Eine alte Dame, die Ruine und ein Rieslingsekt

Schladt/Traben-Trarbach · In zwölf Etappen reisen zwölf Volksfreund-Reporter von A wie Aach bis nach Z wie Zewen - einmal quer durch die Region Trier. Ihr Ziel ist es nicht nur, die eigensinnige Schönheit von Eifel, Mosel und Hunsrück zu ergründen und etwas Typisches zu essen. Sie machen sich auch auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Etappe 8 einer ungewöhnlichen Sommerreise.

Die Motorengeräusche meines Wagens, die mich von Trier bis Schladt begleitet haben, verstummen. Ein Hahn kräht, der Wind säuselt durch die Ahornbäume an der Friedhofspforte, Hundegebell in der Ferne - wie der Lärm in der Großstadt ist in Schladt (Landkreis Bernkastel-Wittlich) die Stille der Eifel unüberhörbar.
Ich überlege kurz, lasse den Wagenschlüssel dann aber stecken. Mein sechster Sinn sagt mir, dass niemand in dieser 110-Seelen-Gemeinde ein Auto klauen würde.
Das steinerne Friedhofskreuz und dahinter ein über weite Felder und tiefe Wälder reichender Ausblick hatten im Vorbeifahren meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Weiter führt mich meine Reise durch den Landkreis Bernkastel-Wittlich nach Gipperath. In dem kleinen Eifeldorf soll bereits im 12. Jahrhundert eine Kirche gestanden haben. Die Momentaufnahme wirkt beschaulich. Weiter geht es über Greimerath nach Willwerscheid, wo ich einen erhabenen Ausblick genieße, den der einsetzende Platzregen jedoch etwas trübt.

Etwas möglichst Typisches essen und trinken: Mitten im Wald entlang des engspurigen Kurses zwischen Gipperath und Plein lädt das Hotel/Restaurant Waldschlößchen zur Einkehr ein. Hier lasse ich mir ein Brot mit hausgemachtem Griebenschmalz und später ein Pleiner Kartoffelsüppchen mit Bündnerfleisch von der Vesperkarte servieren. Dazu trinke ich eine Holunderblütensirupschorle. Chefin Wilma Gillert sagt: "Plein in unmittelbarer Nähe zu Wittlich, zur A 1 und mit eigenem Kindergarten, liegt sehr günstig." Wenn ich das in Trier erzähle ... Aber: Die Tatsache, dass der Familienbetrieb seit mehr als 100 Jahren existiert, scheint den Gillerts Recht zu geben. Aktuell profitiert das Hotel/Restaurant vom Maare-Mosel-Radweg, der den Garten des Hotels streift.

Mit jemandem über den Sinn des Lebens sprechen: Die menschenleeren Straßen der Eifeldörfer zwingen mich zu dem Entschluss, bei der für diesen Fall verantwortlichen Stelle vorzusprechen. Im Pfarrhaus Kinderbeuern öffnet mir Pfarrsekretärin Jutta Görgen die Tür. Pater Ludwig Eifler ist jedoch zu Exerzitien, und deshalb rät mir Frau Görgen zu einer Alternative. Gegenüber wohnt die 90-jährige Christine Tillmann, die sich in jüngeren Jahren im Pfarrgemeinderat und Eine-Welt-Laden engagiert hat. Die rüstige Dame öffnet verständnisvoll die Tür. In der Küche, in der es nach gebratenem Fisch duftet, sitzt ihr 64-jähriger Sohn Karl-Josef und liest TV. Die 90-Jährige sagt, sie habe gerade eben erst gekocht. Nach einem kurzen Plausch im Wohnzimmer stelle ich Frau Tillmann die Frage nach dem Sinn des Lebens. "Da muss ich überlegen - der Sinn des Lebens liegt darin, jeden Tag so sinnvoll zu gestalten, dass ich dem lieben Gott abends dafür danken kann." Zu ihrem Tagwerk gehört für die 90-Jährige vor allem die Arbeit in ihrem Garten. Bevor ich mich verabschiede, führt sie mich durch ihre Beete. Ich bin sprachlos.

Eine Sehenswürdigkeit bestaunen: Auf dem Weg hinab von Kinderbeuern über Kröv ins Moseltal sticht - hoch über Traben-Trarbach - die Ruine der Grevenburg ins Auge, die auf dem Fels am gegenüberliegenden Moselufer thront. Aus dem Baujahr 1350 ist noch die Fassade des Kommandantenhauses erhalten. Das Gemäuer lässt sich zu Fuß oder mit dem Auto erreichen.

Einen Lieblingsplatz finden: Die Ruine der Grevenburg hat ein mystisches Mittelalter-Flair. Der Ausblick über Traben-Trarbach und die Mosel, der sich von der Ruine aus bietet, ist von außergewöhnlicher Schönheit.

Ein Andenken mitbringen: Die ehemaligen Burgherren, die Grafen von Sponheim, mit ihren großen Besitztümern lebten mit Sicherheit in Saus und Braus. Der Genuss von Champagner - pardon - Winzersekt, blieb ihnen jedoch vorenthalten. Denn Schaumwein wurde erstmals gegen Ende des 18. Jahrhunderts produziert. Ich kaufe bei einem Winzer eine Flasche Rieslingsekt brut, traditionelle Flaschengärung, handgerüttelt. Da er sich ohne Qualitätseinbußen lagern lässt, taugt er als Andenken. Dazu hat er gegenüber anderen Erinnerungsstücken einen entscheidenden Vorteil: Er schmeckt - feinperlig und aromatisch.