Seit 60 Jahren ist sie im Liederkranz dabei.

Es war nach Ostern 1946, als Anita Barzen in den Kirchenchor eintrat. Damals war sie gerade 15 Jahre jung und die Uhren tickten noch ganz anders. "Wir hatten ja kein Radio und keinen Fernseher", erzählt sie, und es schwingt keinerlei Bedauern in der Stimme mit. Die ganze Familie habe gerne und oft gesungen. Zum Beispiel abends beim gemeinsamen Linsenputzen: Sogar Tante Maria hat sich da mit an den Tisch gesetzt und kurzerhand mitgeholfen - und natürlich mitgesungen. Eine wunderbare Abwechslung im Alltag seien die Proben des Chores für sie als junges Mädchen gewesen. "Da hat man wenigstens einmal in der Woche rausgedurft." So ist es immer geblieben, auch als im späteren Leben die Arbeit im Vordergrund stand. Auf die Proben hat sie sich zeitlebens gefreut. Und als sie heiratete, nahm sie sich, wie könnte es anders sein, einen Musikliebhaber: Ihr Gatte machte lange Tanzmusik. Anita Barzen war gerade ein paar Jährchen aktive Sängerin, als sich Männergesangverein und Kirchenchor zum Liederkranz zusammenschlossen. Seitdem verbindet die Männer und Frauen nicht nur die Liebe zum Gesang, sondern viel mehr. Es sind so innige Freundschaften gewachsen, dass die verbliebenen 18 Aktiven von sich als einer richtigen Familie sprechen. Freilich wird die immer kleiner: Nachwuchs fehlt, und die Stimmen von alten Menschen werden nicht besser, da macht sich auch Anita Barzen nichts vor. Doch das hindert die Sangesfreunde nicht an ihrem schönsten Hobby. Zeit ihres Lebens hat Barzen Alt gesungen. Anders ihre Schwägerin Gertrud Sausen: Ihre Stimme wechselte erst im Lauf der Jahrzehnte vom Sopran zum Alt. Auch sie wird am Samstag geehrt. 25 Jahre ist sie inzwischen dabei. Sie singt mit Unterbrechungen: Familiäre Umstände zwangen sie mehrmals zu Pausen. Doch auch während dieser Pausen hat sie fleißig geholfen, wo immer der Verein sie brauchte: Zum Beispiel zur Kirmes, wenn es galt, Standdienst zu machen und Kuchen zu backen. Warum Anita Barzen trotz Kindern und Weinberg keine Pausen eingelegt hat? Sie scheint das Singen wohl zu sehr zu lieben. Beim Interview sitzen wir im wohlig beheizten Bürgerhaus. Sausen erinnert ihre Schwägerin an die Zeit, bevor dieses Gebäude seine Heizung bekam. "Da bist du immer zwischen Wingert und häuslichen Pflichten hier rein geflitzt und hast Holz angebaut, damit wir nicht in der Kälte singen mussten!" Barzen winkt ab, möchte nicht gelobt werden, schließlich wohnt sie gegenüber, da bot sich dieser Dienst doch an. Überhaupt steht sie nicht gern im Mittelpunkt und wollte eigentlich auch gar nicht in die Zeitung. Gut, dass die Chorgenossen ihr keine Ruhe ließen. So erfahren unsere Leser zum Beispiel auch, dass Anita Barzen sich für Samstagabend zwei Lieder gewünscht hat: "Oh Herr, welche Freude" und das "Dank an die Freunde", in dem die Altstimmen ihr Solo haben. Lampenfieber hat sie übrigens schon lange keins mehr. Das mag unter anderem daran liegen, dass sie alle Lieder auswendig kann. "Wenn wir neue Lieder einüben und ich muss den Text vom Blatt ablesen: Das hasse ich wie die Pest!". Termin für den Familienabend des Liederkranzes: Samstag, 28. Januar, 20 Uhr, im Bürgerhaus.

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