Ein Park für die Schätze des Hunsrücks

Ein Park für die Schätze des Hunsrücks

Die Moore im Hunsrück sind einzigartig. Auf ihnen liegt auch das Hauptaugenmerk beim Nationalpark. Ihre Entwicklung muss zu Beginn angestoßen werden, dann soll sich die Natur großteils frei entwickeln. Das war die Botschaft des vierten Nationalpark-Forums.

Erbeskopf. Auch beim vierten Nationalpark-Forum waren die Gegner des Projekts nicht zu übersehen. Vor dem Hunsrückhaus wurden die Besucher begrüßt von ihren Plakaten und dem Vorsitzenden des Vereins "Ja zur Natur - Nein um Nationalpark" , Christoph Manz, der großteils unbeachtet seine Thesen per Mikrofon verbreitete.
Dennoch war die Atmosphäre bei der Diskussion, bei der sich Gegner wie Befürworter rege zu Wort meldeten, weitgehend entspannt. Thalfangs Bürgermeister Marc Hüllenkremer begrüßte etwa 230 Besucher zu dem Forum mit dem Thema: Wie entwickelt sich der Nationalpark? Umweltministerin Ulrike Höfken betonte, dass der Hunsrück auch heute schon riesige Schätze zu bieten habe und nannte die einzigartigen Hangbrücher als Beispiel. Hangbrücher sind Moore, die in Hochlagen auf wasserstauenden Schichten am Hang entstehen.
Moore sind generell seltene Biotoptypen. Sie seien deshalb von nationaler und europäischer Bedeutung bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt, erläuterte Referent Ulrich Jäger vom Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht. Torfmoose, das Wollgras, der fleischfressende Sonnentau, Moorbirken und der sehr seltene Moosbeerenscheckenfalter seien typische Arten der Hangbrücher. Doch aufgrund jahrhundertelanger Bewirtschaftung wie dem Anbau der Fichte sind diese Arten laut Jäger heute nur selten zu finden.
Ihnen soll im Nationalpark auf die Sprünge geholfen werden. Dafür werden laut Plan Entwässerungssysteme und Fichten eliminiert. Auch Buchenwälder, Arnikawiesen, Bruchwälder an den Gewässern sowie Wälder auf groben Felszersatz und Gesteinshalden im westlichen Teil des geplanten Nationalparks Hunsrück nannte Jäger als charakteristische Biotoptypen.
Dauerhafte Pflege ist nur für einige von ihnen, insbesondere die Wiesengesellschaften nötig. Zusammen mit Zonen zur Pufferung von Störungen von außen bilden diese Flächen die sogenannten Pflegezonen, die 25 Prozent des Parks ausmachen sollen.
Beim restlichen Park soll nur dort, wo es nötig ist, eine Starthilfe gegeben werden. Dann kann sich die Naturzone frei entwickeln.
30 Prozent des Parks sollen das von Anfang an tun. Erwartet wird ein Mosaik aus verschiedenen Strukturen. Insbesondere der Wald mit allen Altersstufen bis hin zur Zusammenbruchsphase dürfte den Besuchern laut Jäger einen ungewohnten Anblick bieten. Im Wirtschaftswald werden die Bäume geschlagen, bevor sie dieses Alter erreichen. Jäger betonte, dass ein Biotopverbund mit Flächen außerhalb des Parks wichtig sei. Zur Menge des Holzes, das der Holzindustrie künftig noch zur Verfügung steht, hieß es, dass in der etwa zehn Jahre langen Startphase des Parks wie jetzt auch 40 000 Festmeter jährlich zur Verfügung stehen. Langfristig sei von der Hälfte auszugehen.
In Bezug auf eine mögliche Bürgerbefragung zum Park verwies die Ministerin darauf, dass die Einrichtung eines Nationalparks keine lokale Entscheidung sei. Der Park diene auch dazu, internationalen Verpflichtungen nachzukommen und zehn Prozent der Waldfläche der Natur zu überlassen.
Ein Besucher merkte kritisch an, es sei wenig demokratisch, wenn man beim Forum nur Fragen stellen dürfe und nicht seine Meinung sagen könne. Ein Naturschützer hingegen lobte, dass es bei keinem anderen Nationalpark in Deutschland so viel Mitspracherecht für die Bürger gegeben habe, wie bei diesem.

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