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Landmarke : Ein Weingut mit frommer Vergangenheit

Landmarke : Ein Weingut mit frommer Vergangenheit

Das markante Gebäude gegenüber der Wallfahrtskirche Richtung Piesport hat eine bewegte Geschichte. Erst war es ein Gasthaus, dann Kloster und jetzt ist in den 69 Räumen ein Weingut untergebracht.

Könnten die Mauern des Klosterguts in Klausen Geschichten erzählen, es wären bestimmt einige spannende dabei. Denn das Gebäude war nie einfach nur ein großes Wohnhaus, sondern es war Gasthaus, mit Gast- und Schankwirtschaft samt Saal, Schlafkammern und einem landwirtschaftlichen Betrieb, dann bot es über acht Jahrzehnte lang als Kloster Dominikanerinnen ein Zuhause und jetzt ist hier ein Weingut beheimatet.

Auf dem Gesamtgelände stehen neben dem Haupthaus zwei Wirtschaftsgebäude. Die Geschichte geht bis ins Jahr 1450 zurück, 1828 tauchte es erstmals in den Karten von Klausen/Pohlbach auf – als Gastwirtschaft. Als sie 1907 aufgegeben wurde, stand das Gebäude einige Jahre leer. Nach dem Ersten Weltkrieg, 1918, hatten deutsche Ordensfrauen in Luxemburg unter Repressalien zu leiden. Deshalb suchten die Reichsgräfin Katharina von Spee und ihre Schwester Rosa Maria von Spee nach einem Ort in Deutschland, wo sie ungestört ihrem Ordensleben nachkommen konnten. Den fanden sie in Klausen. Sie zogen mit weiteren Dominikanerinnen ein, erweiterten das Gebäude und gaben ihm den Namen „Mater Dolorosa“ (schmerzhafte Muttergottes). Die Zahl der Schwestern stieg stetig. Sie kamen aus Deutschland, Luxemburg, Belgien und Ungarn. In den 1950er Jahren lebten etwa 40 Nonnen im Kloster. Sie waren streng abgeschirmt, lebten völlig autark und autonom, boten Pilgern aber Beistand, Unterstützung und persönliche Gespräche an.

An der Klosterpforte fragten Bedürftige nach einer Mahlzeit, und eine Nonne hatte eine Krankenschwesternausbildung. Mit kleineren Beschwerden konnte man zum Kloster gehen und wurde behandelt. Der Tag der Nonnen begann um 5 Uhr morgens und war von sieben Gebetszeiten geprägt. Zur Eucharistiefeier um 7.15 Uhr durften auch Gäste kommen. Neben dem Gebet haben die Frauen sich selbst versorgt, gekocht, gewaschen, sich um das Vieh gekümmert und im Garten gearbeitet. Dabei war die finanzielle Situation schwierig. Die Ordensfrauen lebten von Spenden, kleinen Renten und der Pacht von klostereigenen Grundstücken. 14 Nonnen waren es noch im Jahr 2000, als sie sich entschlossen, nach Lage-Rieste in Osnabrück zu ziehen. Sie wollten sich öffnen und Gruppen beherbergen, was in Klausen schwierig war. Zudem hätten einige größere Renovierungen angestanden. 2012 lebten in Osnabrück noch neun Schwestern. Im Laufe der Jahre wurden es weiter weniger, so dass schließlich noch vier dort lebten. Im Jahr 2020 wurde auch das Kloster in Osnabrück aufgegeben. Die verbliebenen Nonnen sind in andere Klöster des Ordens gegangen.

Für das denkmalgeschützte Klostergebäude in Klausen wurde ab dem Jahr 2000 14 Jahre lang ein Käufer gesucht. Niederländische Investoren wollten einen Ferienhauspark realisieren, andere wollten eine Schule für angehende Clowns, ein Sanatorium für drogenabhängige Jugendliche oder ein Seminargebäude für Manager dort umsetzen.

Den Zuschlag haben schließlich Lu und Ingrid Sanders erhalten, die mit ihrem Weingut aus Osann- Monzel in die Nachbarschaft der Wallfahrtskirche und des örtlichen Kindergartens zogen. Große Teile des Gebäudes haben sie bereits renoviert und fühlen sich in den alten Mauern sehr wohl. Mehr als 69 Zimmer auf 1400 Quadratmetern in drei Gebäuden brauchen sie auch nicht, wie sie mit einem Augenzwinkern in einem früher Interview erklärten.