Ein Zufall, der vielleicht gar keiner ist

Ein Zufall, der vielleicht gar keiner ist

Was Wirklichkeit ist, ist eine philosophische Frage. Spielerisch darüber nachdenken kann man beim Blick auf die hintergründigen Bildwelten von Gerhard Vormwald. Eine Schau in Wittlich zeigt 100 Arbeiten des renommierten Fotografen. Vernissage ist am Sonntag.

Kind bleiben, Künstler werden! Gerhard Vormwald kann das. Beweis sind seine Fotos. TV-Foto: Sonja Sünnen.

Wittlich. In Paris gibt\'s das Centre Pompidou, in Köln das Museum Ludwig, in Wittlich die Galerie im Alten Rathaus. Was hat letztere in der Liga großer Häuser der Kunst zu suchen? Dass man in Wittlich jetzt Arbeiten eines Mannes sehen kann, der auch dort ausstellt. Gerhard Vormwald, Professor der Fotografie an der Fachhochschule Düsseldorf, lebt und arbeitet in Deutschland und Frankreich . Unter dem Titel "Trans" zeigt er ab Sonntag 100 seiner Werke in Wittlich. Die Fotoarbeiten, teils das, was man Schnappschüsse nennt, teils inszenierte Installationen - die sogenannten "Fliegenden Bilder" - und neueste Arbeiten wie die "Ideallandschaften" eint ein Effekt: Der Betrachter denkt: "Das kann doch unmöglich wahr sein!" Denn das Seltsame, Rätselhafte, nicht Eindeutige lässt Gerhard Vormwald in allen seinen Arbeiten anklingen, ein Spiel mit der Wahrnehmung. Seine Fotografien erschließen sich nicht auf den ersten Blick, lassen den Betrachter oft rätseln. Im TV-Interview spricht der Künstler über sein Talent, dem Gefüge der Dinge seine Handschrift zu verleihen - manchmal tatsächlich mithilfe des Zufalls. Die Fragen stellte Redakteurin Sonja Sünnen.Auf Ihren Bildern gibt es eine Art poetisches Gefüge der Dinge. Man fragt sich, was echt ist, was Sie verändert haben - und wie Sie das gemacht haben.Gerhard Vormwald: Dass man denkt, die Kamera würde Leben objektiv abbilden, ist ja ein Trugschluss. Das war nie der Fall. Ich bin in meinem Herzen Maler und benutze alle Mittel, die ein Maler auch hat. Vieles sind Versatzstücke. Ich bringe Dinge zusammen. Dann hat man das Gefühl, dass irgendetwas seltsam ist, es könnte aber auch alles so sein. Es ist doch zum Beispiel schön, wenn ein paar Vögel in der Luft sind. Wenn man fotografiert, sind die ja nie da. Es gibt aber auch Bilder, da ist nichts montiert. Ich achte auf unmögliche Sachen.Und wie bleibt Ihr Auge frisch?Vormwald: Ich habe einfach immer die Kamera dabei. Zwei Mal die Woche fahre ich 600 Kilometer bis Düsseldorf. Auf diesem Weg entdecke ich immer etwas und trete auf die Bremse. Zum Beispiel die vielen Schilder an einer Straßenkreuzung. So viele wie auf dem späteren Bild sind es dann natürlich nicht. Aber manches ist auch Zufall. Am Bild Tannengrab habe ich nichts gemacht. Oder die Farne: Das ist nur angeblitzt, da kommt Dramatik rein. Sie sagen, bei Ihren Studenten wollten Sie deren Talente fördern, nichts aufzwingen. Wer hat denn Ihr Talent gefördert?Vormwald: Meine Mutter. Die hat mich in Ruhe gelassen. Ich war ja ein Einzelkind, mein Vater ist früh gestorben, da war ich der Herr im Haus. Ich durfte mein Talent ausleben, hatte ein kleines Atelier im Garten, Raum für Fantasie. Wenn ich nicht zum Essen wollte, bekam ich einfach einen Korb mit belegten Broten. Wie schwer ist es denn, in unserer Welt voller Bilder ein eigenes zu finden, Fantasie zu haben?Vormwald: Kind bleiben, frisch bleiben. Das fällt mir einfach zu. Klick, klick - die Kraft, woher sie auch kommen mag, versiegt nicht. Es gibt so viele Wege, es anders zu machen. Aber letztendlich sind es alte Muster, die tradiert werden. Große neue Dinge wird es nicht geben. Ich bewege mich im traditionellen Feld der Ideallandschaft. Das ist nichts Neues. Aber jeder hat seine Zeichen. Das macht den Stil oder auch die Manier aus, in der man steckenbleiben kann. Eigentlich geht es immer um Schönheit - und das, was die Schönheit stört. Vernissage ist am Sonntag, 4. November, 11 Uhr. Der Eintritt ist frei. Gerhard Vormwald im Internet: www.gerhard-vormwald.de