Ein magischer Ort

Eine Dorfschmiede gehörte einst zum Dorf wie die Kirche, das Pfarrhaus, die Schule und das Gasthaus. TV-Leserin Henriette Nehren erinnert sich.

Bischofsdhron. (red) Das alles war einmal in der Dorfmitte von Bischofsdhron vorhanden. Sogar ein Lebensmittelladen und in "Kostisch" eine Bäckerei. Während die anderen Häuser für das Wohl der Menschen zuständig waren, so kümmerte sich der Schmied um das Wohl der Tiere. Vom Ort selbst, aber auch von den Nachbardörfern kamen die Bauern mit Pferd und Kuh, um ihnen hier das Gehen über den steinigen Hunsrücker Boden zu erleichtern.Die Schmiede war so was wie ein magischer Ort. Vom Knistern des Feuers und von den rhythmischen Klängen des Hämmerns angezogen, versammelten sich dort gerne Kinder wie auch Erwachsene. Fasziniert beobachteten sie das Sprühen der Funken beim Hammerschlag. Auch das glühende Eisen und auch das Qualmen und Zischen beim Anpassen der Hufeisen war ein besonderes Schauspiel.

Tiere wie auch Menschen verhielten sich ruhig, gar andächtig, denn sie waren ja Weggefährten, waren aufeinander angewiesen bei der gemeinsamen Arbeit. Das Beschlagen der Hufe war nicht die einzige Arbeit des Schmiedes, von ihm wurden die Eisenreifen auf die Wagenräder aufgezogen und außerdem reparierte er alles, was mit Eisen zu tun hatte. Das selbst geschmiedete Treppengeländer vor seinem Haus zeugte von den künstlerischen Fähigkeiten des Inhabers der Schmiede. Es ist möglich, dass er auch andere dekorative Schmiedearbeiten angefertigt hat. Hochkonjunktur war ganz sicher in der Postkutschenzeit, als auch Pastor, Adelige und wohlhabende Leute mit Pferdekutschen unterwegs waren. War die Arbeit getan, so gönnte er sich eine kleine Pause, man tauschte Neuigkeiten aus, sprach über Land und Leute und Gott und die Welt. Da der Schmied von seinem Anwesen aus den Überblick hatte, so wusste er, wer getauft wurde, wer geheiratet hat und wer auf seinem letzten Weg zum Friedhof an seinem Haus vorbei getragen wurde. Auch über das Ortsgeschehen war er immer bestens informiert, kam er doch täglich an der alten Linde vorbei, an der die Bekanntmachung aus hing. Denn ein Schnäpschen hin und wieder im Gasthaus zur Alten Post zu trinken - das gehörte zu ihm wie das Amen in der Kirche. Wie alt "Er" wurde und wie alt seine Schmiede war, ist nicht bekannt. Aber da ein erster Hinweis zur Kirche anno 1277 bekundet - das Pfarrhaus 1760 und das Gasthaus zur Alten Post das Jahr 1798 ziert - so könnte man sagen dass auch die Schmiede ein ehrwürdiges Alter aufzuweisen hatte. Nun ist aber alles vorbei - das alte Haus, das zuletzt unansehnlich dastand und gar als Schandfleck bezeichnet wurde, ist beseitigt.

Diesen Text schrieb Henriette Nehren zur Erinnerung an das Haus von "Schmiede-Pittsche" in Bischofs dhron. Auch die Zeichnung stammt aus ihrer Feder.

Wenn auch Sie eine historische Anekdote kennen, den Namen eines Hauses oder einer Straße erklären können oder zu einem historischen Ereignis eine persönliche Geschichte zu erzählen haben, schreiben Sie unter dem Stichwort "Dorfgeschichten" mit Namen, Adresse und Telefonnummer an die E-Mail-Adresse hunsrueck@volksfreund.de. Wichtig ist, dass Ihre Geschichte höchstens 60 Druckzeilen (à 30 Anschlägen) umfasst.