Ein Spaziergang unter der Mosel

Wegen des 50-jährigen Bestehens der Großschifffahrt auf der Mosel hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Trier einen Tag der offenen Tür an der Zeltinger Schleuse organisiert. 2000 Menschen konnten von nahem beobachten, wie Schiffe geschleust werden, und Anlagen sowie Bauschiffe besichtigen.

Zeltingen-Rachtig. Große Fensterscheiben, die bis zum Boden reichen, und zahlreiche Bildschirme bestimmen das Bild des Schleusensteuerstandes der Zeltinger Stauanlage. Während Rainer Jakobs der Besuchergruppe erklärt, wie Güter- und Passagierschiffe durch die Schleuse gelotst werden, begeben sich zwei Jungen im Grundschulalter an die Fensterscheiben, um einen Blick auf die Anlagen zu erhaschen. "Schau mal, die Schleuse geht auf", staunt einer der beiden. So wie ihnen geht es vielen der etwa 2000 Besucher am Tag der offenen Tür an der Zeltinger Stauanlage.
Denn selten bietet sich Besuchern die Gelegenheit, einen Blick in eine verschlossene Welt zu werfen, die zwar zur Mosel gehört, deren Details sonst aber selbst den Einheimischen verborgen bleiben, sagt Charlotte Kurz, stellvertretende Amtsleiterin des Wasser- und Schifffahrtsamts in Trier. Sie hat zusammen mit ihren Mitarbeitern den Tag der offenen Tür mit seinen zahlreichen Attraktionen organisiert. So können die Besucher durch den 150 Meter langen Wehrkontrollgang unter der Mosel hindurchgehen, um dann per Boot wieder auf die Wehlener Seite zurückzufahren.
Der Zeltinger Helmut Werland geht nach 50 Jahren zum zweiten Mal unter der Mosel durch. Beim Bau der Schleuse hatte er schon einmal die Gelegenheit dazu. "Der Baulärm war damals unheimlich laut", erinnert er sich. Doch es gibt am Tag der offenen Tür noch mehr zu sehen und zu erleben. Die Mitarbeiter des Amtes führen durch den Betriebssteuerstand, von dem aus die Schleuse bedient wird oder durch das Antriebshaus für die Schleusenanlage. Einige Bauschiffe des Amtes, mit dem die Schleusen und die Mosel schiffbar gehalten werden, können ebenfalls besichtigt werden. Ein besonderes Erlebnis ist die sechs Meter breite und 4,40 Meter lange, unten offene Tauchglocke. "Mit der Tauchglocke können Arbeiter direkt am Flussgrund arbeiten," sagt Albert Schöpflin, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Trier. Der Luftüberdruck verhindert, dass Wasser in die Glocke läuft.
"Wir wollen den Menschen mit dem Tag der offenen Tür zeigen, was unser Amt macht und wie eine Schleuse funktioniert", sagt er. Anlass für den Präsentationstag ist das Jubiläum 50 Jahre r Großschifffahrt auf der Mosel. Auffallend viele Familien mit Kindern im Grundschulalter besichtigen die Anlagen. Die Kinder sind von der Technik fasziniert, basteln kleine Flöße oder setzen sich den 20 Kilogramm schweren Helm einer Tauchausrüstung auf den Kopf, dessen Gewicht allerdings von einer Kette getragen wird.
Filme geben Übersicht über den Bau der zweiten Schleusenkammer oder 50 Jahre Großschifffahrt auf der Mosel. Schöpflin ist mit der Resonanz der Besucher, die trotz des Regens gekommen sind, sehr zufrieden.
Gerhard Schweidler ist aus Oberehe-Stroheich bei Gerolstein nach Zeltingen gekommen. Er hat Binnenschiffer gelernt und nutzt den Tag der offenen Tür, um sein Wissen aufzufrischen. Der gebürtige Zeltinger Olaf Ehses hat sich das Kraftwerk angeschaut. Er freut sich: "Ich finde den Tag der offenen Tür sehr interessant."Extra

Die Zeltinger Schleuse ist die erste Moselschleuse, die eine zweite Schleusenkammer erhalten hat. Die neue Schleuse, die bereits seit drei Jahren in Betrieb ist, ist 210 Meter lang und 12,50 Meter breit. Die alte Schleuse ist 170 Meter lang und zwölf Meter breit. Im Sommer werden täglich etwa 60 Schiffe geschleust. Davon sind etwa 35 Frachtschiffe, fünf Kabinenschiffe und bis zu 20 Fahrgastschiffe. Hinzu kommen zahlreiche private Sportboote. In der Zeltinger Schleuse überwinden die Schiffe sechs Meter Höhenunterschied. Insgesamt gibt es an der Mosel von Neuves-Maisons in Frankreich bis zur Rheinmündung 28 Staustufen. cst

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