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Ein moselfränkischer Kreis schließt sich

Ein moselfränkischer Kreis schließt sich

Der aus Pünderich stammende Peter Friesenhahn ist zum ersten Mal in Pünderich aufgetreten. Der Musiker trug vor 100 Zuhörern Lieder und Erzählungen vor und hat sich dem Moselfränkisch verschrieben.

Peter Friesenhahn ist in seinem Element. Die Gaststätte "Zur Marienburg" in Pünderich ist mit mehr als 100 Gästen gut gefüllt. Friesenhahn tritt mit seinem Programm zum ersten Mal in seinem Heimatort auf. Musikalische Stücke, Videofilme und Erzählungen machen den Kern des Programms aus. Es ist eine Reise durch die Jahrzehnte, eine Reise entlang seines Weges.

Mit seinem Auftritt in Pünderich schließt sich für Friesenhahn ein Kreis: 1952 wurde er dort geboren, in einem Elternhaus, in dem Hochdeutsch gesprochen wurde. Den Dialekt muss er erst einmal im Laufe der Jahre lernen. Dem Publikum macht er erst einmal klar, was der erste moselfränkische Satz in seinem Leben war. Als der dreijährige Nachbarsjunge den neugeborenen Peter "Pitta" Friesenhahn sieht, sagt dieser nämlich: "Mia krien nächst Wuch ouch a klan Wutzje."

Friesenhahn berichtet von der idyllischen Kindheit und Jugend in den 50er und 60er Jahren. Nach dem Besuch der Volksschule kommt er an das Gymnasium in Traben-Trarbach. Dort lernt er ab der fünften Klasse eine Vielzahl neuer Dialekte kennen.

1977 beginnt Friesenhahn ein Studium der Musikwissenschaften in Trossingen (Baden-Württemberg). Dort lebt er in einer Wohngemeinschaft, zusammen mit einem Saarländer und zwei Studenten aus Schwaben. Dieses Potpourri an Dialekten macht bei ihm Eindruck. Schon während des Studiums schreibt er Lieder für den Süddeutschen Rundfunk. Als er 1978 im Radio hört, dass seine Heimat mal wieder im Hochwasser versinkt, komponiert Friesenhahn sein erstes Lied in moselfränkischem Dialekt: "Huuhwassa" nennt er sein Stück, das vom Steigen der Pegel und dem Versinken der Straßen im Wasser handelt.

"Unanständiges" Lied über Touristen



1981 geht es für Friesenhahn dann zurück an die Mosel. Schnell gewöhnt sich Friesenhahn wieder an die alte Heimat.

Mit dem Südwestrundfunk arbeitet Friesenhahn seit mehr als 20 Jahren zusammen. Nicht immer stößt er mit seinen Liedern und Texten nur auf Gegenliebe. Bei einem TV-Auftritt in Beilstein beispielsweise will er ein partiell kritisches Lied über Moseltouristen aufführen. Als die Tourismusmanagerin von Beilstein davon hört, ist sie erschüttert und wirft ihm vor, dass dies ein "unanständiges Lied" sei. Der SWR-Redakteur wird beim Stichwort "unanständig" neugierig, Friesenhahn darf mit seinem neuen Stück ans Klavier. Live berichtet er den Zuschauern in musikalischer Weise von Gästen an der Mosel, die nachts Lärm machen und ihre Körperflüssigkeiten in Vorgärten verteilen.

In mehr als hundert Orten hat er sein Bühnenprogramm bislang aufgeführt, nur in Pünderich tat er das bislang nie. Das hatte zwei Gründe: Einerseits gefällt ihm die Mehrzweckhalle des Moselortes für Musikabende nicht, andererseits ist er bei Auftritten in seiner Heimat immer etwas nervös: "Es ist schon etwas anderes, vor absolut heimischem Publikum zu spielen", sagt er. "Das kann Vorteile, aber auch Nachteile haben.