Geschichte : Ein Meilenstein des Motorsports

Geschichte : Ein Meilenstein des Motorsports

Vor mehr als 90 Jahren war die Region Trier Schauplatz der ADAC-Reichsfahrt. Der Vorläufer heutiger Rallyes hat zahlreiche Zuschauer angelockt.

In diesen Tagen kämpfen die besten Rallye-Piloten der Welt um den Sieg bei der ADAC Rallye Deutschland 2018. Im Rahmen des spektakulären Motorsport-Events werden mehrere Wertungsprüfungen (WP) auf abgesperrten Straßen und Weinbergwegen der Moselregion absolviert. Dazu zählen die WP 3 + 6 – Mittelmosel 1 und 2 (Freitag, 17. August) und die WP 16 + 17 – Grafschaft 1 und 2 (Sonntag, 19. August).

Als einer der ältesten Rennsport-Veranstalter des Landes verfügt der ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobilclub) über eine viele Jahrzehnte lange Motorsporterfahrung. Diese begann bereits im frühen 20. Jahrhundert mit großen Automobil- und Motorradwettbewerben wie der sogenannten ADAC-Reichsfahrt.

Zwischen 1921 und 1933 wurden mehrere Ausgaben des rallyeartigen Langstrecken-Wettkampfs auf unterschiedlichen Routen in ganz Deutschland ausgetragen. Bei den in mehrere Etappen unterteilten Fahrten handelte es sich um reine Zuverlässigkeitsrennen mit vorgeschriebenen Durchschnittsgeschwindigkeiten. Neben der Leistungsfähigkeit der Kraftfahrzeuge stand insbesondere die Fahrdisziplin der Chauffeure auf dem Prüfstand.

Die sechste ADAC- Reichsfahrt (Braunschweig – Düsseldorf) führte ihre Teilnehmer in der Zeit vom 30. August bis 4. September 1926 über eine 2300 Kilometer lange Strecke quer durch das ehemalige Deutsche Reich. Die letzte Etappe des „größten Landstraßenwettbewerbs seit den einst so hoch bedeutsamen Herkomer- und Prinz-Heinrich-Fahrten“ verlief seinerzeit durch die Eifel-, Hunsrück- und Moselregion.

Die Bernkasteler Zeitung vom 4. September 1926 schildert den Verlauf der Reichsfahrt an der Mittelmosel wie folgt: „Die Teilnehmer an dem bedeutendsten Autozuverlässigkeitswettbewerb dieses Jahres kamen heute Vormittag durch unsere Stadt. (…) Die heutige letzte Tagesetappe brachte die Fahrer von Bad Homburg über Mainz – Bingen durch den Hunsrück über Bernkastel nach Trier – Aachen – Düsseldorf. Der erste Wagen, ein kleiner Hanomag, kam um 8.45 Uhr in Bernkastel durch. Teilweise dicht aufeinander, zum Teil in größeren Abständen folgten die übrigen Wagen. (…) Verschiedentlich konnten auch Damen am Steuer beobachtet werden.

Neben ausgesprochenen Rennwagen waren Tourenwagen zu sehen, die unzweifelhaft schon 50 bis 100 000 Kilometer zurückgelegt haben. Der Schlußwagen verließ Bernkastel um 11.45 Uhr. Die Bürgerschaft hat sehr regen Anteil an der Reichsfahrt genommen und an den Durchgangsstrecken Spalier gebildet.“

Des Weiteren berichtete die Lokalpresse: „In Büchenbeuren (Hunsrück) wurde zur Kontrolle der Fahrtteilnehmer von etwa 85 Wagen (ursprünglich waren es circa 125) eine Kontrolle am Eingange des Dorfes eingerichtet. (…) Die Ausübung der Kontrolle selbst klappte vorzüglich. Ohne unnötig den Aufenthalt zu verlängern, wurden alle Fahrer schnellstens abgefertigt (…).“

Zur sechstägigen Fahrt 1926 meldeten sich insgesamt 148 Teilnehmer aus allen Teilen Deutschlands. Neben Privatfahrern nahmen Industriefahrer und Fabrikteams teil. Es kamen Fahrzeuge zahlreicher deutscher und ausländischer Markenfabrikate zum Einsatz. Darunter befanden sich Automobile der Hersteller Benz, Mercedes, Opel, Horch, Hanomag (Hannoversche Maschinenbau AG), NSU, Fiat, Bugatti, Peugeot, Lancia und Packard.

Als Sieger ging ein Hanomag Typ 2/10 PS – im Volksmund genannt „Kommissbrot“ – hervor.

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