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Ein Museum im Dornröschenschlaf: Fast 60 000 Sammlerstücke, aber Ausstellungsräume sind geschlossen

Bergweiler. Schon von außen zieht das Gebäude neben der Bergweilerer Kirche die Blicke auf sich. Takenplatten, Kreuze, Ornamente und vieles mehr ziert das ehemalige Pfarrhaus und den Gebäudekomplex drum herum. Aber erst im Inneren offenbart sich der ganze Schatz aus Sammlerstücken der unterschiedlichsten Art und die riesige Ausdehnung des Heimatmuseums. Nora John

Kuriositätenkabinett, Sammelsuriumsammlung oder das Wax-Kabinett. Es gibt viele Namen für das Eifel-Heimatmuseum Bergweiler, das der ehemalige Pfarrer Wax, der 2010 gestorben ist, aufgebaut hat. Wer die Räume betritt, weiß nicht mehr, wo er zuerst hinschauen soll. Große Räume voll mit Dingen der unterschiedlichsten Art. Ein Bild vom Papst Johannes Paul II. neben Heiligenfiguren, dabei ein ausgestopftes Wildtier, alte Teller, Hufeisen, Zeitungsartikel und eine Messingglocke bilden ein Ensemble auf wenigen Quadratmetern. Jeder Platz an der Wand ist ausgefüllt, und auch an den Decken hängen diverse Gegenstände. So ist beispielsweise einer der Räume mit unzähligen Kuhjochen und Butterbrotdosen an der Decke geschmückt. Französische Militärgegenstände bilden mit einer Heiligenfigur eine Ausstellungsgruppe. Schon direkt beim Betreten des Museums durch die Tür rechts vom Pfarrhaus fällt der Blick auf ein riesiges Gemälde des Künstlers Otto Frankfurter, der 1980 sehr detailreich die Legende um die Säubrenner dargestellt hat. Der massive Eichenrahmen besteht aus dem Gesims einer alten Scheune. Doch das Museum ist derzeit nur einem kleinen Kreis von Interessierten zugänglich, die sich um das Anwesen kümmern. Einer von ihnen ist Kurt Eckstein, der die Räume für eine Stunde aufschließt und die TV-Reporterin herumführt.„Es befindet sich im Dornröschenschlaf“, bedauert er. Gerne würden er und einige andere wieder Leben in die Räume bringen, die sich auf mehreren Etagen über rund 1400 Quadratmeter erstrecken. „Doch nur mit Ehrenamtlichen geht das nicht“, sagt er. Da in den Räumen, die im Laufe der Jahre nach und nach erweitert wurden, auch zumindest theoretisch eine Bewirtung von mehr als 200 Menschen möglich wäre, müsste alles nach neuen Vorschriften in Bezug auf Brandschutz und Barrierefreiheit umgebaut werden. Ein Vorhaben, das derzeit nur schwer umsetzbar scheint. Dennoch versuche man, Lösungen zu finden, und suche auch das Gespräch mit dem Bistum.Im Jahr 2007, so geht aus den Unterlagen über das Heimatmuseum hervor, sollen hier nach einer Aussage von Pfarrer Wax um die 7000 Menschen im Jahr bewirtet worden sein. Doch vorläufig werden hier nur einmal jährlich Pilgergruppen bewirtet. Und die haben dann bei ihrem Aufenthalt viel zu sehen. Rund 55 000 bis 60 000 Exponate, so die Schätzung der Museumbetreuer, die viele Informationen in einem Ordner zusammengefasst haben.In diesem Schriftstück lässt sich auch etwas über die Geschichte des Museums nachlesen. Es begann, als 1970 Pfarrer Gerhard Wax nach Bergweiler kam und bereits viele gesammelte Gegenstände vor allem aus dem landwirtschaftlichen Bereich mitbrachte. Kernstück war zunächst bis zum Jahr 2008 das Pfarrhaus mit seinen sieben Zimmern. Später wurden die Nebengebäude als Jugend- und Versammlungsräume ausgebaut oder in den Jahren 1986 bis 1988 im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen komplett neu gebaut.Außerhalb des Museums entstand an der Grenze zum Friedhof eine Galerie, in der vorwiegend Handwerksstuben untergebracht sind.Doch warum präsentieren sich die Ausstellungsstücke so scheinbar außerhalb jeglicher Ordnung. Auch dazu ist in den Unterlagen ein Zitat des Museumsgründers Wax: „Das normale Leben kommt mit zehn Geboten aus. Eine weitere Selektierung oder Ordnung ist überflüssig. Nachbarschaften und Miteinander entstehen beiläufig, zufällig oder zwangsläufig aber nicht mit von Menschenhand vorgegebener Ordnung!“ Rundgang durchs MuseumFoyer: Teil eines römischen Grabsteins, Säubrennerbild, Kleinexponate.Museumshalle: Utensilien aus dem täglichen Leben, Uniformen, Beschirrung von Pferden und Kühen, Bilder von Bundespräsidenten. Ausstellungshalle: Heilige, Schränke, Sekretäre, Truhen, Arbeitsjoche für Kühe an der Decke. Freiflächen im Hof: Landwirtschaftliche Großgeräte wie Pflüge, Eggen, Wagenteile etc. Museumsgalerie: Einblicke in die Welt der Handwerker mit Werkstätten und Geräten.Gastraum Sonntagskneipe: Aufenthaltsraum, Wände mit Geräten und Gegenständen aus Haushalt und Volksfrömmigkeit. Hochzeitssaal „Der blaue Salon“ : in drei Teilen gegliederter Raum, unter anderem mit Gitarren, Geigen und anderen Musikinstrumenten. Weinkeller: stark überholungsbedürftig. noj