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Ein Überflieger, der auf dem Boden bleibt

Ein Überflieger, der auf dem Boden bleibt

Zement oder Antihydrit? Trocken oder schwimmend? Dämmschicht und Dehnungsfugen? Estrich verlegen ist eine Kunst für sich. Der Heidenburger Finn Olbermann beherrscht dieses Handwerk und hat im Alter von 20 Jahren seine Meisterprüfung abgelegt.

Heidenburg. Er ist um 5 Uhr morgens nach Alzey losgefahren und hat dort zusammen mit drei Kollegen 800 Quadratmeter Estrich verlegt. Um 17 Uhr sitzt er in Heidenburg auf einem schwarzen Bürostuhl. Graues T-Shirt, estrich-gesprenkelte Jeans-Shorts, weiße Sneakers, leichter Sonnenbrand auf den Wangen. Er, das ist Finn Olbermann, Deutschlands jüngster Meister im Estrichlegen.
"Es ist ja nicht jeder Tag so lang wie heute", sagt Finn und lacht, "und es ist eben toll, abends zu sehen, was man den ganzen Tag gearbeitet hat." Gearbeitet hat Finn in den vergangenen Jahren viel und im Rekordtempo: mit Wasserwaage, Reibebrett, Laptop und Lernkärtchen. Direkt nach dem Hauptschulabschluss im Sommer 2010 begann er in Heidenburg seine Lehre bei Estrich Peter Meter, dem Betrieb seines Großvaters. "Er musste damals offiziell eine Bewerbung schreiben", erklärt Finns Mutter Heike Schu mit einem Schmunzeln. Sie arbeitet ebenfalls in dem Familienbetrieb.
Seine Lehrzeit verkürzte Finn und legte im Februar 2013 bereits nach zwei Jahren seine Gesellenprüfung ab. Nur einen Monat später begann er seine Fortbildung zum Meister.
Das bedeutete Blockunterricht in Feuchtwangen und Mainz. Im Mai dieses Jahres kamen die Ergebnisse per Post. Bestanden. Der Lohn für viel harte Arbeit. Nur auf seine Urkunde muss Finn jetzt noch warten. Die Lossprechung ist erst im Oktober. "Die Urkunde wollte ich mir nicht mit der Post schicken lassen", erklärt Finn.
Ein 20-jähriger Estrichlegermeister also? Das lässt andere schon einmal stutzen. Schließlich liegt das Durchschnittaalter neuer Meister nach Auskunft der Handwerkskammer bei Mitte 20. "Es gab schon einige Sprüche in der Meisterschule. Auch die Bauherren wundern sich am Anfang, aber das spornt mich nur zusätzlich an. Ich muss die einfach von meinem Können überzeugen."
Dass am Ende alles klappt, daran hat Mutter Heike nie gezweifelt: "Natürlich macht mich das wahnsinnig stolz. Finn ist ja praktisch mit dem Estrichlegen groß geworden. Und jetzt mit ihm zusammenzuarbeiten ist schon etwas Besonderes."
Auch Finn sieht man den Spaß an, wenn er über seine Arbeit spricht. Dabei hat er auch nebenbei noch einiges zu tun: "Ich bin gerade ausgezogen. Und außerdem will ich noch in diesem Jahr den Jagdschein machen. Das wird dann mein neues Hobby."
Und natürlich will er auch irgendwann den Betrieb übernehmen und die Familientradition fortsetzen. Denn seit der Gründung im Jahr 1978 ist die Firma ein Meisterbetrieb.
Sein Großvater und Chef Peter Meter macht sich keine Sorgen: "Als Team werden Heike und Finn das schaffen." Was dem Enkel noch fehle, sei ein wenig Erfahrung. Aber die werde er noch sammeln. "Er muss eben noch ein, zwei Jahre mit mir raus auf die Baustellen fahren." Die nächste Baustelle steht schon fest. Am nächsten Morgen geht\'s für Finn nach Bernkastel-Kues. Nicht mehr ganz so früh. Nicht um 5 sondern erst um 6 Uhr.