Ein lebhaftes Gespräch zwischen den Religionen
Wittlich · Die Erzählung des Hiob steht in der jüdisch-christlichen Heiligen Schrift und ist auch im Koran und anderen islamischen Schriften bekannt. Sie war Thema eines Gesprächsabends in Wittlich.
Wittlich. Auf Einladung der pax- Christi-Gruppe Wittlich und dem christlich-islamischen Gesprächskreis haben Liselotte Musseleck, Religionslehrerin im Ruhestand, und Tahir Dogan, Dialogbeauftragter der Wittlicher DITIB-Gemeinde, die jüdisch-christlichen und die muslimischen Vorstellungen zum Hiobstext dargelegt.
Im Vorfeld des Gesprächs wurde zum Thema des IS-Terrors eine Kurzfassung der bundesweit veröffentlichten Erklärung "Kein Terror im Namen des Islam" des Koordinationsrates der Muslime verlesen. Es wurde deutlich gemacht, dass sowohl das Entsetzen über die Gewalt und das Leid unter dem Terror, als auch das Anliegen von Gerechtigkeit und Frieden Christen und Muslimen gemeinsam sind.
Die Erzählung des Dulders Hiob steht in der jüdisch-christlichen Heiligen Schrift und ist auch im Koran und anderen islamischen Schriften bekannt. Anhand von Hiobs Schicksal wird die Frage nach dem Zusammenhang von Leid und Schuld erörtert. Aus den Voträgen ging hervor, dass der Islam schwerpunktmäßig das Leid als Prüfung und Erziehungsmaßnahme Gottes sieht. Niemand habe Anspruch auf Glück; Dankbarkeit für das Gute, das uns widerfährt, sollte zu Geduld und Ergebung in schweren Zeiten des Lebens und zum Lernen führen. Solche Haltung werde Gott im Paradies reich belohnen.
Auch in der jüdisch-christlichen Version gebe es keine Erklärung für unverschuldetes, nicht menschengemachtes Leid. Ein Zusammenhang zwischen Schuld und Leid werde ausdrücklich abgelehnt. Anders als im Islam dürfe Gott jedoch nachdrücklich und stürmisch dazu angefragt, ja angeklagt werden. Seine Antwort verweise darauf, dass der Mensch Teil der Schöpfung sei und als solcher deren Gesetzmäßigkeit unterliege. Er sei zu klein, um Gottes Gedanken zu denken. Eine Revision seines Gottesbildes sei die notwendige Antwort. An die beiden in dialogischem Wechsel gehaltenen Vorträge schloss sich ein lebhaftes Gespräch in Form von Fragen, Antworten und Statements an. Als wohltuend empfanden die Zuhörer die gegenseitige Respektierung, auch bei stark unterschiedlichen Auffassungen. red