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Ein Spagat zwischen Tiefgang und Masse

Ein Spagat zwischen Tiefgang und Masse

Mit einer Semesterarbeit gelang ihm ein internationaler Erfolg: Der preisgekrönte Kurzfilm "Pizza Amore" des Morbacher Regisseurs Achim Wendel wird im Rahmen des Festivals "Cinéfleuve" am Sonntag, 8. Juli, im Trierer Broadway-Kino gezeigt.

Morbach. Sein Bruder brachte ihn auf die Idee: Aus Mangel an Geld für ein Taxi hielt dieser einst des Nachts einen Lieferservice an und bestellte eine Pizza zu sich nach Hause - mit dem Essen fuhr er dann gleich mit. Dieses Geschehen faszinierte Achim Wendel, 31-jähriger Filmemacher aus Morbach, so sehr, dass er daraus ein Drehbuch machte. Das Endprodukt heißt "Pizza Amore", eine Dreiecksgeschichte um einen Mann und zwei Frauen, die die Themen Essen und Liebe verbindet und in der Tragik und Komik nah beieinander liegen.Der Erfolg seiner 15 Minuten langen Produktion - eigentlich eine Semesterarbeit des damaligen Studenten für audiovisuelle Medien der Stuttgarter Hochschule der Medien - überraschte Achim Wendel selbst: Insgesamt zwölf Auszeichnungen heimste der in Morbach wohnende Wendel für "Pizza Amore" ein. "Ich hätte nie gedacht, dass der Film international rumkommt", räumt Wendel ein. Sogar auf dem europäisch-asiatischen Filmfestival in Washington lief die Produktion, die durch die deutsche Filmbewertungsstelle Wiesbaden das Prädikat "wertvoll" verliehen bekommen hat. Da wird die "Eins" als Bewertung für die Semesterarbeit nebensächlich. "Es ging mir nicht so sehr um die Note", erklärt der 31-Jährige - und fügt, nicht ohne Stolz, an: "Ich hatte schon das Gefühl, dass es mein bester Film ist." Und das aus dem Munde eines Perfektionisten, der nie ganz zufrieden ist mit seinen Arbeiten. Fünf Produktionen hat der inzwischen mit dem Studium fertige Diplom-Ingenieur im Bereich audiovisuelle Medien mit Schwerpunkt Film bereits gedreht: "Das Opfer", "Gekauftes Glück", "Sprechanlage", "Das innere Auge" und eben "Pizza Amore". Aus dem ursprünglichen Hobby wurde im Laufe der Jahre eine Leidenschaft, später eine Profession.

Ein Beruf allerdings, mit dem es sich trotz aller Erfolge und Auszeichnungen - zumindest noch - nicht leben lässt. "Zwar ist es für mich seit den Preisen leichter, Sachen durchzusetzen und zu verwirklichen", räumt der Regisseur ein, "aber den richtigen Durchbruch habe ich erst dann geschafft, wenn ich mich ausschließlich damit finanzieren kann." Da das noch nicht der Fall ist, baut sich der Morbacher zurzeit ein zweites Standbein auf: Als Produzent für Industriefilme will er sich spätestens im August selbstständig machen und Imagefilme für Unternehmen drehen.

Seine Träume allerdings gehen in eine andere Richtung: "Mein Wunsch ist es, Filme machen zu können, die sowohl gut sind, als auch dem Publikum gefallen - fürs Fernsehen oder sogar fürs Kino." Ein Spagat also zwischen Tiefgang und Masse, doch genau an letzterer hapert es noch: So erfolgreich seine Produktionen auch sein mögen, als Kurzfilme führen sie ein Schattendasein, das nur ab und an durchbrochen wird - etwa am Sonntag, 8. Juli, wenn "Pizza Amore" im Rahmen des Festivals "Cinéfleuve" um 20 Uhr im Trierer Broadway-Kino zu sehen ist.

Im Überblick:

Kurzbiographie
1976 in Homburg/Saar geboren 1987-1993 Gymnasium bis zur mittleren Reife 1993-2000 Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel mit Weiterbeschäftigung in einer Wittlicher Firma 2000-2001 Fachabitur 2001-2006 Studium "Audiovisuelle Medien" an der Hochschule der Medien, Stuttgart
Kurzfilmographie
1997 "Das Opfer" 1998-2000 "Gekauftes Glück" 2003 "Sprechanlage" 2004-2005 "Das innere Auge" 2005 "Pizza Amore"