Ein Star aus Japan und der Garten als Bild

WITTLICH/TRIER. Er hat einen Faible für asiatische Gärten und jetzt einen ausgefallenen Auftrag abgeschlossen: Juppa Kaspari hat unter Anleitung des japanischen Landschaftsarchitekten Shigeichi Suzuki auf der Landesgartenschau einen Japanischen Garten gebaut.

"Das ist kein Garten, das ist ein Bild mit großer Symbolkraft. Die Jahreszeiten verändern es nicht. Und es gibt nichts, was keine Bedeutung hat." Juppa Kaspari spricht über den japanischen Garten der Landesgartenschau in Trier. Er hat ihn gebaut nach genauen Anweisungen von Shigeichi Suzuki. Der ist in Japan ein berühmter Landschaftsarchitekt, ein Star, und hat in Trier mit Hilfe des Bombogener Landschaftsbauunternehmen eine Art Abbild der Welt errichten lassen.Steine und Moos statt Blumen und Gras

Für europäische Verhältnisse ist dieser Garten außergewöhnlich, für manchen gewöhnungsbedürftig. Steine, Kies, Moos statt Blumen, Erde, Gras. "Der normale Gartenliebhaber bemüht sich ja, Steine und Moos loszuwerden. Für uns waren das Gestaltungselemente", sagt Juppa Kaspari, der zwar selbst einen Faible für die Ästhetik asiatischer Gärten hat, jedoch von der Philosophie des japanischen Gartens eher mit Respekt spricht: "Er ist wie ein Blick aus einem Fenster auf einen bestimmten Bereich. Ich werde mich hüten, so etwas zu kopieren. Denn es gibt eine Grenze, wenn man die Religion und Tradition nicht kennt." Bei der Planung und Gestaltung des dreidimensionalen Bildes hat Shigeichi Suzuki nichts dem Zufall überlassen. In einer Erklärung heißt es, der Kies symbolisiere die Weltmeere, die Findlinge die Berge, Moos und Rhododendren die Wälder. Wasser gehört auch dazu: Der Brunnen wird ausschließlich durch eine Frischwasserversorgung gespeist, und der Japanische Garten ist der einzige auf der Landesgartenschau, der automatisch bewässert wird. Der Stolz eines deutschen Gärtners auf die Blütenpracht spielt naturgemäß in einer solch ausgefeilten Komposition keine Rolle. So brach denn auch Suzuki bei einem Besuch vor Ort die Hälfte der Blüten der über 1000 Rhododendren ab, da deren Farbigkeit die gewünschte Ästhetik irritierten. Damit das Bild perfekt wurde, wurden bis auf das Moos und den Kies, der aus Binsfeld stammt, alle Materialien per Schiff aus Japan importiert. Juppa Kaspari: "Ich habe im Leben noch nie Moos gepflanzt. Kein Mensch hatte damit Erfahrung." Und zu den importierten Materialien: "Die Steine sind fantastisch. Jeder hat ein Gesicht. Die dicken Felsen, die Gebirge dokumentieren, haben unwahrscheinliche Maserungen, eine unglaubliche Struktur." Und ein unfassbares Gewicht: Rund 50 Tonnen brachte das Material für die 800 Quadratmeter große LGS-Anlage auf die Waage. "Plötzlich kamen die tonnenschweren See-Container an, die keine Maschine packt. Da mussten wir im Hafen portionsweise auf LKW umladen." Es folgte ein großer Moment: die Platzierung. "Das Stellen der Findlinge zum Teil mit zwei Kränen war sehr viel Arbeit. Einen wollte Suzuki verrückt haben. Da die Verständigung zwischen uns sehr schwierig war und meist nur über Zeichnungen funktionierte, hat er sich einfach selbst in Schlips und Anzug auf den Bagger gesetzt und den dann auch ganz fachmännisch bedient." Überhaupt, so Kaspari: "Der war schon eine ganz große Nummer und hatte eine große Sicherheit." Und was hat Juppa Kaspari selbst gelernt? "Ich werde in Zukunft noch mehr auf die Form der Steine achten. Sie so platzieren, dass sie sich anschauen. Beim Japanischen Garten kam der Aha-Effekt, als die Findlinge eingesetzt waren." Und sind asiatische neben den mediterranen Gärten häufig auch Wunsch der Kunden? "Es erinnert einen vielleicht an den Urlaub. So baut sich keiner einen Garten, der von der Welt noch nichts gesehen hat. Das sind Träume, die man versucht vor den eigenen vier Wänden zu verwirklichen." Und sein Tipp für die LGS: "Der Garten strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Am schönsten wirkt er im Morgen- oder im Abendlicht."

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