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Ein Neustart in Thalfang: Die Firma Hochwald Foods will Flüchtling aus Eritrea ausbilden

Ein Neustart in Thalfang: Die Firma Hochwald Foods will Flüchtling aus Eritrea ausbilden

Kesete Yebyo Bahta kam vor zwei Jahren aus Eritrea nach Deutschland. Er flüchtete vor Hunger und Gewalt. Nun macht er eine Einstiegsqualifizierung bei Hochwald Foods in Thalfang und will auch im Hunsrück bleiben. Das Unternehmen unterstützt ihn, denn langfristig werden Fachkräfte gebraucht.

Er hat einen langen und beschwerlichen Weg hinter sich: Vom afrikanischen Eritrea bis Thalfang - das sind rund 5000 Kilometer Luftlinie. Kesete Yebyo Bahta nahm diesen Weg vor zwei Jahren auf sich. Die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse seines Landes zwangen den 20-Jährigen dazu. Auf dem Landweg ging es von Eritrea nach Äthiopien, über den Sudan nach Libyen. Dort setzte er mit einem Boot mit 270 anderen Flüchtlingen über das Mittelmeer und kam schließlich auf der italienischen Insel Lampedusa an. "Ich war drei Monate unterwegs", sagt er in deutscher Sprache. Denn dank ehrenamtlicher Hilfe kann er sich inzwischen in deutscher Sprache verständlich machen. Und er hat einen Arbeitsplatz, zumindest vorerst.

Kesete Yebyo arbeitet inzwischen bei Hochwald Foods in Thalfang. Die Molkereigruppe verarbeitet an acht Standorten mit 1921 Mitarbeitern rund 2,28 Milliarden Kilogramm Milch pro Jahr. Ausbildungsleiterin Tanja Bormann erklärt: "Yebyo macht jetzt ein Jahr lang eine Einstiegsqualifizierung. Wir wissen noch nicht genau, wo er in der Schulausbildung steht. Er erhält über die Außerbetriebliche Hilfe Deutsch- und Mathematikunterricht in Hermeskeil und eine ehrenamtliche Ausbildungsunterstützung. Das muss jetzt erst mal anlaufen."

Kesete Yebyo macht die Arbeit Spaß. Momentan bedient er eine Maschine, die Dosenmilch in Kartons verpackt. "Mir macht die Arbeit mehr Spaß als die Schule", sagt er. "Wir hoffen, dass er ab 1. August 2017 eine reguläre Ausbildung zum Anlagen- und Maschinenführer bei uns machen kann. Das wäre der Idealfall und ist unser ganz großes Ziel", sagt Tanja Bormann. Es bestehe ein großer Bedarf an Fachkräften, auch in der Zukunft - und den könne der nationale Markt nicht decken. Es gibt aber auch ein Risiko dabei, denn Kesete Yebyo wartet auf den standardisierten Integrationskurs, den das Bundesamt für Migration nach und nach für alle Asylsuchenden anbietet. Wann er drankommt, weiß er noch nicht. "Wenn die Maßnahme startet und genehmigt ist, dann wird Kesete den Betrieb verlassen und den Integrationskurs besuchen. Aber damit müssen wir rechnen."
Der Eritreer ist bislang nur geduldet, sein Asylverfahren läuft noch. "Das ist ein großer Verwaltungsakt für ein Unternehmen, einen Asylsuchenden zu beschäftigen.

Ich kann auch verstehen, dass es für kleinere Unternehmen schwierig ist. Aber es ist für uns eine Chance, zukünftige Fachkräfte auszubilden".

Arbeitsplätze für Ungelernte gebe es nämlich kaum noch. "Wir können keine Ungelernten an die Maschinen stellen. Wir sind froh, wenn wir auch in Zukunft Fachkräfte anstellen können", sagt Bormann und ergänzt: "Allein im Thalfanger Werk haben wir sieben Ausbildungsberufe und eine Übernahmequote von 85 Prozent. Die meisten bleiben bei uns." Das will schließlich auch Kesete Yebyo. "Ich will in Deutschland bleiben", betont er.

Extra Hochwald Foods

Hochwald Foods wurde 1932 als Genossenschaft Erbeskopf gegründet. Inzwischen erzielt das Thalfanger Unternehmen mehr als 45 Prozent seines Umsatzes außerhalb den Grenzen Deutschlands. Die Dosenmilch wird beispielsweise in den Mittleren Osten, nach Nordafrika, Australien und europaweit exportiert. 2,28 Milliarden Kilogramm Milch werden jährlich zu Milchprodukten verarbeitet. 1921 Mitarbeiter sind an acht Standorten beschäftigt, davon 460 in Thalfang. Der Umsatz betrug 2015 1,44 Milliarden Euro. Weitere Werke sind unter anderem in Kaiserslautern, Hungen, Hünfeld und Bolsward (Niederlande). hpl