Ein Pfarrer im Weinberg

NEUMAGEN-DHRON. Wem es an Geld fehlt, der muss schon Ideen haben, um zum Ziel zu gelangen. Pfarrer Thomas Thielen mangelt es daran nicht. Wie bereits in Trittenheim und nächste Woche in Neumagen hat er beim Pfarrfest in Dhron seine Arbeitskraft zu Gunsten der Pfarrkirche versteigern lassen.

Binnen weniger Wochen hat sich Thomas Thielen, Pfarrer zu Neumagen-Dhron, zum zweiten Mal versteigern lassen. Allerdings orientiert sich der Geistliche nicht grundsätzlich um, sondern nur befristet und zu Gunsten der Pfarrkirchen seiner Seelsorgeeinheit. Für dieses Ziel setzt er aber nicht nur darauf, einen hohen Preis für sich zu erzielen, sondern er packt auch mit an. Für die beim Dhroner Pfarrfest erzielten 457 Euro wird er einen Tag lang als Erntehelfer bei der Weinlese helfen. Dass er dies nun ausgerechnet im Weingut der katholischen Pfarrkirche tut, ist Zufall. Denn wie es sich bei einer amerikanischen Versteigerung gehört, hat darüber der Wecker entschieden. Obschon der beinahe erst drei Stunden später als geplant gerappelt hätte, weil der "Auktionator", Pfarrgemeinderatsvorsitzender Franz-Josef Thielen, seine Probleme mit dem Teil hatte. Doch ansonsten hat er, begleitet von der Winzerkapelle Mosella Dhron, seine Sache gut gemacht und mit witzigen Einlagen einen beachtlichen Preis für "das Objekt" erzielt. Mit Herbert Fass, der den Zuschlag erhielt, hat die Versteigerung einen glücklichen Ausgang genommen. Zumal der Winzer zusichert, den Pfarrer nicht in den eigenen, sondern in den Kirchen-Wingert, dessen Verwalter er ist, zu schicken. Dass er den Helfer verdient hat, davon ist er überzeugt: "Ich hab' ja auch genug geboten, bis ich ihn hatte." Die ihm unterlegenen Mitbieter neiden ihm das nicht. "Gut, dass er ihn bekommen hat - da ist er gut aufgehoben" sagt Elfriede Kohl. Auch Bernhard Junk ist nicht enttäuscht, obwohl er Arbeit genug für den Pastor gehabt hätte: "Ich hätte ihn in meine Mühle gestellt - da hätte er dann kehren können." Denn längst nicht jeder der Bietenden hätte auch mit einem Weinberg dienen können. Womöglich wäre der Pfarrer daher noch im Steuerbüro eines Nicht-Winzers gelandet oder gar in einem Wirtshaus. Beinahe hätten sogar Hunsrücker den Nutzen gehabt. Denn auch die Sänger des Kirchenchores Malborn haben ihren Auftritt beim Pfarrfest zum Mitbieten genutzt. Doch nun wird der Pfarrer seinen Dienst doch in Dhron ableisten. Übrigens ebenso in Trittenheim, wo er Anfang Juli für 220 Euro versteigert wurde. Die Neumagener sind am kommenden Sonntag gefordert. Ob man in den drei Orten ein Einsehen hat mit des Pfarrers Bitte, keine Steillage als Arbeitsort auszuwählen, wird sich im Oktober zeigen. Auf die Frage, was ihn zu dieser Initiative bewog, erklärt Thielen, angesichts des Renovierungsbedarfs der Kirchen und Kapellen der Seelsorgeeinheit habe er sich gesagt, "da muss was passieren". Daneben sieht er aber auch die Chance, Einblick in die Arbeit der Winzer zu bekommen: "Ich finde es schön zu wissen, wie die Leute ihr Geld verdienen."