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Ein Trauerspiel

Stadtentwicklung Uwe Praus, Wehlen

Zum Artikel "Kirche mit Betten und großer Küche" (TV vom 4./5. Februar) erhielten wir diese Lesermeinung:
Die "Alte Kirche" in Wehlen ist nun verkauft. Das ist gut so. Ich wünsche der Käuferin, Frau Oster, bei der Realisierung ihrer Pläne viel Erfolg. Dass es nie zur Realisierung der vorherigen Planungen oder zum Verkauf des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes kam, ist überwiegend der Eigentümerin, der Stadt, anzulasten. Wer erwirbt schon ein so heruntergekommenes Objekt?
Solange die Kirche noch der Ortsgemeinde Wehlen gehörte, wurde sie im Rahmen der Möglichkeiten in Ordnung gehalten. Im TV vom 23. Dezember 1999, Seite 9, heißt es unter anderem: "Im Jahre 2002 will die Stadt Bernkastel-Kues 680 000 DM in Sanierung und Umbau des kulturellen Zentrums von Wehlen investieren". Nichts ist jedoch passiert.
Wo das dafür vorgesehene Geld geblieben ist, darüber kann man spekulieren. Nachdem zwischenzeitlich die Heizung kaputt ging und nicht wieder repariert wurde, fing das Elend an. Ein Wasserrohrbruch wurde notdürftig repariert. Die Folgeschäden wurden nicht behoben.
Dann kam im August 2011 der große Hagelschaden. Die Gebäudeeigentümerin berührte das offensichtlich nicht. Als ich mir mal den Schaden von innen anschaute, stellte ich fest, dass das Regenwasser auf der obersten Decke stand und der Müll des letzten Mieters (der vor mehr als 20 Jahren ausgezogen war) noch in der Wohnung lag.
Auf eine entsprechende Meldung meinerseits wurde nicht reagiert. Bei einer weiteren Ortsbeiratssitzung 2016 wurde beschlossen, das Dach mit Planen abzudecken, denn einen weiteren Winter würde es nicht überstehen. Auch sei ein neuer Interessent vorhanden.
Nun ist die Kirche mit Grundstück zu einem Spottpreis verkauft. Mehr als ein vierstelliger Betrag war dank der "guten Pflege" wohl nicht zu holen. Mitverkauft ist auch das komplette Grundstück mit dem alten Feuerwehrhaus samt Jugendraum, dem ehemaligen Sitzungssaal des Wehlener Gemeinderats. Ohne diese Zugabe hätte auch Frau Oster das Objekt nicht erworben. (Frage: Wo trifft sich jetzt die Jugend?) Stände die Alte Kirche in Bernkastel oder Kues, so wäre sie bestimmt schon "vergoldet" und würde kulturell genutzt.
Aber Wehlen ist nur ein Stadtteil, ein fünftes Rad am Wagen. Noch ein Hinweis: Laut Eingemeindungsvertrag ist der Erlös aus Grundstücksgeschäften in Wehlen auch in Wehlen wieder anzulegen. Auch wenn es nur kleiner Betrag ist.
Uwe Praus, Wehlen