Ein Zuhause auf Zeit

Im Dezember 2001 wurde das "Haus der Hilfe" am Stiftsweg 3 eingeweiht. Seit mehr als sechs Jahren ist es zu einer "Heimat auf Zeit" für viele Nichtsesshafte geworden. Seit Beginn ist Diplom-Sozialarbeiter Johannes Politz der Ansprechpartner für die hilfesuchenden Menschen, die hier vorübergehend ein Zuhause finden. Das Haus ist eine Privatinitiative heimischer Unternehmer, Handwerker und Produzenten (der TV berichtete mehrfach).

Bernkastel-Kues. Im gemütlich eingerichteten Wohn- und Essraum sitzen Bewohner des Hauses in geselliger Runde zusammen am großen Tisch oder in der Sitzecke, andere arbeiten noch in der angrenzenden Küche und räumen das gespülte Geschirr in die Schränke. "Die Fremden beherbergen" ist in den Stein im Flur des Hauses gemeißelt. Der Verein "ad quintam", den die Initiatorengruppe gründete, wollte damit etwas Soziales mit Nachhaltigkeit schaffen. Der lateinische Name bedeutet "Zum fünften" und weist damit auf das fünfte der sieben dargestellten Werke der Barmherzigkeit, die auf Wandgemälden im Kreuzgang des St.-Nikolaus-Hospitals dargestellt sind. Diesem Leitmotiv fühlt sich die Gemeinschaft der Stifter verpflichtet. Das Haus bietet mit 13 Betten Unterkunft und Grundversorgung für "Durchwanderer" und Obdachlose. Von Beginn an ist es fast durchgehend belegt. Es ist als Haus der Begegnung eine Anlaufstelle für Menschen mit sozialen Problemen. "Wenn es ein solches Haus nicht gäbe, würde ich auf der Straße liegen", beteuert ein Bewohner, der nicht namentlich genannt werden will. Seit Januar lebt der schwerbehinderte Frührentner hier. Das Schicksal hat ihn hart getroffen - Scheidung, Krankheit, Obdachlosigkeit. Er ist froh über die Hilfe, die ihm hier im Haus zuteilwurde. Jetzt beginnt für ihn mit dem Einzug in eine eigene Wohnung wieder ein Neuanfang. Auch Hugo Steffens will bald wieder auf eigenen Füßen stehen. Er wohnt seit zwei Jahren im Haus, dessen Hilfs- und Gesprächsangebot er sehr zu schätzen weiß. Ursprünglich war das Haus gedacht für Obdachlose und Durchwanderer, aber seit Hartz IV habe sich der Personenkreis in dieser Richtung erweitert, sagt Politz. Manche bleiben länger, andere machen nur kurz Station, einige konnten auch in Dauereinrichtungen vermittelt werden. Die Situation vieler Hilfesuchenden zeige oftmals das gleiche Muster: Beziehung, die in die Brüche ging, Arbeitslosigkeit, Alkoholprobleme. "Hierher kommen Menschen, die oft vor dem Nichts stehen", so Politz. Als Diplom-Sozialarbeiter hat er bisher an mehreren Stellen gearbeitet, die Arbeit mit Obdachlosen aber war neu für ihn. "Ich habe diesen Schritt bis heute nicht bereut", bekräftigt Politz. Das Miteinander und das persönliche Verantwortungsbewusstsein werde im Haus großgeschrieben. Um die täglichen Dinge wie Saubermachen, Waschen und Kochen kümmern sich die Bewohner selbst. Er habe viele Schicksale erlebt, sei Gesprächspartner, biete vielfältige Hilfe bei anstehenden Problemen, Behördengängen oder Arztbesuchen, sagt Politz. "Ich fühle mich oftmals auch als Beichtvater."Das Haus ist eine "Hilfe im Stillen", bekräftigt der Initiator, der deshalb mitsamt der Initiatorengruppe nicht genannt werden will. Ziel war es, einen Ort der Ruhe zu schaffen, wo sich Hilfsbedürftige Tage oder Wochen aufhalten können - und Gesprächspartner finden. Hier gebe es keinen "erhobenen Zeigefinger". Wunder könnten zwar nicht bewirkt werden, aber jeder Einzelne werde hier als Mensch gesehen, der Hilfe brauche. Das Haus werde nach anfänglicher Skepsis mittlerweile von allen Seiten sehr positiv gesehen, lobt der Initiator auch die vielfältige Unterstützung von Bürgern und Geschäftsleuten.EXTRA Spenden willkommen: In einem solchen Haus fehlt es immer wieder an Gebrauchsgegenständen wie Haushaltsgeräten, Handtüchern, Wolldecken, waschbaren Oberbetten oder Pfannen für die Küche. Auch wer einen funktionierenden Computer abzugeben hat, kann sich melden bei Johannes Politz unter der Nummer 0170/2449882. Spenden sind immer willkommen: Kontonummer 87254 (BLZ 58751230) bei der Sparkasse Mittelmosel Eifel-Mosel-Hunsrück, Stichwort "Haus der Hilfe".

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