1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

„Ein Osterfest für die Geschichtsbücher“ - Die Touristenmagneten an den Feiertagen

Corona-Pandemie : „Ein Osterfest für die Geschichtsbücher“ - Die Touristenmagneten an den Feiertagen

Das Osterwochenende ist eigentlich der Start in die touristische Saison der Region. Doch im Corona-Jahr 2020 ist alles anders.

Schöner kann ein Frühlingswochenende eigentlich nicht sein. Die Sonne scheint durch  einen nahezu wolkenlosen blauen Himmel und sorgt für fast sommerliche Temperaturen von bis zu 24 Grad. An der Mosel blühen die Kirschbäume und Magnolien. Und wenn dann genau an Ostern solches Bilderbuchwetter herrscht, sind die Fremdenzimmer in Hotels und Herbergen nahezu ausgebucht, und die Touristen drängeln sich in den engen Gassen der Ausflugsorte.

Doch in diesem Jahr, in den Zeiten von Corona, ist alles anders. Die Parkplätze entlang der Enkircher Straße, die schon an normalen Tagen gut frequentiert sind, wirken  verwaist. „Es sind nur einige Wanderer unterwegs. Sonst laufen bei solchem Wetter Tausende hier vorbei“, sagt Anette Haas von Blumen  André. „Vielleicht ein paar Hunsrücker, die eine Moseltour machen, aber keine eigentlichen Touristen“, sagt sie.

In der Tat ist die Brückenstraße abgesehen von Einwohnern, die Besorgungen erledigen, menschenleer. Eine Pizzeria und eine Eisdiele geben vereinzelt Bestellungen heraus. Die Autos, die über die Brücke nach Traben fahren, tragen nahezu komplett einheimische Kennzeichen.

Und an der Uferpromenade unterhalb des Moselschlösschens spazieren einzelne Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern an den dort festgemachten Ausflugsschiffen vorbei. Ansonsten herrscht absolute Ruhe. Noch nicht einmal Schwäne und Enten schwimmen auf der Mosel.  Auf einem der Aussichtspunkte auf der Brücke, über die heute nur Autos mit einheimischen Kennzeichen fahren, schaut ein Ehepaar auf die Mosel, er in Freizeitlook mit T-Shirt, sie mit kessem Sonnenhütchen. Haben etwa doch Ausflügler den Weg an die Mosel gefunden? „Wir betreiben in Enkirch ein Weinlokal und dürfen nicht öffnen. Jetzt betrachten wir die Mosel wie sonst nur Touristen“, sagt die Dame, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Nicht ganz so ruhig wie in Traben-Trarbach ist es in Manderscheid. Zwar hängt an der Niederburg ein Schild mit der Aufschrift „Geschlossen“, doch hindert das zahlreiche Motorradliebhaber nicht daran, einen Ausflug in die Eifel zu unternehmen. Die Maschinen, die zumeist rheinländische Kennzeichen tragen, sind allerdings nur einzeln oder paarweise und nicht wie sonst im Frühjahr häufig zu beobachten, in Gruppen mit bis zu 20 Maschinen auf der Straße. „Nirgends ist man so einsam wie auf einem Motorrad“, sagt der Kölner Thorsten Wahlers auf die Frage, warum er trotz Corona unterwegs ist. Den Tagesausflug durch die Eifel und an die Mosel genießen er und seine drei Begleiter auf ihren drei Motorrädern sichtlich. „Es sind keine Idioten auf den Straßen unterwegs. Die Natur wirkt viel entspannter.“

Auf das Gelände des Klosters Himmerod verirren sich nur wenige Menschen. „Hier an der freien Luft hat das Virus nur wenig Auswirkungen“, sagt der Darmstädter Erhard Weller, der mit seiner Frau eine Fahrt ins Blaue unternimmt und zum ersten Mal am Kloster ist. „Normalerweise wäre bei solchem Wetter die Terrasse voll“, sagt ein Mitarbeiter der Klostergaststätte, der nach dem Rechten schaut. Normalerweise wären hier an Tagen mit Gottesdienst 1000 Leute pro Tag da, sagt er. Auch die Kirche ist menschenleer.

In Wittlich genießen am späten Nachmittag nur wenige Eisesser die sonnigen Plätze auf den Treppen an der Lieser. Auch auf dem Marktplatz, dem Pariser Platz und im Stadtpark sind kaum Leute unterwegs.

