Ein unglaublicher Zufall

GRAACH/BERNKASTEL-KUES. (cb). Die Piloten von Spritzhubschraubern haben einen gefährlichen Job. Diese Erfahrung machte einer von ihnen innerhalb einer Woche gleich zwei Mal. Doch er fliegt weiter.

Fast die gleiche Stelle, die gleiche Leitung, der gleiche Pilot - und auch der gleiche Hubschrauber. Nachdem er vor exakt einer Woche mit dem Rotor ein Leitungsseil der 20 000-Volt-Freileitung gekappt hatte, touchierte der Pilot eines Spritzhubschraubers am Donnerstagmorgen um 6.19 Uhr an fast der gleichen Stelle, allerdings auf Bernkasteler Gemarkung, die Leitung ein zweites Mal. Durchtrennt wurde die Leitung aber nicht. Mit dem Spritzgestänge drückte der Hubschrauber zwei Leitungsseile zusammen und löste damit einen Kurzschluss aus. Die Folge war eine Unterbrechung der Stromversorgung in Mülheim, Andel, Monzelfeld und Graach. Bei dem Unfall verlor der Hubschrauber das Spritzgestänge. Der Pilot landete, um ein neues Gestänge zu installieren. Anders als eine Woche zuvor habe er jedoch nicht die RWE Rhein-Ruhr von dem Zwischenfall informiert, teilte Pressesprecher Rolf Lorig mit. In der RWE-Netzleitstelle wurde der Ausfall der Leitung registriert, Mitarbeiter des Bereitschaftsdienstes begannen sofort mit der Fehlersuche. Da keine Anhaltspunkte vorlagen und die Leitung von Bernkastel-Kues über Graach, Monzelfeld und Andel bis Brauneberg führt, verging nach Lorigs Auskunft fast ein Stunde, bis die Monteure den Fehler gefunden hatten und mit der Reparatur beginnen konnten. Die Monteure wurden durch Winzer darauf aufmerksam gemacht, dass der Hubschrauber die Leitung berührt hatte. Kurz nach 7 Uhr wurden Umschaltungen vorgenommen, um die Stromversorgung wiederherzustellen. Die Komplettversorgung war gegen 7.30 Uhr wieder gewährleistet. Die RWE erwägt nach diesem Vorfall weitere Schritte. Lorig: "Wir überlegen, ob wir die Flugaufsicht einschalten." Der Hubschrauber gehört der Gesellschaft Hahn Helikopter Flugdienst. Von dort wurde gestern bestätigt, dass es sich um den gleichen Piloten wie in der Vorwoche handelt. Widersprochen wurde der Aussage, dass der Vorfall nicht der RWE gemeldet wurde. Es gebe Zeugen, dass er gemeldet worden sei. Auch die Behörden und die Versicherung seien informiert worden. Für die Piloten sei das Terrain noch Neuland, sagte Geschäftsführer Uwe Weber. Seine Firma sei an der Mittelmosel erst seit diesem Jahr tätig. Der Pilot, der diese Spritzungen bisher vorgenommen habe, weise die Flieger zwar ein, doch seien solche Berührungen nie auszuschließen. Weber: "Die Stromleitungen sind oft nur schlecht zu erkennen." Der Pilot sei ein erfahrener Mann und werde in diesem Gebiet auch weiter fliegen.