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Ein Prestigebau für die Weinhändler: Das Brückentor in Traben-Trarbach wurde 1899 gebaut - Früher trafen sich dort die Honoratioren

Ein Prestigebau für die Weinhändler: Das Brückentor in Traben-Trarbach wurde 1899 gebaut - Früher trafen sich dort die Honoratioren

Viel Geschichte der Stadt Traben-Trarbach ist im Brückentor verbaut. Unterschiedliche Baustile wie der Historismus und der Jugendstil kann man im Bau des Architekten Bruno Möhring finden. Das Tor ist das Wahrzeichen der Doppelstadt.

Ihre Belastungsprobe hat die Moselbrücke in Traben-Trarbach schon 1899 mit 175 mit Wasser gefüllten Weinfässern bestanden. Das Brückentor auf der Trarbacher Seite wurde schon kurz darauf ein Wahrzeichen der Stadt. Gestaltet wie ein mittelalterliches Stadttor mit Doppeltürmen, war es damals ein Prestigebau.

Die Brücke war für die Weinhändler einst von großer Bedeutung, denn um die Fässer mit der Bahn transportieren zu können, mussten sie von der Trarbacher auf die Trabener Seite geschafft werden, weil dort der Bahnhof war. Deshalb wollten die Trarbacher "Weinbarone" die Brücke unbedingt. Traben-Trarbach war zu der Zeit neben Bordeaux die größte Weinhandelsstadt in Europa.TV-Serie Landmarken



Mit dazu beigetragen hat der Umstand, dass Traben-Trarbach protestantisch war. Stadtführerin Ulla Schnitzius erklärt: ",Glaubensbrüder müssen zusammenhalten', lautete damals die Devise. Die Preußen waren Protestanten, die Calvinisten in den Niederlanden kauften in Traben-Trarbach, und es gab bei deutschen Weinimporten nach England einen Steuererlass. So konnte sich das Moselstädtchen zu einem solchen Handelsplatz entwickeln."
Architekt der vierteiligen Bogenbrücke und des Brückentors war Bruno Möhring (siehe Extra). Gleich ins Auge fallen dem Besucher die verschiedenen Baustile, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammenzupassen scheinen. Doch das ist der Architektur des Historismus, in dessen Stil das Tor zum Teil gebaut ist, geschuldet. Der griff auf ältere Stilrichtungen zurück und kombinierte sie teilweise miteinander. In der Spätphase entstand parallel zum Historismus der Jugendstil, der sich beispielsweise in den Darstellungen der Reben und der fließenden Linien zeigt.

Auf die Geschichte des Ortes geht Möhring mit einem Relief von Ausonius ein, der das Gedicht Mosella schuf; weitere stellen den Pfarrer Karl Theodor Reck und den Trierer Domorganisten Johann Georg Schmitt dar, Texter und Komponisten des Mosellieds "Im weiten deutschen Lande", das im Casino Traben-Trarbach seine Geburtsstunde hatte. Auf einer Säule des Brückentors thront Wotan der Rabe, der in der Fabelwelt als klug und weise gilt. Darunter sind die Köpfe der damaligen Ratsherren zu sehen, die einen bösen oder auch blöden Gesichtsausdruck haben.

"Das war die Rache des Architekten für nicht geflossene Gelder", berichtet Schnitzius lächelnd. Gesellschaftlich hatte das Brückentor schon bei seiner Gründung eine wichtige Bedeutung. Ulla Schnitzius: "Die Gaststätte im Brückentor war immer ein gesellschaftlicher Treffpunkt der Weinhändler, Ratsmitglieder, Handwerker, Architekten und weiteren Honoratioren der Stadt." Weiter erklärt sie: "Von dort hatte man einen guten Überblick und konnte die Geschehnisse in der Stadt verfolgen", sagt die Kennerin der Stadtgeschichte. 1967 übernahm der Maler und Galerist Werner Seippel die Brückenschenke und begründete dort die viel beachtete Brückengalerie. Heute kann man in den Räumen des Brückentors heiraten.

Eine Landmarke ist eine außergewöhnliche Formation im Gelände. Dabei kann es sich um natürliche, aber auch um vom Menschen geschaffene Wahrzeichen handeln.Extra

Bruno Möhring ist der wichtigste Architekt des Jugendstils in Traben-Trarbach. 1863 wurde er in Königsberg geboren, 1929 starb er. Sein erstes großes Werk war die Rheinbrücke in Bonn. In Traben-Trarbach gewann er den Wettbewerb für die damals ausgeschriebene Moselbrücke. Auf der Weltausstellung in Paris gestaltete er die Weinausstellung und das Restaurant im Deutschen Haus. Der Villenbau bot Möhring die Möglichkeit, Gesamtkunstwerke zu schaffen, bis hin zu Details, wie Türklinken und Wandfliesen. Das Hotel Clauss-Feist, die Villa Huesgen, die Villa Nollen und die Kellerei Julius Kayser sind weitere Möhring-Bauten in Traben-Trarbach. chb