Wo sind denn die ganzen Wittlicher? Vielleicht beim Einkaufen. Vor dem Globus-Baumarkt, bei dem Security die Einfahrt auf den Parkplatz und damit die Kundenfrequenz reguliert, stauen sich am Samstag die Autos zeitweise bis zum Kreisverkehr. Wer glaubt, dass die Eifeler und Hunsrücker den Samstag für die Gartenarbeit nutzen und dann am Sonntag einen Ausflug an die Mosel unternehmen, der täuscht sich.

Denn Bernkastel-Kues macht am Ostersonntag einen skurrilen Eindruck. Finden an solchen Tagen Autofahrer höchstens entlang der B 53 auf dem Standstreifen in Richtung Graach eine Abstellmöglichkeit für ihr Fahrzeug, so stehen auf dem Moselparkplatz, der Platz bietet für rund 540 Fahrzeuge, vielleicht 50 Autos, darunter ein Wohnmobil aus dem Landkreis Kusel. „Wir machen einen Tagesausflug“, sagt die Beifahrerin. Die ungewohnte Atmosphäre und den fehlenden Trubel genießt sie sichtlich. „Die Stadt ist himmlisch ruhig. Man kann sich alles in Ruhe anschauen.“

Und wie ruhig alles ist: Auf dem Karlsbader Platz sind zwei Frauen unterwegs, die ansonsten überlaufenen pittoresken Gässchen, die weiter in die Altstadt führen, sind komplett menschenleer.

Auf dem Marktplatz befinden sich ein Fotograf, zwei Frauen, die sich unterhalten und eine vierköpfige Familie aus Trier in Radfahrkluft, die in der Sonne ihr Eis genießt. „Heute ist Ostern mal anders“, sagt Alexander Funk. „Wir genießen die Ruhe und das Wetter.“ Vielleicht doch ein wenig zu ruhig? „Sonst ist am Radweg immer viel auf, wie Straußenwirtschaften. Das ist ein Teil des Flairs, das heute fehlt“, sagt Sandra Funk.

„Das ist ein Tag für die Geschichtsbücher“, sagt der Bernkasteler Ulrich Klöck mit etwas Ironie. Er will mit seiner Frau schauen, ob was los ist. „Wie man sieht: nichts.“

Ganz anders am Erbeskopf. Zwar ist die Frequenz nicht so, wie man sie an einem Osterfeiertag erwartet, doch herrscht dort ein Kommen und Gehen. Auf dem Gipfel und auf den Parkplätzen vor dem geschlossenen Hunsrückhaus parken Autos mit Kennzeichen aus dem Saarland, der Pfalz und dem Trierer Raum. Zahlreiche Bänke sind belegt von Paaren und Familien, die ihr Picknick genießen. „Wir können auch im Garten sitzen, aber wir wollten mal was anderes sehen“, sagt ein Besucher aus dem Raum Hermeskeil, der sich den Kaffee mitgebracht hat. Am Erbeskopf sei es richtig gemütlich. „Ein Ausflug ohne viele Leute. Das tut gut.“

  Zusammen Motorradfahren und in Mandscheid mit Abstand pausieren: Heidrun Sing, Rolf Ülinger, Thorsten Wahlers und Karl-Heinz Baden aus Köln und Bonn unternehmen eine Tour durch die Eifel.
Zusammen Motorradfahren und in Mandscheid mit Abstand pausieren: Heidrun Sing, Rolf Ülinger, Thorsten Wahlers und Karl-Heinz Baden aus Köln und Bonn unternehmen eine Tour durch die Eifel. Foto: Christoph Strouvelle
 Der Brunnen am Marktplatz an Ostersonntag in der Bernkasteler Altstadt
Der Brunnen am Marktplatz an Ostersonntag in der Bernkasteler Altstadt Foto: Christoph Strouvelle

Weniger gemütlich macht es sich Carsten Müller aus Mainz: Gemeinsam mit seinem elf Jahre alten Sohn Clemens ist er sage und schreibe fünfmal mit dem Mountain-Bike die Skipiste runter und wieder hoch zum Gipfel gefahren. Haben die beiden keine Angst vor dem Coronavirus? „Ich wüsste nicht warum. Wir sind hergekommen, weil wir an der frischen Luft sein wollen“, sagt Müller und blickt hinunter auf die weiten Hänge. „Es ist ja niemand hier. Das ist Wahnsinn.“