Ein Sieg beim Doppeljubiläum

Insgesamt 200 Jahre bestehen zwei der prägenden Vereine des Wittlicher Stadtteils Wengerohr. Freiwillige Feuerwehr (seit 1906) und Musikverein (seit 1926) feierten am vergangenen Wochenende ihre Jubiläen gemeinsam mit viel Musik und Präsentationen der Feuerwehr.

Wittlich. "Tobi! Tobi!" Lauthals feuern Wittlicher Nachwuchsfeuerwehrleute einen der jüngsten Teilnehmer der Jugendfeuerwehrspiele der Region Trier an. Der Elfjährige steht am Ende der Reihe mit fünf Kameraden und pfriemelt ein Seil erst durch sein rechtes Hosenbein, dann durch den rechten Ärmel seiner Jacke und auf der linken Seite in umgekehrter Richtung wieder aus seinem Feuerwehranzug heraus. Gar nicht so einfach - und vor allem eine Gemeinschaftsaufgabe.

Das sind die meisten der acht Spiele, erklärt Kreisjugendfeuerwehrwart Patrick Rensch: "Wenn sie nicht als Team zusammenarbeiten, kommen sie nicht auf eine gute Zeit." Als Team müssen die Jungen und Mädchen ja auch agieren, wenn sie in ein paar Jahren in den aktiven Feuerwehrdienst gehen.
Dass die meisten Aufgaben nur ansatzweise feuerwehrspezifisch sind, ist gewollt. "Wir haben hier in Wittlich technische Ausrüstung, die bei kleineren Wehren vielleicht gar nicht vorhanden ist", erklärt Rensch. Gute Zusammenarbeit wird aber belohnt, wenn beispielsweise Tischtennisbälle durch ein Gitter hindurch von Hand zu Hand gereicht oder löchrige Behälter mit Wasser gefüllt werden. Volle Trinkbecher müssen ohne etwas zu verschütten Rutschen hinauf, Treppen herunter, durch Spielhäuser und über Klettergerüste transportiert werden. "Es ist lustig", sagt Joshua Zahren aus Oberpierscheid.

Marko Daus kann Patrick Renschs Aussage bestätigen: Dass man als Mannschaft zusammenarbeite, sei sehr wichtig. Obwohl die Aufgaben zwei Wochen vor dem Wettkampf bekanntgegeben werden, habe man nicht geübt, sagt der 16 Jahre alte Nachwuchsfeuerwehrmann aus Wittlich. Trotzdem gewinnt die Wache 1 aus der Kreisstadt den Regionalentscheid (siehe Extra).

An solche Wettkämpfe wie zum Abschluss des Doppeljubiläums von Freiwilliger Feuerwehr und Musikverein Wengerohr dachte man vor 110 Jahren noch nicht. Im Frühjahr 1906 trafen sich 25 Männer auf Initiative des Gast- und Landwirts Josef Servatius, um die bisher aus nur acht Mann bestehende und wenig schlagkräftige Pflichtfeuerwehr durch eine Freiwilligentruppe zu ersetzen. Allerdings: Bereits 1958 wurde im damals noch selbstständigen Dorf erstmals eine Jugendfeuerwehrgruppe gegründet. Seit der Kommunalreform 1969 gehört die Freiwillige Feuerwehr Wengerohr erst als Löschzug seit 2004 zusammen mit der Feuerwehr Bombogen als Einheit 2 zur Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Wittlich.
Dass die Feuerwehr ihr 110- und der Musikverein Wengerohr (siehe Extra) sein 90-jähriges Bestehen gemeinsam feiern, gefällt Bürgermeister Joachim Rodenkirch. Wer zusammenarbeite, habe die Zeichen der Zeit erkannt. Eine "Konstante im Gemeinwesen" nannte er die beiden ältesten Vereine des Stadtteils.Extra

Die Regionalspiele der Jugendfeuerwehren gingen mit folgendem Ergebnis zu Ende: Der erste Platz geht an die Wittlicher Wache 1 mit 365 Punkten, der zweite Platz an Oberbillig mit 301 Punkten, dicht gefolgt von Hillesheim mit 299 Punkten. Auf Platz vier folgt Sülm mit 247 Punkten, Pützbachtal ist Fünfter mit 244, Wintrich Sechster mit 227, Oberpierscheid Siebter mit 183 und Ruwer Achter mit 155 Punkten.Extra

Mitten in den "Goldenen Zwanzigern" gründeten am 7. November 1926 sechs musikbegeisterte Männer den Musikverein Wengerohr. Richtig in Schwung kam der Verein nach der Wiederbelegung 1955. Schwierige Zeiten in den 1990er Jahren, als das Orchester auf zeitweise nur 14 aktive Musiker schrumpfte, überwand der Verein auch dank seiner Jugendarbeit. Etwa 90 aktive Musiker gehen im Musikverein Wengerohr derzeit ihrem Hobby nach. Erstmals trat beim Jubiläum auch ein Ehemaligen-Orchester auf. Zu proben sei nicht einfach gewesen, sagt der Vorsitzende Oliver Dillenburg. Aber obwohl einzelne Musiker mittlerweile im Westerwald leben, klappte es so gut, dass es zum Jahresende eine Wiederholung geben könnte. teu