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Ein mahnendes Stück Geschichte

 Die Thora ist in Osann-Monzel ein wichtiger Teil der Erinnerungsarbeit an die jüdische Gemeinde. Armin Kohnz zeigt sie hier vor der Osanner Synagoge, die wie die Thorastücke auch in Privatbesitz ist. TV-Foto: Christina Bents
Die Thora ist in Osann-Monzel ein wichtiger Teil der Erinnerungsarbeit an die jüdische Gemeinde. Armin Kohnz zeigt sie hier vor der Osanner Synagoge, die wie die Thorastücke auch in Privatbesitz ist. TV-Foto: Christina Bents
Osann-Monzel. Jahrzehntelang haben zwei Teile einer jüdischen Thora auf dem Dachboden eines privaten Wohnhauses geschlummert. Anlässlich eines Informationsabends wurde sie 2008 vor 150 Besuchern gezeigt. Inzwischen ist sie auch wissenschaftlich untersucht und wurde bei verschiedenen Anlässen ausgestellt. Christina Bents

Osann-Monzel. Eigentlich sind die zwei Stücke einer Thora, die auf dem Dachboden eines Hauses im Ortsteil Osann gefunden wurden, nicht von großem materiellen Wert. Geschrieben ist sie auf dünnem Leder, und für kultische Zwecke kann sie nicht mehr eingesetzt werden, weil sie beschädigt ist. Doch sie hat eine andere wichtige Aufgabe.
Dorf- Geschichte(n)


Armin Kohnz, der sich mit der Thora auseinandergesetzt hat, erklärt: "Die Thorafragmente haben eine besondere kulturelle Bedeutung für den Ort. Sie hilft mit, dass die Erinnerung an die jüdische Gemeinde des Ortes und die Vorkommnisse in der Zeit des Nationalsozialismus wachgehalten werden."
Bis in die 30er Jahre waren die Juden im Ort integriert (zwischen 20 und 100 lebten zwischen 1548 und Anfang der 30er Jahre in Osann). Sie hatten Geschäfte, man feierte zusammen, und die Kinder besuchten gemeinsam die Schule. Während des Naziregimes wurden in Osann, wie anderenorts auch, die Synagoge geschändet und jüdische Geschäfte boykottiert. Anlässlich der 1000- Jahrfeier 2008 wurden die beiden Thorastücke erstmals öffentlich vor 150 Osannern gezeigt. Ein Stück ist 150 mal 71 Zentimeter, das andere 71 mal 69 Zentimeter groß. René Richtscheid, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Emil Frank Instituts, sagt: "Vermutlich wurde die Rolle schon vor der Pogromnacht nicht mehr im Gottesdienst genutzt und war daher auf dem Dachboden, in einem Raum für religiöse Schriften (Geniza), abgelegt." Bei der Sonderausstellung "100 Jahre Synagoge Wittlich" waren die Osanner Thorastücke anschließend zu sehen. Auch bei Besuchen von Nachfahren jüdischer Einwohner stellten die Besitzer sie zur Ansicht zur Verfügung. Armin Kohnz berichtet: "Die Besitzer stellen die Thora für wissenschaftliche und geschichtliche Zwecke zur Verfügung, das ist eine gute Zusammenarbeit." Weitere jüdische Einrichtungen in Osann waren ein rituelles Bad, eine Religionsschule, die Synagoge und ein Friedhof. Zur Erinnerung an die jüdische Geschichte gibt es inzwischen eine Gedenktafel, einen Gedenkstein, außerdem wurde Kontakt zu Hinterbliebenen aufgenommen.
Im Herbst soll es eine Führung geben, bei der Synagoge, der Gedenkstein sowie der Friedhof besucht werden und erklärt wird, wo im Ort Juden gelebt haben. Auch die Thorafragmente werden zu sehen sein.Extra

Weitere Thorarollen im Kreis: René Richtscheid vom Emil Frank Institut in Wittlich weiß noch von zwei weiteren Thorarollen im Kreis. Eine (von sechs oder sieben) ist in Wittlich erhalten und in der Synagoge ausgestellt. Da sie mit Brandspuren behaftet ist, ist sie nicht mehr für kultische Zwecke nutzbar. Eine weitere Thorarolle überlebte versteckt im Kloster Himmerod. Sie kann möglicherweise von einem Thorarollenschreiber (Sofer) ausgebessert und für den Gottesdienst genutzt werden. Das geschieht derzeit in Straßburg. chb