Ein neuer Investor klopft in Zeltingen-Rachtig an die Tür

Ferienpark : Ein neuer Investor klopft in Zeltingen-Rachtig an die Tür

Ein niederländischer Campinganbieter will in Zeltingen-Rachtig mehr als 25 Millionen Euro investieren. Es sind 500 Zelte und Mobilheime geplant.

Die Älteren werden sich vielleicht erinnern: Die ersten Pläne für einen Ferienpark auf der linken Moselseite oberhalb von Zeltingen-Rachtig stammen schon aus dem Jahr 1967. In den 1990er Jahren wurde das Thema dann wieder ganz groß gespielt. Es hatte den Anschein als stehe der Baubeginn für etwa 360 Bungalows und Freizeiteinrichtungen, zum Beispiel ein Erlebnisbad, unmittelbar bevor. Die niederländischen Investoren, die das Gelände erworben hatten, machten viel Druck.

Doch wie sieht es im April 2019 an der B 50 aus? Immerhin ist vor Jahren auf Kosten des damaligen Investors, einem niederländischen Konsortium, eine Abfahrt von der Bundesstraße auf das circa 75 Hektar große Gelände gebaut worden. Ein einsames Häuschen steht auch schon auf dem großen Areal: ein Mustergebäude. Ein Muster ohne Wert? Nach den bisherigen Erfahrungen ist diese Frage eher mit Ja zu beantworten. Die Geschichte war zwar schon so weit gediehen, dass sich Interessenten in einem eigens in Kloster Machern eingerichteten Büro über den Kauf einer Immobilie auf dem Gelände informieren konnten (der TV berichtete). Dazu gehörte auch die Information über die Vermietung der Häuser an Urlaubsgäste. Doch die internationale Bankenkrise in den Jahren 2007 und 2008 ließ das Interesse erlahmen beziehungsweise gar nicht richtig aufkommen.

Die niederländische Camping- und Ferienparkkette Iris Parc unternimmt nun einen neuen Anlauf. Wim Backers, der Eigentümer von Iris Parc & Vacansoleil und Direktor Erwin Merkx haben das Projekt bereits den Kommunalpolitikern aus Zeltingen-Rachtig, Bernkastel-Kues und Wehlen vorgestellt. 80 Prozent der Fläche liegen auf Zeltingen-Rachtiger Gemarkung, 20 Prozent gehören zu Bernkastel-Kues.

Und das ist in dem Iris Parc geplant: ein Fünf-Sterne-Campingplatz mit 500 Einheiten in voll eingerichteten Zelten beziehungsweise Mobilheimen. Dazu kommen circa 150 normale Standplätze für Camper. Geboten werden sollen unter anderem Outdoor-Aktivitäten und ein Animationsprogramm. Auch ein Schwimmbad wird zum Angebot gehören.

Geöffnet sein soll der Park von Ostern, spätestens aber ab 1. April, bis Anfang November. Der Bau soll in drei Phasen erfolgen und drei Jahre in Anspruch nehmen. Iris Parc will mehr als 25 Millionen Euro investieren. Unter anderem müssen Straßen und ein Versorgungsnetz gebaut werden.

Die Gesellschaft rechnet mit mindestens 200 000 Übernachtungen pro Jahr. 25 Leute sollen das ganze Jahr über in Vollzeit mit und in der Anlage beschäftigt sein. In der Hochsaison soll die Belegschaft auf 70 Mitarbeiter steigen. Die Region sei bei Niederländern und Belgiern sehr beliebt und schnell erreichbar, heißt es in der Präsentationsmappe. Und es gebe ein starkes Wachstum bei hochwertig ausgestatteten Campinganlagen. Der Markt gestalte sich also günstig.

Um das Projekt überhaupt angehen zu können, muss aber ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Deshalb beschäftigen sich auch kommunale Parlamente wie der Ortsgemeinderat Zeltingen-Rachtig und der Stadtrat Bernkastel-Kues damit und haben bereits den sogenannten Aufstellungsbeschluss gefasst.

Damit kann der Investor nun arbeiten. Unter anderem muss eine Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgen. Die werde viel aufwändiger sein als beispielsweise in den 1990er Jahren, sagt Leo Wächter, hauptamtlicher Beigeordneter der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Wächters erster Eindruck von den Plänen: „Das Konzept ist seriös“.

Der Bernkastel-Kueser Stadtbürgermeister Wolfgang Port sieht in dem Projekt keine Konkurrenz zu den bestehenden Campingplätzen. „Es ist eine andere Klientel“, sagt er. Überdies wurden in den vergangenen Jahren einige Campingplätze, auch der in Zeltingen-Rachtig, in Wohnmobilstellplätze umgewandelt (der TV berichtete).

Der Ortsbürgermeister von Zeltingen-Rachtig, Manfred Kappes, steht auch hinter den Plänen. „Wir sehen das positiv und wären froh, wenn da etwas passiert“, sagt er. Vor den Investoren, die auch nach seiner Meinung einen guten Eindruck machen, liege viel Arbeit. Kappes, seit 15 Jahren Ortsbürgermeister und vorher Ortsvorsteher von Rachtig, hat einige Probleme hautnah miterlebt.

Das Angebot auf der geplanten Anlage richte sich vor allem an Familien mit Kindern, sagt Heinrich Lang. „Diese Zielgruppe wird an der Mosel noch nicht umfänglich angesprochen“, sagt der Sachverständige für Camping- und Ferienparkwirtschaft, der auch für Iris Parc tätig ist. Statt Konkurrenz gebe es eine Ergänzung. Das Publikum an der Mosel werde damit jünger. Lang war unter anderem Leiter des Verkehrsamtes Tübingen und Professor für Destinations- und Kurortmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

Der Experte rechnet damit, dass die erwarteten 200 000 Gäste etwa zehn Millionen Euro ausgeben. „Die Hälfte davon wird mit Sicherheit in die Region fließen“, sagt er. Denn das Unternehmen halte die Urlauber an, auch die Region und ihre Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

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