Ein Maßanzug für die Bauchschlagader

Wittlich · Eine ungewöhnliche Operation haben Ärzte im Wittlicher Gefäßzentrum an einem Hillesheimer Patienten vorgenommen. Ein gefährliches Aneurysma wurde quasi mit einem "Maßanzug" versehen

Wittlich. Was verbindet das Wittlicher Gefäßzentrum mit Hillesheim und Schottland? Die Antwort: ein maßgeschneiderter Mikroanzug für eine Bauchschlagader. Dem Expertenteam des Wittlicher Gefäßzentrums gelang jetzt eine Operation, die in Rheinland-Pfalz nur sehr selten durchgeführt wird. Für einen Patienten aus Hillesheim war sie lebensrettend. Bei ihm wurde ein Aneurysma an der Bauchschlagader festgestellt, deren komplizierte Lage die Abzweigungen zu den Nieren- und Beckenadern umfasste. Um diese Aussackung quasi trockenzulegen, galt es, ein Gefäßröhrchen (Stent) hindurchzulegen, das den Blutstrom übernimmt. An den Abzweigungen musste dieser Stent passgenaue Fenster bieten, durch die weitere Stents beispielsweise in die Nierenadern führen. Sozusagen ein Maßanzug für das Gefäß des Hillesheimers, den die Ärzte bei einem Unternehmen in Schottland in Auftrag gaben.
Auf Basis ihrer Untersuchungen wurde dort ein Modell der Gefäßsituation angefertigt und der individuell "gefensterte" Stent gewebt. Solche Eingriffe wurden meist als offene Operation mit großem Bauchschnitt durchgeführt, wobei die Schlagader abgeklemmt werden muss. Gerade dies birgt laut Chefarzt Dr. Hans-Joachim Lutz die Hauptrisiken des Versagens von Herz oder Nieren mit sich. Nun gelang es ihm, in Kooperation mit dem Radiologen Dr. Dirk Lommel und Oberarzt Dr. Khalil Behnawa, diesen Eingriff als schonende Schlüsselloch-Operation durchzuführen. red

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