"Ein Turm erzählt" in der Stadtbibliothek

"Ein Turm erzählt" in der Stadtbibliothek

Gleich drei seiner Filme hat der Wittlicher Filmemacher Bruno Thelen zu einer Vorführung mit in die Stadtbibliothek gebracht: "Die Todeseisenbahn" über den Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Thailand und Burma während des Zweiten Weltkriegs, "Ein Turm erzählt - 300 Jahre Wittlicher Stadtgeschichte" und "Tempus fugit - Die Zeit vergeht" über die Turmuhr der Markuskirche.

Wittlich. "Ich bin eine hässliche Brücke, aber sehr bekannt, denn ich führe über den Fluss Kwai", so beginnt der Film über die Todeseisenbahn. Bruno Thelen, der diese und zwei weitere seiner Produktionen bei einem Filmabend in der Stadtbibliothek Wittlich vorstellt, wollte die wahre Geschichte des Baus der Brücke und der dazugehörigen Eisenbahnlinie von Thailand nach Burma erzählen. Denn der Spielfilm "Die Brücke am Kwai", der auch diese Brücke zum Thema hat, geht seiner Meinung nach "in seiner künstlerischen Freiheit sehr weit, wenn er die Pionierleistung und die Aufbruchstimmung beschreibt, die es einfach nicht gab".
In "Die Todeseisenbahn" zeichnet er nach, wie hunderttausende Menschen ihr Leben ließen und welche unmenschlichen Qualen die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter durch die schwere Arbeit mit wenig Nahrung und extremen Wettersituationen leiden mussten. Durch einen Zeitzeugen, den er in Den Haag befragen konnte, bekommt der klar strukturierte Film, der auf Effekthascherei verzichtet, eine persönliche Note. Der Mann erzählt, dass die Aufseher in den Lagern Papier konfisziert hätten, damit die Gefangenen nichts aufschreiben konnten. Dann hätten sie aus Büchern Seiten herausgerissen, um sich Zigaretten zu drehen. Als diese ausgegangen waren, wollten sie Seiten aus der Bibel nehmen. Ein mitgefangener Pfarrer erlaubte es ihnen laut dem Zeitzeugen, wenn sie die Bibelseite vorher läsen.
Insgesamt fünf Mal war Thelen in Thailand, um zu drehen. Fast drei Stunden Filmmaterial hat er auf 35 Minuten zusammengeschnitten, die zwei Kilogramm schwere Nizo 6080 Kamera samt Tonbandgerät durch schwer zugängliches Gelände getragen und keine finanziellen Zuschüsse für das Projekt in Anspruch genommen.
Mit "Ein Turm erzählt", aus dem Jahr 2009 geht es regional weiter. Viele Besucher hatten ihn schon damals in einer längeren Fassung von 45 Minuten gesehen. Beim Filmabend wird er in der Wettbewerbsform von 20 Minuten vorgestellt. Er handelt von Wittlichs Stadtgeschichte der vergangenen 300 Jahre. Mehr als 50 Wittlicher waren an der Produktion beteiligt. Albert Klein ist beispielsweise als Erzbischof und Kurfürst zu sehen, der verstorbene Klaus Petry als Dombaumeister.
In Wittlich Premiere hat an diesem Abend der Streifen "Tempus fugit - Die Zeit vergeht", der die Geschichte der alten Turmuhr beleuchtet - wie stolz die Wittlicher damals auf ihre Uhr waren, die mit 2000 Talern so teuer wie ein Haus war und die die Stadt sich trotzdem leistete. Sie war ein Zeichen der gesellschaftlichen Ordnung: Wenn sie schlug, wurden beispielsweise Markttage eröffnet oder es musste das Feuer im Haus ausgemacht werden. Sie bestimmte den Tagesrhythmus der Menschen. Bis 1911 tat sie ihren Dienst, heute ist sie im Turmmuseum zu sehen (der TV berichtete mehrfach).
Alle drei Filme sind ausgezeichnet vom Bundesverband Deutscher Filmautoren. Am Ende applaudierten die Besucher Bruno Thelen und auch Joachim Krieg, der sich für die Turmuhr eingesetzt hat. Vor allem an der Stadtgeschichte interessierte Wittlicher waren da, zudem Mitglieder des offenen Kanals.