Ein Pionier der Arbeiterbewegung - Gebürtiger Moselaner gründet 1848 zweitälteste Gewerkschaft Deutschlands

Ein Pionier der Arbeiterbewegung - Gebürtiger Moselaner gründet 1848 zweitälteste Gewerkschaft Deutschlands

Der aus Bernkastel stammende Zigarrenwerkmeister Franz Wenzel Kohlweck (1822-1889) hat im Revolutionsjahr 1848 eine der ersten deutschlandweiten Arbeitnehmer-Vereinigungen ins Leben gerufen. Die in Berlin gegründete "Association der Cigarren-Arbeiter Deutschlands" zählt neben dem kurz zuvor entstandenen "Nationalen Buchdrucker-Verein" zu den bedeutendsten Vorreitern der heutigen Gewerkschaften.

Bernkastel-Kues. Eine allgemeine Unzufriedenheit mit den sozialen und politischen Verhältnissen sowie schlechte Arbeitsbedingungen bewirkten in der Mitte des 19. Jahrhunderts große Unruhen in den Staaten des einstigen Deutschen Bundes. Seinerzeit litten insbesondere viele in Zigarrenfabriken beschäftige Arbeiter unter saisonaler Arbeitslosigkeit und sinkenden Löhnen. Zudem bedrohte eine sich ausdehnende Konkurrenz aus ungelernten und weiblichen Arbeitskräften die Jobs der ausgebildeten Tabakarbeiter.

Infolge großer Ängste vor einem sozialen Abstieg und dem Verlust des Ansehens breiteten sich unter den Arbeiternehmern zunehmend liberale und sozialistische Ansichten aus. Vor diesem Hintergrund organisierten sich im Umfeld des Revolutionsjahres 1848 zahlreiche deutsche Zigarrenarbeiter in lokalen sowie überregionalen Vereinigungen. Um sich gegenseitig stärker unterstützen zu können, schlossen sich die örtlichen Vereine am 25. September 1848 auf dem ersten Zigarrenarbeiter-Kongress in Berlin zur sogenannten "Association der Cigarrenarbeiter Deutschlands" zusammen.Heimat- geschichte(n)


Den Hauptverdienst an der Gründung dieser nationalen Arbeiterbewegung hatte Franz Wenzel Kohlweck, der Vorsitzende des damaligen Berliner Zigarrenarbeiter-Vereins. Kohlweck wurde am 8. Februar 1822 in der Moselstadt Bernkastel geboren und arbeitete ab 1840 als Werkführer in der Berliner Zigarrenmanufaktur seines Bruders Jean. Im Laufe des Jahres 1849 engagierte sich der talentierte Organisator in zahlreichen deutschen Städten und Gemeinden für die Gründung neuer Tabakarbeiter-Vereine.

Damit erhöhte sich die Zahl der Mitglieder einst auf mehr als 12 000. In Anbetracht dieses großen Erfolges wurde Kohlweck im September 1849 auf dem zweiten Kongress der Assoziation in Leipzig zum Präsidenten des Verbandes gewählt. Neben dem Vereinsvorsitz übernahm Kohlweck gleichzeitig auch die Redaktionsleitung der 1849 erstmals erschienenen Vereinszeitschrift "Concordia". Zu den angestrebten Hauptzielen der vereinigten Zigarrenarbeiter zählten unter anderem ein gesetzliches Verbot der Kinder-, Frauen- und Gefängnisarbeit, eine Beschränkung der Lehrlingszahlen sowie die Einführung von Tarifverträgen und Mindestlöhnen. Aufgrund der raschen Niederschlagung der Deutschen Revolution stieß die Assoziation jedoch schon kurze Zeit nach ihrer Gründung auf eine heftige staatliche Gegenwehr. So wurden ab 1850 die bis dahin mühsam erkämpften Freiheiten der Arbeiter sukzessive beschnitten oder aufgehoben. Schließlich verboten der Preußische Staat und die übrigen Mitglieder des Deutschen Bundes sämtliche nationalen Arbeitervereinigungen. Um diesem Verbot zuvorzukommen, beschloss die Assoziation der Zigarren-Arbeiter noch im August des Jahres 1850 die Auflösung ihrer zentralen Organisation.

Bereits einige Monate zuvor legte Kohlweck die Präsidentschaft des Verbandes nieder, woraufhin er von seinem amtlichen Stellvertreter Martin Arronge abgelöst wurde.
Später arbeitete Kohlweck als Tabakfabrikant und Zigarrenhändler in Berlin. Dort starb der gebürtige Moselaner und Pionier der deutschen Arbeiterbewegung am 30. August 1889.Extra

Nach dem Vorbild der 1848 gegründeten "Association der Cigarrenarbeiter Deutschlands" wurde 1865 der "Allgemeine Deutsche Cigarrenarbeiter-Verein" in Leipzig gegründet. Der Verein zählt zu den wichtigsten Vorgängerorganisationen der heutigen Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). phi

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