Ein Seelsorger voller Liebe

BERNKASTEL-KUES. Zwei Jahre haben Christoph Kippers pastorale Gehversuche in Kues und Lieser gedauert. Nun betritt der frisch geweihte Priester als Kaplan Neuland am Rhein. An der Mosel bleibt er in bester Erinnerung.

"Ich bin mit Ihnen verwachsen. Die Pfarreiengemeinschaft ist mir lieb geworden. Und man kann nicht Seelsorger sein, ohne zu lieben." Es waren bewegende Worte, mit denen Christoph Kipper den Gläubigen in der St. Briktius-Kirche in Kues dankte. Er dankte für die fast zwei Jahre, in denen er in Kues und in Lieser als Pastoralpraktikant und später als Diakon seine ersten "Gehversuche" in einer Pfarrei machen durfte. Er dankte auch für den Zuspruch, der ihm bei der Priesterweihe im Trierer Dom, bei der Primiz im heimischen Merchweiler (Saarland) und bei der Nachprimiz in Kues und Lieser zuteil wurde. Mehrere hundert Gläubige begleiteten und begrüßten den 26-jährigen Neupriester bei den Gottesdiensten, der Vesper und dem Empfang. Es war ein Ausdruck der Wertschätzung, denn Kipper hat sich in den fast zwei Jahren viele Sympathien erarbeitet - und zwar bei allen Generationen. Der lang anhaltende Beifall nach der Vesper, an deren Ende er die Dankesworte sprach, bewies dies. Kippers besonderer Dank für "zwei gute Jahre" ging an Pastor Georg Moritz, in dessen Pfarrhaus er wohnte, und an dessen Mutter Maria: nicht nur für die gute leibliche Versorgung, sondern auch für den geistlichen Beistand.Priester stehen in einem besonderen Spannungsfeld

Georg Moritz hatte beim Hochamt am Morgen in einer sehr offenen Predigt deutlich gemacht, in welchem Spannungsfeld der Priester arbeitet. Ein Gebet von Michel Quoist schildert die Probleme eines Priesters, der seine Gottesdienste gehalten hat und auf dem Nachhauseweg sieht, wie sich andere Menschen vergnügen. Da merkt der Geistliche, dass er auch ein Mensch aus Fleisch und Blut ist. "Herr, da bin ich. Allein. Die Stille beengt mich. Die Einsamkeit bedrückt mich. Ich habe einen Leib wie die anderen. Kräftige Arme für die Arbeit. Und ein Herz, wie aufgespart für die Liebe. Aber ich habe alles Dir geschenkt. Es ist wahr, dass Du es brauchtest. Ich habe Dir alles geschenkt. Aber es ist hart, Herr", heißt es da unter anderem." Doch Gott lässt den Priester nicht allein. "Ich brauche deine Hände, um mein Segnen fortzusetzen. Ich brauche deine Lippen, um mein Sprechen fortzusetzen. Ich brauche deinen Leib, um mein Leiden fortzusetzen. Ich brauche dein Herz, um meine Liebe fortzusetzen." Und der Priester versteht die Worte. "Während mein Leib seinen Hunger nach Freude herausheult, während die Menschen mir die Seele zerreißen und ich mich unfähig fühle, sie zu befriedigen, gebe ich Dir noch einmal mein Ja, nicht in laut lachender Freude, sondern langsam, leuchtend, demütig." Ein Priester müsse die Sicherheiten und Selbstverständlichkeiten eines bürgerlichen Lebens preisgeben, sagte Moritz. "Der Priester geht nicht den normalen Weg, den alle anderen gehen, den jeder ,vernünftige' Mann geht, der sich beispielsweise ein Häuschen baut, eine Frau nimmt, Kinder zeugt und die Früchte seiner Arbeit genießt." Es sei auch nicht einfach in einer Macher- oder Spaß-Gesellschaft für Gottes Botschaft Gehör zu finden. Und so könne es zu Situationen kommen, in denen auch der Priester keinen Weg mehr vor sich sehe. In diesem Augenblick trete der "Ernstfall des Glaubens" ein. "Es gibt keinen anderen Halt im Leben eines Priesters als Christus selbst. Christus hat ihn gepackt. Das rettet ihn, das hält ihn - auch und gerade dort, wo sich Abgründe auftun", sagte Moritz. Christoph Kipper macht nun seine ersten Schritte auf diesem Feld. Er wird als Kaplan Gottes Wort in Linz am Rhein verkünden. Die nächsten beiden Wochen bleibt er aber noch den Kuesern und Lieserern als Urlaubsvertretung von Georg Moritz erhalten.

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