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Ein Ort mit viel Geschichte und Prominenz in Brasilien

Ein Ort mit viel Geschichte und Prominenz in Brasilien

Kelten, Römer, Kirchenmänner, Künstler: Die Reihe der interessanten Persönlichkeiten in der Geschichte Wederaths ist angesichts der nur 220 Einwohner überraschend lang. In diesem Jahr feiert der Ort sein 700-jähriges Bestehen - unter anderem mit einer Ausstellung, die die Geschichte des Dorfes und seiner Menschen erzählen soll.

 Josef Bauer blättert in der Dorfchronik, um Bilder für die Ausstellung in Wederath zusammenzustellen.TV-Fotos (2): Jasmin Wagner
Josef Bauer blättert in der Dorfchronik, um Bilder für die Ausstellung in Wederath zusammenzustellen.TV-Fotos (2): Jasmin Wagner Foto: (m_huns )

Direkt an der Hunsrückhöhenstraße gelegen, erscheint Wederath auf den ersten Blick recht beschaulich und klein. In unmittelbarer Nähe zum Ort liegt der Archäologiepark Belginum. Er zeugt davon, dass es hier einmal eine keltisch-römische Siedlung gab. Doch welche Geschichten hat der Ort noch zu erzählen?

Jede Menge - das ist schon nach einem Anruf bei Josef Bauer, der sich mit der Dorfchronik befasst, klar: "In Wederath gab es mal einen Steinmetz. Und aus Wederath stammt indirekt ein brasilianischer Bischof." Zu viele spannende Geschichten, um sie am Telefon zu erzählen.

Besuch bei Josef Bauer zu Hause: Seit 44 Jahren lebt er in Wederath. Damals ist er der Liebe wegen vom 20 Kilometer entfernten Hoxel hierher gezogen. Der Liebe hat er es auch zu verdanken, dass er heute so viel über Wederath erzählen kann. Sein Schwager Herbert Hornberg, ein gebürtiger Wederather, hat Ende der sechziger Jahre seine Abschlussarbeit an der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe über sein Heimatdorf verfasst. Darin beruft sich Hornberg unter anderem auf den Wederather Lehrer Erich Gill, der 1956 "Allgemeine Quellen zur Geschichte Wederaths und seiner Nachbarn" gesammelt und aufgeschrieben hat.

Herbert Hornberg lebt seit fünf Jahren nicht mehr, aber Josef Bauer konnte das Werk seines Schwagers in Wederath behalten. Zusammen mit seinen Nachbarn Herbert Jörg und Josef Schmitt hat er die Dorfchronik digitalisiert, sodass für die 700-Jahr-Feier eine Bilderausstellung daraus entstehen kann: "Ich hoffe wir werden noch rechtzeitig fertig. Aber die Arbeit macht mir Spaß", sagt Bauer.

Für Geschichte habe er sich schon seit der Schule interessiert. Der gelernte Dreher beschäftigt sich neben der Heimathistorie auch mit Ahnenforschung. So konnte er in Wederath schon mehrfach Gäste aus Brasilien und auch den USA empfangen. Einmal sogar ganz hohen Besuch. Und das kam so: Im 19. Jahrhundert ging es den Menschen in Wederath vor allem aufgrund von Missernten sehr schlecht. Einige Dorfbewohner wanderten aus, unter anderem nach Brasilien. So auch die Vorfahren von Geremias Steinmetz, der 2011 zum Bischof von Paranavaí (Brasilien) ernannt wurde. Bereits Anfang der neunziger Jahre begab er sich auf die Suche nach seinen Wurzeln und landete über Umwege in Wederath, wo er sogar eine Messe hielt.

Ein weiterer prominenter Dorfbewohner war vermutlich Peter von Wederath, der im 15. Jahrhundert als spätgotischer Bildhauer wirkte. Einzig sein Name zeugt von seiner Herkunft, aus seinem Leben ist wenig bekannt. Seine Werke sind es dafür umso mehr: Unter anderem erschuf er das Epitaph der Elisabeth von Görlitz in der Jesuitenkirche Trier und den Sebastianus-Altar für Sankt Gangolf in der ältesten Stadt Deutschlands.

Eine Frage bleibt aber noch: Warum wird gerade in diesem Jahr 700. Jubiläum gefeiert? Wie alt genau Wederath ist, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Herbert Hornberg schreibt in seiner Arbeit, dass Wederath auf eine fränkische Siedlungsgründung zurückgehen könnte. Die Franken hätten nämlich im Gegensatz zu den Kelten die Tallage bevorzugt. Namensforschungen hätten zudem ergeben, dass Orte, die auf -rath enden etwa um 1000 nach Christus gegründet worden sein könnten.

Die erste schriftliche Erwähnung findet sich allerdings erst im Weistum des Hochgerichts Bernkastel vom 3. Juli 1315, in dem die Hochgerichtsgrenze beschrieben wird.

Eigentlich hätte die 700-Jahr-Feier schon letztes Jahr stattfinden sollen, allerdings wurde sie aus organisatorischen Gründen auf dieses Jahr verschoben. Umso mehr freut sich Daniela Petry, die Mitglied des Jubiläumsausschusses ist, dass es endlich mit den Vorbereitungen losgehen kann. Bis jetzt gebe es zwar nur eine grobe Planung für die Feier, aber einige Programmpunkte haben sich die Organisatoren bereits ausgedacht: Wahrscheinlich soll es einen Auftritt des Burgvolks zur Baldenau geben. Ein Vortrag über die Postkutschenlinie von Heimatforscher Berthold Staudt, der bereits 1993 ein Familienbuch über seinen Heimatort Wederath herausgegeben hat, sei auch angedacht.

Eines ist allerdings schon jetzt sicher: Wederath ist ein Ort mit vielen Geschichten und spannenden Menschen.