Ein suchender Träumer

Im voll besetzten großen Casinosaal in Wittlich warteten annähernd 200 Zuhörer auf den als Abenteurer bekannten Werner Jondral. Wolfgang Okfen von der Casinogesellschaft begrüßte die Gäste und stellte den Autor vor.

Wittlich. Er ist immer noch für eine Überraschung gut. Werner Jondrals Freunde, Bekannte und Kenner seiner früheren Expeditionen hätten eher einen Reisebericht oder einen Bildband erwartet. Schließlich war er in Kanada, Alaska, Afrika, Mexiko, am Polarkreis. Abenteuerliche Welten hat er erlebt und gefilmt. Seine 16 Millimeter-Tonfilme über Extremtouren durch Wildnis, Wüste und Eis wurden mehrfach im Fernsehen gesendet. Abenteuermagazine berichteten über seine nicht ungefährlichen Touren. Nein, sein erster Roman führt den Leser in Jondrals Kindheit, in seine Heimat Ostpreußen, nach Masuren, genauer zum Fluss Omulef (der TV berichtete).

Der 1935 geborene Autor schildert in seinem Buch "Das alte Haus am Omulef" liebevolle Erinnerungen an seine Familie, die seit vielen Generationen in diesem Land verankert ist. Jondral liest: "Es hat aufgehört zu regnen, im diffusen Licht der Sonne steigen dampfende Nebelschwaden auf, bis sich der runde gold-gelbe Ball im Wasser des ruhigen Sees widerspiegelt. Ein friedvoller neuer Tag bricht an."

Kristallklare Seen, unbeschreibliche Naturwunder, erklärt von Großvater und Vater, schenken Werner Jondral zunächst eine unbeschwerte Kindheit in seinem kleinen Paradies. Dann fährt er fort: "Noch ahnten wir nicht, was nur fünf Monate später geschehen würde. Es war ein schrecklicher Krieg, der sich unaufhaltsam unserer Heimat nähern würde." Die Familie muss flüchten, bricht auseinander. Einfühlsam und an einigen Stellen sehr bewegt, liest der Autor von seinen Eindrücken auf der Flucht, von erschreckenden Bildern eines sinnlosen, wahnsinnigen Krieges, durch den die geliebte Heimat auch noch verloren geht. "Das alte Haus am Omulef" ist nicht nur eine Familiengeschichte und eine Liebeserklärung an ein wundervolles verlorenes Land. Es ist die Autobiografie eines Zeitzeugen. Es ist eine Anklage an einen wahnwitzigen Krieg, ein leidenschaftlicher Aufruf an alle Menschen, jahrzehntelang verschwiegene Verbrechen an Deutschen in den Ostgebieten beim Namen zu nennen, damit jenes furchtbare Geschehen nicht im Archiv des Schweigens versinkt.

Werner Jondral will nicht Unrecht gegen Unrecht aufrechnen, das liegt ihm fern. Die Verbrechen durch den Nationalsozialismus, aber auch die Millionen Opfer durch Flucht und Vertreibung will Jondral unverfälscht als Mahnung für alle Zeiten sehen. Erst vor wenigen Wochen folgte der "zeitlebens suchende Träumer", wie er sich selbst nennt, den verwehten Spuren seiner einstigen Heimat: "Das Heimweh ist geblieben, die erlebten Härten haben mir später zu seelischer Stärke verholfen."

Werner Jondral liest aus seinem Buch "Das alte Haus am Omulef - Verwehte Spuren Ostpreußen" am Montag, 14. September, um 19.30 Uhr im Haus Beda in Bitburg und am Montag, 28. September, um 19.30 Uhr im Forum Daun.