Ein Traum auf vier Beinen

WITTLICH. Vier Esel, acht Schafe und ein Pferd: Mit ihren Tieren geht es Ursula Schantz-Mezrag erst so richtig gut. Nebenbei pflegt sie auf diesem Weg auch alte Rassen.

Ursula Schantz-Mezrag ist eine kleine, resolute Frau. Ganz weich wird die 54-jährige Lehrerin allerdings, wenn es um Tiere geht. Die kann sie einfach nicht leiden sehen. Dass auf diesem Weg bereits zwei Katzen und zwei Hunde den Weg zu ihr fanden, mag noch recht gewöhnlich klingen. Ein wenig anders verhält es sich da mit den Schafen und Eseln, die Schantz-Mezrag auf Weiden bei Neuerburg hält. Mit dem gescheckten Hengst Noah fing vor zwei Jahren alles an. Der Vorbesitzer hatten ihn in einer Anzeige angeboten. Schantz-Mezrag: "Der Esel stand dort allein, also quasi in Isolationshaft. Er war voller Räude und hatte einen kaputten Fuß. Als ich ihn sah, habe ich gleich gesagt: Den kauf ich. Die Rasse ist mir egal, das Tier muss stimmen." Noah ist mittlerweile nicht mehr allein. Zu ihm gesellten sich der große Sindbad, den Schantz-Mezrag bei einem Gnadenbrothof erstand, und Fortuna. Die 1,10 Meter große Stute ist ein Neuer Deutscher Zuchtesel. Die Rasse wurde von der "Interessengemeinschaft für Esel- und Mulifreunde in Deutschland" als Nachfolger des ausgestorbenen Hausesels definiert. Fortuna ist seit wenigen Wochen Mutter. Tochter Victoria wackelt mit ihren großen Eselsohren schon recht eigensinnig durch die Gegend. Für Schantz-Mezrag ist klar: die Sturheit der Esel ist Schlauheit. Ein Island-Pferd, das Schantz-Mezrag auch reitet, komplettiert die Runde. Für die Deutsch-Lehrerin ging mit den Tieren ein Traum in Erfüllung. "In dem Dorf bei Zweibrücken, in dem ich aufgewachsen bin, gab es ein Pferd und einen Esel. Schon als Kind wollte ich diese Tiere auch immer haben." Mit den Schafen hingegen war es anders. "Die wollte ich nie haben", stellt Schantz-Mezrag entschieden fest. In einem Hufkurs lernte sie dann eine Frau kennen, die zwei dieser Tiere an den Schlachter verkaufen wollte. Schantz-Mezrag sah sich die Tiere an und ... - kurzum: Mit Lina und Sophie begann ihre Liebe zu Schafen. Auch die wolligen Vierbeiner wurden mehr. Schantz-Mezrag ist nun auch stolze Besitzerin von sechs hübschen Coburger Fuchsschafen. Im Gegensatz zu den Fleischschafen, die gemästet werden müssen und wählerisch sind, ist diese Rasse mit den braunen Köpfen sehr genügsam. Früher waren diese Tiere weit verbreitet, auch in der Eifel. Doch mit der "Turbo-Landwirtschaft" gerieten sie in Vergessenheit. In den 80ern wurde die Rasse, die heute zur Pflege der Landschaft beispielsweise im Moorgebiet Hohes Venn eingesetzt wird, wieder aus der Versenkung geholt. Schlachten kommt für Schantz-Mezrag nicht in Frage. Sie stellt fest: "Seitdem ich die Viecher hab, bin ich ein ganz anderer Mensch. Wenn es mit denen gut geht, läuft es auch in der Schule gut." Und wenn sie es nochmal machen könnte, dann würde sie wohl Tierärztin studieren. Doch als diese Entscheidung anstand, hieß es: "Du mit deinem 1,50 Meter! Was willst du da?" Die Zeiten haben sich geändert. Hoffentlich.

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