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Eine 2400 Kilometer lange Erzählung

Eine 2400 Kilometer lange Erzählung

Heiße Sonne, heftige Regenfälle, schmerzende Füße: Robert Reuter hat den Jakob-Pilgerweg geschafft. Eingeladen von der Ortsgruppe Wittlich-Land des Eifelvereins hat er bei einem Vortrag von seiner Erfahrung erzählt.

Burg/Salm. "Was das Herz bewegt, setzt die Füße in Bewegung": Unter diesem Motto hat die Ortsgruppe Wittlich-Land im Eifelverein zu einem Vortrag von Robert Reuter über den Jakobs-Pilgerweg in die Alte Schule in Burg/Salm eingeladen. Über 70 Zuhörer füllten den Saal.
Robert Reuter aus Orenhofen konnte sich den seit Jahrzehnten gehegten Pilgerwunsch endlich im Jahre 2007 erfüllen. Er war auf dem etwa 2400 Kilometer langen Weg über 100 Tage von März bis Juni unterwegs und wollte mit dieser Auszeit nach Ende seines Berufsweges seinem Leben eine neue Ausrichtung geben. Teils nachdenklich, teils begeistert hat Reuter seine mitunter auch sehr persönlichen Eindrücke und Empfindungen geschildert. Über die Pilgerreise hat er auch ein Buch geschrieben.
Strapazen und Heimweh


Die einzelnen Tagesetappen und Ziele hat Reuter in Fotos festgehalten, die für die Zuhörer großformatig projiziert werden. Er erzählte zu jedem Ort, zu jeder Kirche, zu jeder Kapelle und zu jedem Wegekreuz eine kleine Geschichte, und sein Freund Robert Graff aus Orenhofen las zu ganz besonderen Ereignissen unterwegs kurze Abschnitte aus Reuters Buch vor. Die Zuhörer erfahren von den Strapazen, denen der Pilger auf seinem Weg, auf Tagesetappen zwischen 20 und 35 Kilometern, ausgesetzt war, von Wettereinflüssen mit Frost, Schnee, starkem Regen und heißer Sonne. Natürlich haben die körperlichen Anstrengungen einer solchen Pilgerwanderung auch ihren Tribut gefordert. 20 Kilo Gepäck im Rucksack verursachten Schmerzen und Entzündungen und vor allem die Füße wurden täglich einer schweren Belastung ausgesetzt.
An besonderen Tagen, Familien-Gedenktagen oder dem eigenen Geburtstag, stellte sich auch Heimweh ein. All diese Mühen und Beschwernisse wurden jedoch aufgewogen durch herzliche Aufnahme in Klöstern und Herbergen und die Begegnungen mit freundlichen und hilfsbereiten Menschen unterwegs, erzählt Reuter. Ganz besonders gehörte auch die Meditation in einem Gotteshaus dazu und trug zur Regeneration und Motivation für den weiteren Weg bei.
Reuter erzählt von den vielen Menschen, die ihm auf dem Weg begegnet sind. Mancher Pilger ging auf die Wanderschaft, um ein persönliches Erlebnis, den Verlust eines lieben Menschen, eine Krankheit oder einen Unfall zu verarbeiten. Trotz der Begegnungen mit vielen Menschen und der Begleitung eines Gefährten bleibt der Pilger auf seinem Weg allein.
Am Ziel in Santiago des Compostela nahm Reuter seine Pilgerreise dankbar als Geschenk Gottes an, ein unvergessener Höhepunkt in seinem Leben. Vom Zielort selbst war er ein wenig enttäuscht, vor allem durch die große Unruhe in der Kathedrale. Aber das ist nicht so wichtig, denn der Weg ist das Ziel. red