Ein Mann und sein Baum

Die Kirschbaumblüte ist für Maria und Hans Theisen aus Wengerohr immer wieder etwas Besonderes. Vor 50 Jahren wurde ihr inzwischen in der Krone 18 Meter breite und rund zehn Meter hohe Kirschbaum gepflanzt.

Wittlich-Wengerohr. (ger) Täglich fahren 15 000 Fahrzeuge an ihm vorbei, ohne den knorrigen Kirschbaum bewusst wahrzunehmen. Er steht gut 50 Meter an der vielbefahrenen Wengerohrer Durchgangsstraße im Hof von Hans und Maria Theisen. Vor 50 Jahren war das anders. Damals konnten die Kinder noch auf der Straße spielen, ohne dass sie allzu oft von Autos gestört wurden. Es war die Zeit, als das Dorf landwirtschaftlich geprägt war.

Hans Theisen war 1960 ein junger Kerl, 18 Jahre alt. Bereits als Kind hatten es ihm die zwei Kirschbäume angetan, die direkt vor dem Fenster des damaligen Kuhstalles standen. Aber der Platz wurde für den Ausbau des Hofes benötigt. Die Bäume mussten gefällt werden. Der junge Hans aber wollte unbedingt seine geliebten Kirschbäume wieder haben. Also wurde ein neuer Baum gekauft, ein Süßkirschenbaum, und vor genau 50 Jahren in der Hofmitte gepflanzt.

"Zwei Meter war der hoch, und er benötigte fast 15 Jahre, bis er Früchte trug. Die ersten Kirschen zu ernten war ein freudiges Ereignis; da haben wir nur gehofft, dass er jedes Jahr mehr gibt." Die Hoffnung erfüllte sich. Der Baum trägt seither jedes Jahr reichlich die süßen Früchte, "knallig rot und vollmundig im Geschmack", wie Hans Theisen betont. Nun, im stolzen Baumalter von 50 Jahren, misst er satte 18 Meter im Kronendurchmesser, ist etwa zehn Meter hoch und der Stamm hat einen Umfang von 2,70 Meter. Immer wenn es Ende April zur Blüte geht, bewundern die Nachbarn, welch schöner Baum in Theisens Hof steht.

In diesem Jahr hat die Blüte am 17. April begonnen. Im Juni kann geerntet werden. "Die Kirschen werden für Esszwecke und als Einmachkirschen gepflückt. Den Rest holen sich die Spatzen." Die Theisens genießen den Kirschbaum am intensivsten, wenn ihr Enkelkind Tim aus Niederolm bei Mainz zu Besuch kommt. Dann sitzt der Zweijährige unterm Baum und spielt auf dem Rasen. Das erinnert auch an die 70er Jahre, als für die drei Kinder der Theisens eine Schaukel unterm Baum stand.

"Früher war es so, dass wir wegen unserer Landwirtschaft kaum Zeit hatten, uns unter den Baum zu setzen und ein Schwätzchen zu halten." Hans Theisen war Briefträger und wirkte nach Feierabend bei den landwirtschaftlichen Arbeiten. Dennoch: Gelegentlich kamen schon mal Nachbarn und haben den Feierabend bei einem Glas Viez unterm Baum verbracht. Heute genießen die Theisens den Blick auf ihren Baum zu allen Jahreszeiten bequem vom Wohnzimmer aus.

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