Ein richtiges Zuhause für alte Menschen

Ein richtiges Zuhause für alte Menschen

Die demografische Entwicklung trifft in erster Linie die ländlichen Regionen. Zur Stärkung der Dörfer gehört auch der auf die Zukunft gerichtete Umgang mit den alten Menschen. Denn deren Zahl wächst.

Bernkastel-Kues. Die Menschen werden älter, doch gleichzeitig geht die Bevölkerungszahl zurück. 2050 werden in Deutschland wahrscheinlich nur noch 66 Millionen Menschen leben. Derzeit sind es noch 82 Millionen.

Die Folgen sind drastisch. Sie betreffen nahezu alle Bereiche, auf die ein Land fußt — vor allem den ländlich geprägten Raum.

Eines der Hauptthemen: Wie geht ein Land mit der immer größer werdenden Zahl von alten Menschen um? Maren Pflaumbaum, Mitglied im Verbandsgemeinderat Bernkastel-Kues, und Burkhardt Kullik (Wintricher Netz) gehören zu der größer werden Zahl von Leuten, die sich darüber Gedanken machen, wie Menschen in ihren eigenen vier Wänden zufrieden alt werden können.

Bei der Auftaktveranstaltung "Den alten Menschen zuhause eine Zukunft geben" machten sie und weitere Experten eine Bestandsaufnahme, zeigten mögliche Lebenswege auf und vermittelten die Adressen von Ansprechpartnern.

Burkhardt Kullik hat es sich auf die Fahnen geschrieben, älteren Menschen in Wintrich bei der Alltagsbewältigung (Einkauf, Arztbesuch etc.) zu helfen (der TV berichtete). Gabi Frank-Mantowski (Leitstelle "Älter werden in Rheinland-Pfalz") und der Diplom-Theologe und Pädagoge Peter Kappenstein erläuterten unter anderem Wohnformen für das Alter, aber auch für das Zusammenleben von Jung und Alt. Landrätin Beate Läsch-Weber gab einen Abriss über das, was in dieser Hinsicht im Kreis Bernkastel-Wittlich geschieht und geplant ist.

Adressaten waren Kommunalpolitiker (Bürgermeister) und "junge Alte", die sich bereits ehrenamtlich in der Seniorenarbeit engagieren. Ein Satz im Informationsblatt zu der Veranstaltung macht deutlich, welche Bedeutung das Altwerden für den ländlichen Raum hat. "Das Thema Wohnen im Alter muss in die Dorfentwicklung aufgenommen werden und gehört in die Kernbereiche der Orte", heißt es da. Ein Ortsbürgermeister, der sage, dass bei ihm in dieser Hinsicht alles in Ordnung sei, spreche nicht die Wahrheit, sagte Kullik.

Ein Satz von Peter Kappenstein zeigt, dass alte Menschen nicht mit Samthandschuhen angefasst werden müssen. "Wir dürfen sie nicht nur füttern und umsorgen, sondern müssen ihre Selbstständigkeit und Selbstbestimmung stärken", sagte er. "Wir können vor Ort was bewegen", glaubt Maren Pflaumbaum. Sie hofft, dass die Veranstaltung Früchte trägt.

Meinung

In den Dörfern ist Vieles möglich

Nicht alles, was die Experten erläutern, muss einem gefallen. Längst nicht alles Wünschenswerte ist durchzusetzen. Aber es muss endlich eine Diskussion einsetzen, wie die Gesellschaft auf die Veränderungen der Alterspyramide reagieren soll. Wo könnte diese Diskussion besser beginnen als in Orten, wo jeder jeden kennt, auch wenn er (noch) nichts über seine Alltagssorgen weiß. Die Bürgermeister wissen, welche Leute Hilfe brauchen. Es ist ihre Aufgabe, junge und alte Menschen zusammenzubringen. Es gibt junge Leute, die bereit sind, der Seniorin aus der Nachbarschaft eine Stunde in der Woche Gesellschaft zu leisten oder eine Besorgung zu übernehmen. Es werden auch immer mehr Häuser leer stehen. Alten Menschen dort in Gemeinschaft mit anderen eine Zukunft geben: In den Dörfern es ist möglich. c.beckmann@volksfreund.de