Ein Mann mit guten Ideen

WITTLICH. Unter den Bürgermeistern von Wittlich-Land war er bislang derjenige mit der längsten Amtszeit: Karl Becker. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes wird am 31. Januar 80 Jahre alt.

"Karl Becker hatte bei der Verwaltung die Zügel in der Hand." oder "Er hatte seine Vorstellungen, ist aber auf die Menschen eingegangen und hat versucht, die Meinungen zusammen zu bringen." So beschreiben diejenigen Karl Becker, die ihn in seiner Amtszeit als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land erlebt haben. Und so sieht sich auch Karl Becker heute. "Ich habe versucht, meine Vorstellungen zu realisieren. Natürlich haben die Gremien Mitspracherecht, ich habe die Leute überzeugt." Dies gelang dem CDU-Politiker offenbar sehr gut, denn nur in wenigen Ausnahmefällen hat der VG-Rat gegen ihn gestimmt. Von 1971 bis 1991 war Becker Chef von Wittlich-Land und gilt damit als Bürgermeister mit der längsten Dienstzeit in dieser VG. Heute hat er keine Mühe, diese und viele andere Jahreszahlen locker aus dem Ärmel zu schütteln. Beckers Gedächtnis scheint gut trainiert zu sein.Rekordverdächtige 51,5 Jahre bei der Verwaltung

Kein Wunder, der 79-Jährige galt auch in früheren Jahren als äußerst sach- und ortskundig, informiert sich heute immer noch gerne über die Medien und mag es über Verwaltung und Politik munter und offen zu fachsimpeln. Als Bürgermeister wollte Becker den ländlichen Bereich lebenswert gestalten, damit die Menschen, die für den Job mobil sein mussten, in ihren Gemeinden, in denen sie verwurzelt waren, wohnen blieben. Kanalisation und Wasserversorgung hat er entscheidend vorangetrieben. Dorferneuerung und Städtebauförderung lagen ihm am Herzen, des Weiteren die Mehrzweckhallen für Schulen und Gemeinschaft stiftende Feste. Jede Menge Überzeugungs- und auch Integrationsarbeit verlangten Becker Anfang der 70er-Jahre die Integration der Ämter Hetzerath, Binsfeld, und Wittlich-Land in die neu entstandene Verbandsgemeinde ab. Gleiches gilt für die damalige Bildung von Zentralstandorten bei der Feuerwehr und die Reduzierung der Grundschulen, die es zuvor in jedem Ort gab. Doch Becker und seine Arbeit bei der VG-Verwaltung Wittlich-Land, die vom Lehrling bis zum Chef rekordverdächtige 51,5 Jahre dauerte - das ist nur eine seiner vielen Seiten. Der Wittlicher, der mit zwei Brüdern in einem katholisch geprägten Elternhaus groß geworden ist, hat sich ehrenamtlich in jeder Menge Organisationen engagiert. Er war Vorsitzender im Blasorchester und im Tennisverein, wo er auch noch heute spielt. Er bekleidete Ämter bei den Maltesern und der Kolpingsfamilie. Bei letzterer agierte er sogar als Tanzlehrer. Am Sozialgericht fungierte er als Schöffe, bei der Kreissparkasse saß er im Verwaltungsrat. Auch beim Gemeinde- und Städtebund hatte er verschiedene Funktionen inne. Der CDU gehört er seit 56 Jahren an, 44 Jahre davon war er im Kreisvorstand aktiv. Auf die Frage, wie man so viele Posten schafft, antwortet der Träger des Bundesverdienstkreuzes lediglich: "Wenn Sie etwas tun und sie tun es engagiert, dann ist das nicht so schwer." Tennis sei für ihn ja auch Freizeit gewesen. Und da fällt Becker ein, was er tat, wenn ihm alles zu viel wurde: Er beschäftigte sich mit Heraldik. Das führte schließlich dazu, dass er auch die letzten neun der 24 Gemeinden der VG davon überzeugte, sich ein Wappen zuzulegen. Wie geht so jemand eigentlich mit dem Ruhestand um? Becker: "Vor der Pensionierung habe ich auch gedacht, das könnte schwierig werden. Aber dann dachte ich: Ich habe genug getan. Das hat geholfen." Becker kann in diesem Jahr neben seinem 80. Geburtstag ein weiteres Jubiläum feiern: 55 Jahre lang ist er mit seiner Frau Elfriede verheiratet. Er ist Vater zweier Töchter. Seinen Geburtstag feiert Becker am kommenden Mittwoch im Kreis von Freunden und seiner Familie. Für Sonntag, 5. Februar, hat der CDU-Kreisverband politische Freunde und Weggefährten von Karl Becker um 11 Uhr ins Casino nach Wittlich eingeladen, um Becker für seine außerordentlichen Verdienste um die CDU Bernkastel-Wittlich zu ehren.