Ein Tag, der Brücken bauen soll

Sie sind aus Afghanistan nach Deutschland geflohen. Die zehn jungen Männer, die in einer Außenwohngruppe des Jugendhof Wolf in Irmenach leben, haben mit einem afghanisch-deutschen Tag über ihre Heimat informiert.

Irmenach. Sie sind aus ihrer Heimat, in der seit Jahren Krieg herrscht, geflohen. Um Kontakte zu knüpfen und Vorurteile abzubauen, haben zehn Jugendliche aus Afghanistan einen Tag organisiert, an dem sie über ihre Heimat, die Menschen und die Religion informieren. Die jungen Männer, die in Irmenach in einer Außenwohngruppe des Jugendhofes Wolf leben, hatten ein Programm mit Infoblock, Workshops, Fußball, Basteln, traditionellen Essen, einem Lied auf Deutsch und Dari, ebenso das "Vater unser" in beiden Sprachen und den afghanischen Volkstanz Attan-i-Mili zum Abschluss. Bei dem afghanisch-deutschen Tag beschäftigten sich die Teilnehmer beim Workshop "Frauen- und Männerrolle" mit dem Rollenverständnis und dem daraus resultierenden Problemen bei der Partnerschaft.
Im Workshop zum christlich-muslimischen Dialog erlebten die Teilnehmer eine Atmosphäre des gegenseitigen Verstehens und Respektes. Ein erster Schritt auf der Suche nach den gemeinsamen Wurzeln und des Hörens auf die Meinung und religiösen Gefühle der jeweils anderen Glaubensgemeinschaft wurde getan. Superintendent Horst Hörpel zeigte sich sehr beeindruckt von der Kenntnis biblischer Traditionen bei den muslimischen Gesprächspartnern und würdigte ihre Fähigkeit, sich auf kontroverse Themen wie Dreifaltigkeit und die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu einlassen zu können. Die Idee zu einem solchen Tag entstand bei den Planungen zu einem Filmprojekt, das sie zusammen mit deutschen Jugendlichen in den Sommerferien drehen wollten, um über ihre Kultur zu informieren und Vorurteile abzubauen. .
Die zehn afghanischen Jugendlichen Haschem, Araghol, Davood, Faiz, Nasrat, Morteza, Naser, Ehsan, Ibrahim und Arian leben seit Herbst 2011 in der Außenwohngruppe des Jugendhofes Wolf.
Vor ein bis zwei Jahren flüchteten sie vor den furchtbaren Zuständen in ihrem Land. Sie kamen aus unterschiedlichen Gründen, aus unterschiedlichen Gegenden Afghanistans und auf unterschiedlichen Wegen nach Deutschland. Seither gehen sie in die Gesamtschule in Büchen beuren, lernen deutsch und vieles mehr. Sie wünschen sich vor allem eins: einen Beruf erlernen, Geld verdienen und ihr Leben gestalten. Nach dem Essen ließen sich die Jungs dazu bewegen, in traditioneller Kleidung den Attan zu tanzen.
Der Attan-i-Mili ist das Symbol der nationalen Einheit und Souveränität im Vielvölkerstaat Afghanistan. Alle Volksgruppen können und tanzen ihn. Aber auch andere Tänze des Landes und "orientalische Impros" wurden getanzt. Teilnehmende und Mitarbeitende des Projektes ließen sich anstecken und machten mit. "Für fünf Minuten können sie vergessen, wo sie sind", freute sich Christa Philippen, die bei der Organisation maßgeblich mitgewirkt hatte. red