Ein Tisch, ein Stuhl - fertig ist die Post

Ein Tisch, ein Stuhl - fertig ist die Post

BERNKASTEL-WITTLICH. Den von den Gemeinden vehement beklagten Schließungen eigenständiger Postfilialen stehen hier und da Neueröffnungen so genannter Agenturen oder Service-Filialen gegenüber. Wir haben Susanne Follmann, Leiterin der Service-Filiale in Landscheid, besucht.

Landscheid kann sich glücklich schätzen: Die Mehrortsgemeinde kommt mit den Ortsteilen Niederkail und Burg auf mehr als 2000 Einwohner. Damit kommt sie in den Genuss einer Post-Service-Filiale, die gegenüber der vorausgegangenen Regelung einen entscheidenden Vorteil bietet: Bis um 18 Uhr können dort Pakete und andere Sendungen abgeholt werden. Als die Post noch gegenüber der Kirche lag, waren die Schalteröffnungszeiten wesentlich knapper: Nur von 10 bis 12 Uhr wurde hier gearbeitet - nicht besonders kundenfreundlich.Kunden können nur bar bezahlen

Seit dem 23. November hat Susanne Follmann die Postgeschäfte in Landscheid übernommen. In ihrem Haus- und Gartenmarkt hatte sie Platz genug für einen Tisch, einen Stuhl und einige Rollcontainer, genug für die Grundausstattung. Einen Nachmittag wurde sie geschult, und damit war sie gerüstet für das flächendeckende Outsourcing der Deutschen Post. Das einzige, was die Geschäftsfrau nicht anbieten kann, sind Bankgeschäfte. Denn postmäßig online ist sie nicht, weshalb ihre Kunden auch nur mit Bargeld zahlen können. "Leider", sagt Follmann. Doch selbst die Firma suki, einer ihrer Großkunden, hat sich nach anfänglichem Murren schon darauf eingestellt. Es gibt auch schon einige neue Kunden, freut sich Follmann. Eine Dame, die in Wittlich arbeitet und dort zur Post gehen könnte, erledigt ihre Geschäfte lieber nach Feierabend bei ihr: keine Parkplatzsorgen, keine Politessen, keine Warteschlangen. Hinzu kommt die persönliche, freundliche Atmoshäre der Chefin. Täglich um 16.45 Uhr wird die Service-Filiale angefahren. Nicht wie früher von einem gelben Auto, sondern von einem unscheinbaren Transporter. "Ich habe mich beim ersten Mal selbst gewundert." Bürgermeister Egon Birresborn, dem weitere Gewerbeansiedlungen am Herzen liegen, dürfte mit der Post-Entscheidung pro Landscheid ein Stein vom Herzen gefallen sein. Für Firmen ist der Service vor Ort nicht unwichtig. Damit bleibt auch ein wesentliches Stück Leben im Ort. Klar, dass Susanne Follmann auch die Anlaufstelle für Niederkailer und Burger ist. Die Leute kommen jedoch von noch weiter her. "Aus Arenrath, Hof Hütt, und ab Januar wohl auch von Binsfeld und Großlittgen…" Dann nämlich schließen dort die Schalter ebenfalls. Was bleibt, sind Agenturen in Speicher, Landscheid und Wittlich.

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